10/2018 von

Was lange währt... – Die Baureihe 56.2-8 von Liliput

Zur Spielwarenmesse 2014 wurde von Liliput ein N-Modell dieser Baureihe angekündigt. Eine gute Vorbildwahl, da bisher noch kein anderer Hersteller diese Baureihe in N angeboten hatte. Beim Händler sollte sie ab Sommer 2015 erhältlich sein, aber erst im November war es dann soweit. Die Fahreigenschaften waren jedoch – vorsichtig ausgedrückt – suboptimal. Daraufhin wurden die Loks von Liliput zur Nachbesserung nach China zurück geschickt, als neuer Liefertermin war Oktober 2016 geplant. Daraus wurde dann letztendlich September 2018 und jetzt steht die kleine Dampflok endlich für einen ersten Test bereit.

Das Vorbild

Nachdem sich zu Beginn der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts die in großen Stückzahlen eingesetzte vierachsige Güterzuglok-Baureihe 55.25–56 (Preuß. G8) als zu langsam zeigte, erhielten zwischen 1934 und 1941 insgesamt 691 dieser Loks eine vordere Laufachse – so entstand die Baureihe 56.2–8. Der Umbau ließ eine höhere Geschwindigkeit (70 km/h) zu, und die Lok konnte somit auch vor Personenzügen eingesetzt werden. Weil durch den Umbau auch die durchschnittliche Achslast geringer wurde, konnten die Lokomotiven jetzt auch Nebenstrecken befahren.

Die Länge über Puffer wuchs durch den Einbau der Laufachse von 17968 auf 18296 mm, der Kessel wurde um 80 mm angehoben. Nach dem Krieg kamen 368 Loks der BR 56.2-8 zur DB. Sie wurden bis 1968 ausgemustert. Die zur DR gelangten Maschinen taten dort bis 1970 Dienst.

Die Optik

Beginnen wir mit dem einzigen Kritikpunkt. Die obere Tenderlampe ist etwas groß geraten, was aber auf den Fotos wesentlich schlimmer wirkt, als „in echt“ und was im Anlageneinsatz so gut wie nicht mehr auffällt. Hätte aber nicht sein müssen...

Doch jetzt: Die Lok ist wunderschön geworden! Der Vergleich mit Vorbildfotos zeigt, dass alles genau dort ist, wo es hingehört, und dass der Gesamteindruck überaus stimmig ist, auch weil die Lok und der Schlepptender mit Hilfe einer Kurzkupplungskulisse schön eng gekuppelt sind.

 

Besonders hervorzuheben sind viele einzeln freistehend angesetzte Leitungen und Handläufe und feine Niet-Imitationen an Lok- und Tenderfahrwerk. Dieses besticht vor allem durch die plastische Nachbildung von Achslagern und Federpaketen. Auch die Stehkesselrückwand ist recht detailliert gestaltet. Das Steuerungs- und Antriebgestänge ist äußerst zierlich und farblich sehr schön ausgefallen. Ebenso wie die durchbrochenen Räder ist es in einem angenehm dunklen Rotton gehalten. Der Lokkessel (aus Metall), das Führerhaus und das Tendergehäuse zeigen sich mattschwarz, wobei der Kessel eine winzige Spur glänzender ausgefallen ist. Zwischen Fahrwerk und Kessel lugt bei sehr ungünstigem Betrachtungswinkel die weiße Beschriftung eines Aufklebers hervor, was auch hier auf den Fotos viel schlimmer als „in echt“ ist. Ich selbst bin erst durch die Fotos darauf aufmerksam geworden. Und sollte sich der N-Bahner wirklich daran stören – ein feiner Pinsel und etwas schwarze Farbe, und gut iss...

 

Die vollständige und größenrichtige Beschriftung – auch am Lokrahmen und der Pufferbohle – kann mit einer guten Lupe und guten Augen (!) noch bis zur kleinsten Schriftgröße gelesen werden. Und selbst die Elektropfeile an den Windschuten des Führerhauses und an den Sandkästen fehlen nicht. Zur Aufrüstung durch den N-Bahner liegen noch zwei Kolbenstangenschutzrohre bei, die sich jedoch hartnäckig weigerten, den ihnen zugedachten Platz in den Bohrungen der Zylinder einzunehmen. Diese Öffnungen müssten vermutlich etwas aufgebohrt werden, und dann die Schutzrohre mit etwas Klebstoff gesichert werden. Trotz dieser sehr kleinen Mängel: Detaillierung, Lackierung und Beschriftung des Modells sind über jeden Zweifel erhaben. Bravo, Liliput!

 

Die Technik

Hat die Nachbesserung in Bezug auf die Fahreigenschaftenden den gewünschten Erfolg gebracht? Die Wahrheit liegt auf dem Gleis! Und die Lok steht endlich darauf. Regler auf! Die BR 56 fährt bei einer Spannung von zwei Volt ruckfrei und butterweich an. Die ausgezeichnete Stromabnahme ermöglicht auch das Befahren von Weichen mit stromlosen Kunststoffherzen in Schleichfahrt.

 

Das Modell ist sehr gut regelbar, und liegt bis zur Höchstgeschwindigkeit absolut ruhig im Gleis. Kein Taumeln, Zittern oder Wanken – auch nicht in „gemeinen“ Weichenstraßen mit Doppelkreuzungsweichen. Das mit der Fahrtrichtung wechselnde Dreilicht-Spitzensignal (LEDs) zeigt einen angenehmen, warmen Farbton. Erfreulich ist das in allen Geschwindigkeitsbereichen auffallend zurückhaltende Antriebsgeräusch.

 

Im Kessel werkelt ein Glockenankermotor mit Schwungmasse. Da hätte man sich eigentlich einen etwas längeren Auslauf gewünscht. Nichts auszusetzen gibt es dagegen an der Zugkraft der 56 Gramm „schweren“ und mit zwei Haftreifen auf der dritten Antriebsachse versehenen Lokomotive.

 

Die Normkupplungen in den Klipsaufnahmen – mit Kurzkupplungskulisse am Tenderende – stehen schön gerade und kuppeln einwandfrei an und ab. Das muss erwähnt werden, weil es leider seit einiger Zeit bei Neuerscheinungen nicht mehr selbstverständlich ist. Warum eigentlich?

Hat die Nachbesserung den gewünschten Erfolg gebracht? Sie hat – und wie!

Wartung und Pflege

Der Lok liegen eine Betriebsanleitung und ein Ersatzteilblatt bei. Nach ein paar kurzen Informationen zum Vorbild empfiehlt die Anleitung eine Einfahrzeit von ein paar Minuten. Die Räder sollen im Bedarfsfall mit einem in Spiritus getränkten Wattestäbchen gereinigt werden, und die Achslager nach ca. 30-40 Stunden Betrieb geölt werden. Wir raten von beidem ab! Sich lösende Wattefussel könnten in die Lok geraten, die Stromabnahme beeinträchtigen und in das Getriebe geraten. Besser ist es, die Lok in einer Lokliege auf den Rücken zu legen, Spannung anzulegen, und die sich dann drehenden Räder mit einem Glashaarpinsel zu reinigen. Aber erst dann, wenn die Lok auf Grund verschmutzter Räder Probleme mit der Stromabnahme haben sollte. Noch einfacher – auch bei den nicht angetriebenen Tenderrädern – geht es mit den bei DM-Toys erhältlichen Radreinigungsanlagen.

 

Ein Achslager würden wir nur dann vorsichtig ölen, wenn es sich durch Quietschen bemerkbar macht. Laut Anleitung sollte auch die Getriebeschnecke von Zeit zu Zeit geölt werden. Dazu müssen drei winzige Kreuzschlitzschrauben herausgedreht werden, und dann „kann das Gehäuse vorsichtig abgenommen werden“. Denkste! Nachdem es sich nicht rührte, wurde der Versuch abgebrochen – ich wollte die Lok nicht beschädigen. Zu guterletzt wird in der Anleitung noch der Einbau eines DCC-Decoders (Next 18) beschrieben. Hierzu muss der Kohlenaufsatz des Tenders abgenommen werden, was problemlos funktioniert. Eine Empfehlung für ein bestimmtes Decoder-Modell wird nicht gegeben.

 

Glockenankermotore sind prinzipiell wartungsfrei, deshalb wird in der Anleitung auch nicht auf den Motor eingegangen. Weniger schön ist, dass ein evtl. notwendiger Haftreifenwechsel nicht beschrieben wird.

Das bebilderte Ersatzteilblatt macht es leicht, im Falle eines Falles das richtige Ersatzteil zu finden. Hoffentlich ist dann auch alles lieferbar...

Das Fazit

Was lange währt, wird endlich gut!

Das lange Warten hat sich gelohnt! Liliput zeigt eindrucksvoll, was bei einem Dampflokmodell in N heute machbar ist. Die BR 56 ist in optischer und technischer Hinsicht ein absolutes Spitzenmodell geworden.  Insofern ist der Preis durchaus noch angemessen.

 

Hier finden Sie die BR 56 im Shop von DM-Toys.

 

 

 

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