05/2022 von Klaus Kosack

Tonerde-Wagen (2 Sets) von Fleischmann

Tonerde ist ein wichtiger Grundstoff zur Produktion von Keramiken aller Art. Dieser entstand vor ca. 25 Mio. Jahren und hat u.a. die Eigenschaft wasserundurchlässig zu sein und gebrannt zu Kannen ist er gut für den Transport von Flüssigkeiten aller Art.  Da Keramik- Hersteller zu großen Firmen gewachsen sind, brauchen diese den Rohstoff in großen Mengen. Überdies sind die Entfernungen von den Tongruben zu den Herstellern z.T. sehr groß, dass sich der übliche Transport mit dem Lkw nicht lohnt, zumal Güterzüge nicht vom Wochenend- Fahrverbot der Lkws betroffen sind.

So hat die DB für diesen speziellen Zweck eigens Wagen bauen bzw. umbauen lassen, dass größere Mengen Ton zum einen, aber auch nur angefeuchtet – wie beim Abbau beim Keramik-Werk ankam. So konnte die Bahn in diese Bresche springen.

Im unteren Westerwald gibt es riesige Tonvorkommen aus dem Tertiär, die an Keramik- Hersteller verkauft werden. Wichtige Abnehmer des Tons sind Firmen in Italien sowie z.B. die Firma Villeroy & Bosch im Saarland. Ton hat ein hohes spezifisches Gewicht: 1 m² Tonerde wiegt ca. 1,2 t.

Die Bahn richtete zwischen den Tongruben und Produzenten Ganzzüge ein, die im Block zu den Endabnehmern fuhren. Bekannt sind die Tonerde-Züge vom Westerwald über den Brenner bzw. über den Gotthard nach Italien.  

Set 1 Tonerde Wagen
Set 2 Tonerde Wagen
Tonerde-Zug mit drei Sets

Vorbild

Wagen für den Tonerde-Transport mussten zwei Bedingungen erfüllen: Sie mussten leicht be- und entladen werden können und zum anderen musste das Ladegut gegen Regen geschützt sein. Diese Forderung erfüllten Güterwagen, die von Talbot in Aachen entwickelt wurden und ein Schwenk- bzw. Rolldach hatten. Andererseits durften die Wagen wegen des hohen spezifischen Gewichts des Ladeguts nicht zu lang sein. Diese Bedingungen erfüllte der Taems888, der von 1965 bis 1966 mit 281 Wagen in Dienst gestellt wurde.

Skizze des Taems888 (Quelle: Dt. Wagenarchiv, Blatt Taems888)

Trotzdem hatten die Wagen einen Nachteil: Das Beladen konnte man flott durchführen, aber es gab Probleme bei der Entladung der Tonerde. Daher hat man viele Wagen später für den Colli-Verkehr umgebaut. Inzwischen ist diese Wagenbauart von der Schiene verschwunden.

Der zweite Wagen für den Tonerde-Transport war -vereinfacht gesagt- ein umgebauter 4-achsiger offener Güterwagen, dem man noch ein Rolldach zum Schutz des Ladeguts versehen hat. Der Wagen hat die gleichen Abmessungen des Eaos106, hat aber ein Rolldach. Auch hier gab es verschiedene Prototypen- insbesondere der Mechanik und Werkstoff des Daches, bis der Tamns886 herauskam. Es wurden nur 20 Wagen 1986 gebaut, die allesamt im Tonerde-Verkehr nach Italien eingesetzt wurden. Wegen des Stahl-Fußbodens bekamen die Wagen später bei der Bauartbezeichnung ein „-x“ angehängt. Auch diese Wagen sind inzwischen aus dem Verkehr genommen worden.

Skizze des Tamns886 (Quelle: Dt. Wagenarchiv, Blatt Tamns886)

Nachfolger der Wagen für den Tonerde-Verkehr sind Container-Tragwagen mit speziellen Containern. Diese Container waren so konstruiert, dass zum Be- und Entladen der Deckel des Containers abgenommen werden konnte und zur Fahrt wieder wasserundurchlässig verschlossen werden konnte. Züge mit solchen Wagen beherrschen heute den internationalen Tonerde-Verkehr.

Modell

Der Taems888 ist eine Eigenkonstruktion. Von diesem Wagentyp gibt es kein vergleichbares andere N-Modell. Erstmals erschien er 1981. Seither gab es sieben Varianten, davon eine als KKks 01. In den 41 Jahren war der Wagen nicht immer im Programm von Fleischmann. Die jüngsten Varianten sind den beiden Tonerde-Sets (#829357 und #829358) beigefügt, die hier besprochen werden.

Hier ein Foto des Wagens:

Fleischmanns Taems888

Es folgt eine Übersicht der drei Wagen aus den beiden Sets:

Art.-Nr.

Bauart

LüP (V)

LüP (Mo)

Wagennr.

829357-1

Taems888

11.500

71

085 1463-4

829357-2

Taems888

11.500

71

085 1360-2

829358-3

Taems888

11.500

71

084 7063-1

 

Ein Rätsel gaben die Wagen-Nummern auf, denn die Nummern passen nicht zur Bauart. Die Lösung war, dass sich hier Fleischmann vertan hat und die Nummern der Nachfolgebauart Taems890 aufgedruckt hat. Interessanterweise bei dem dritten Wagen stimmt aber die Nummer. Bei der Produktbeschreibung von Fleischmann geisterte der Wagen jahrelang als Taems892 herum.

Bei allen drei Wagen kann das zweiteilige Dach geöffnet werden und so ist die Möglichkeit gegeben, eine Beladungsszene nachzustellen. Recht umfänglich ist die Beschriftung auf der Wagentür: Hier hat man für den italienischen Empfänger die Vorschriften auch auf italienisch aufgedruckt. Bei genauem Hinsehen mit der Lupe gibt es auch französische Aufschriften. Bei den Wagen des Sets 829357 ist sogar das Ladegut „Argilla“ auf italienisch aufgedruckt.

Beschriftung des Wagens auf der Tür in drei Sprachen

Es folgen weitere Bilder des Taems888, die weiteren Details des Wagens zeigen.

Wagen von oben
Wagen geöffnet
Wagen von unten
Wagen von vorne
Kuppelabstand des Taems888

Fazit des Testers: Ein gut durchdachter Güterwagen für einen speziellen Einsatz.

Der zweite Wagentyp ist ein offener Güterwagen mit Rolldach. Mit diesem Wagentyp haben sich neben Fleischmann auch Hobbytrain und Minitrix beschäftigt.  Zunächst einmal Fotos der Konkurrenten:

Hobbytrain Taems893
Minitrix Taems892
Minitrix Taems893

Die beiden o.g. Hersteller haben sich andere Wagentypen mit Rolldach ausgesucht, wobei Minitrix zwei Bauarten verwirklicht hat.  

Hier folgt der Wagen von Fleischmann, der in Verkehrsrot mit und ohne Aufschrift „DB Cargo“ daherkommt.

Tamns886 von Fleischmann

Hier eine Übersicht der 3 Wagen dieses Typs in den beiden Sets:

Art.-Nr.

Bauart

LüP (V)

LüP (Mo)

Wagennr.

829357-3

Tamns886

14.040

87

080 6023-4

829358-1

Tamns886

14.040

87

080 6018-4

829358-2

Tamns886

14.040

87

080 6012-7

Auch hier geben die Wagennummern Rätsel auf: Die Nummer des Wagens aus dem Set ...57 ist fast korrekt- die Bauart 886 ging bis zur Nummer 080 6019 -, während die beiden anderen Nummern in Ordnung sind.

Wagen von unten
Wagen von oben

Auch hier zeigt Fleischmann eine solide Konstruktion des Wagens: Vier Türen an den Seitenwänden, auf der einen Seite des Wagens ein Fach für das aufgewickelte Dach. Auch an den Kuppelabstand ab Werk gibt es nichts zu meckern. Der Wagen erschien erstmals 1996 in braun im Katalog. Bis 2020 sind 17 Varianten erschienen, die meisten (10) davon in verkehrsrot, wie die drei jüngsten Wagen aus den beiden Sets.

Wagen von vorne
Kuppelabstand ab Werk

Einsatz auf der Modellbahn

Wie schon oben erwähnt, wurden die Wagen meistens in Ganzzügen eingesetzt. Nur von bzw. nach Tongruben sind auch einzelne Wagen denkbar, denn die Ganzzüge wurden erst an der Lahn (Gießen/ Wetzlar/ Limburg) zusammengestellt. Schon drei bis vier Sets geben einen respektablen Ganzzug ab, der auf nicht elektrifizierten Strecken von einer Lok aus der V 160- Familie gezogen wurde, in Richtung Italien dann aber von einer moderneren Lok, z.B. einer Vectron. Spielt das Ganze in Italien, kommt auch eine FS-Lok der Reihe E 656 (z.B. von Arnold) in Frage. Da hat der Modellbahner viele Möglichkeiten.

Fazit

Licht und Schatten gibt es bei den Sets: Nicht nachvollziehbar ist der Fehlgriff bei den Wagennummern. Aber Hand aufs Herz: Wer kontrolliert schon die Wagennummer im laufenden Betrieb auf der Modellbahn? Glaube, keiner läuft mit einer großen Lupe neben dem Tonerde-Zug her. Wem es wirklich stört, besorge sich Decals (z.B. bei Nothaft) mit den richtigen Nummern. Mich stört es nicht. Ansonsten sind es betriebstaugliche Wagen für einen speziellen Zweck, die auf der Club-Anlage ohne große Probleme liefen.

Die drei Wagen der beiden Sets sind in Einzelschachteln verpackt. Diese wiederum in einer Pappschachtel, die allerdings sich nur mit Mühe öffnen lässt. Daher ein Tipp: Die Einstecknasen sind ein wenig zu groß geraten. Schneidet man von der Einstecknase rechts und links etwa 1 mm ab, so lässt sich die Einstecknase einfacher heraus- und einschieben. Diesen Tipp sollte man auch bei anderen Pappschachteln mit Wagensets beherzigen, bevor die Pappschachtel zerstört wird, wenn die Wagen öfter ein- und ausgepackt werden sollen.

Klaus Kosack

 

Literatur:

M. Dostal, Blätter Tamns886 und Taems888, in: WAGEN, Archiv der Dt. Reisezug und Güterwagen, GeraMond Verlag München

St. Carstens et al., Güterwagen der DB AG, Railion, DB Schenker Rail, =MIBA Klartext, Fürstenfeldbruck 2014

Internetseite: http://www.dybas.de/dybas/gw/gw_gattungen.html

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