02/2018 von

Shiki-Shima - Japans neuer Luxuszug

Wer kennt nicht die Namen der großen Luxuszüge: Royal Scotsman, Pride of Africa oder Eastern & Oriental Express. Große Namen, die bei Eisenbahnfans sofort das Fernweh auslösen und einen träumen. Jetzt kommt ein weiterer Name dazu: Train Suite Shiki-Shima in Japan.

Wer jetzt Japan liest und sofort an einen Hochgeschwindigkeitszug denken muss, liegt bei diesem Zug hier vollkommen falsch. Der Train Suite Shiki-Shima fährt fern ab der Shinkansen Strecken. Vielmehr ist es eine Kreuzfahrt auf Schienen, die durch die herrlichen Landschaften und den Sehenswürdigkeiten Japans führt.

Blick in den Führerstand

Shiki-Shima heißt wörtlich übersetzt „Insel der Vier Jahreszeiten“. Und dieser Name spiegelt sich auch in den angebotenen Reisen des Luxuszuges wieder. Die angebotenen Reiserouten werden entsprechend der Jahreszeit ausgewählt und zeigen Japan von der schönsten Seite. Mit dem Luxuszug will der Bahnbetreiber den lokalen Tourismus und die Regionalwirtschaft zu fördern.

Die Reiseroute der kürzesten, 2-tägigen Fahrt

Der Train Suite Shiki-Shima ist ein futuristisch anmutender Luxuszug, der in einem eleganten Champagner-goldenen Farbton lackiert ist und so gleich den Luxus von außen im Inneren andeutet. Verteilt auf 6 Waggons werden 3 unterschiedliche Suiten angeboten. In der „einfachsten“ Suite – Suite Room genannt, befindet man sich in einem großzügigen Abteil, deren gemütliche Sessel sich zu Betten ausklappen lassen. Ein eigenes, räumlich getrenntes Badezimmer mit Dusche und WC besitzt jede dieser „Suite Rooms“. Die nächst höhere Preisklasse – Deluxe Suite genannt – verwöhnt den Gast mit einer kaminähnlichen Feuerstelle mitten im Raum. Die Räume sind ebenfalls noch größer gehalten. Größter Unterschied hier ist eine Badewanne und keine Dusche. Die höchste Preisklasse nennt sich „Shiki-Shima Suite Room“. Hier wohnt der Fahrgast auf 2 Etagen und ebenfalls ein großes Badezimmer mit einer Badewanne. Das Maisonette-Abteil hat eine Treppe mit der man in die obere Etage kommt. Hier kann der Gast in Ruhe sitzen oder eine Teezeremonie zelebrieren. In der unteren Ebene wird in richtigen Betten übernachtet. Aber nicht nur in den Suiten ist einiges geboten, auch in den restlichen 4 Wagen. Es gibt einen Speisewagen, in dem Sterneköche das Essen zaubern. An den Speisewagen grenzt der Wagen mit einem großen Gesellschaftsraum, neudeutsch Lounge genannt. Hier befindet sich eine Bar mit (fast echtem) Kaminfeuer. Im Parkettboden sind unter den Tischen Horigotatsu eingelassen – Fußwärmer. Ein Pianist sorgt in der Lounge für die musikalische Untermalung. An beiden Enden des Zuges befinden sich Aussichtswagen. Hier kann der Fahrgast, in ledernen Drehstühlen oder Safas sitzend, durch riesige Panoramafenster schauen und die vorbeiziehende Landschaft bestaunen.

Die einzelnen Wagen in ihrer Reihenfolge

Der Gast kann zwischen einer 2-, 3- oder 4-tägigen Fahrt wählen. Die Kosten dieser Touren liegen zwischen etwa 2600 und 8500 € pro Person, je nach Länge der Reise und gewählter Suite-Type. Der 10-teilige Zug bietet Platz für 34 Gäste, wenn alle Zimmer mit 2 Personen belegt sind. Die Suiten können natürlich auch als Einzelzimmer gebucht werden, sind dann natürlich entsprechend teurer.

Die obere Ebene der 2-geschossigen Shiki-Shima Suite Room, da brauch man kein Hotel mehr

Die offizielle Baureihenbezeichnung von diesem Traum-Zug lautet E001-Series. Es existiert nur 1 Exemplar von diesem Zug. In Betrieb ist der Luxuszug seit dem 1. Mai 2017. Wem der Preis nicht zu hoch ist, kann aber frühestens im Oktober/November dieses Jahres wieder Tickets bekommen. Bis dahin ist der Zug nämlich schon ausgebucht. Aber die lange Wartezeit gibt einem zumindest die Möglichkeit, die notwendige Summe anzusparen. Wer sich entschieden hat, mit diesem Traum-Zug zu fahren, braucht unter Umständen aber auch eine Portion Glück. Bei der Bewerbung (!) für die Reise (so die offizielle Beschriftung bei der Anfrage), wird auch gleich darauf hingewiesen, dass bei Überbuchung des Zuges das Losglück entscheidet. Bei der Premierenfahrt mit dem Zug war es bereits so, dass das Losglück entscheiden musste. 76mal hätte die erste Fahrt belegt werden können. Vermutlich ist es jetzt nicht mehr so schlimm.

Für das Design des Zuges und der Innenausstattung zeichnet sich der ehemalige Ferrari und Porsche Designer Ken Okuyama verantwortlich. Das Innendesign verarbeitet ausgewählte Materialien und kombiniert diese mit traditioneller, japanischer Handwerkskunst, wie der klassischen, japanischen Glaskunst.

Der Speisewagen im Original

Auch andere Divisionen von Japan Railways betreiben Luxuszüge. Seit Juni 2017 fährt der „Twilight Express Mizukaze“ in der Region um Kyoto und Osaka. Bereits seit 2013 bietet der „Nanatsuboshi“ (= sieben Sterne) spektakuläre Reisen auf der südlichen Insel Kyushu an.

Diesen 10-teiligen Traumzug hat sich der japanische Modellbahnhersteller KATO ausgesucht, ihn in ein Model umzusetzen. Unter der Bestellnummer 10-1447 wird er angeboten. Hat man den Zug erworben und hält ihn in den Händen, fällt die bekannte, aber doch etwas andere Verpackung des Zuges auf. Natürlich handelt es sich um die bekannte „Buchverpackung“ von KATO. Der 10-teilige Zug wird in 2 dieser Bücher ausgeliefert. Beide Bücher zusammen sind in einem Schuber zusammengefasst. Der Schuber ist in einem hellen, glänzenden Perlmutt gehalten und deutet damit schon die Eleganz des Zuges auch im Modell an. Die Buchverpackung ist in einem hellen Creme gehalten. Die Aufmachung sieht schon mal edel aus.

Die besondere Verpackung reflektiert die Fenster der Panoramawagen.

Nimmt man den Zug aus der Verpackung und stellt ihn auf das Gleis, gibt er den eleganten Eindruck des Originals sehr gut wieder. Der Champagner-Gold Farbton des Zuges ist sehr gut getroffen. Die wenigen Bedruckungen auf dem Zug sind konturenscharf. Auch wenn das Original nur von Fotos und Videos bekannt ist, steht das Modell dem Original vom Aussehen in nichts nach. Der 10-teilige Zug wird mit Scharfenberg ähnlichen Mini-Kupplungen miteinander verbunden. Diese halten den Zug ohne Schwierigkeiten durch Abkuppeln fest zusammen.

Die erste Hälfte des 10-teiligen Zuges.

Angetrieben wird der Zug durch den bekannten KATO-Motor, der sich im dritten Wagen, einem Schlafwagen mit den Suite Rooms, befindet. Dreht man am Trafo, setzt er sich nach ca. einem Viertel des möglichen Drehwegs am KATO-Trafo in Bewegung. Ohne zu Ruckeln setzt sich der Zug langsam in Bewegung. Nur ein leises Schnurren vom Motor ist zu hören und informiert den Modellfahrer, dass dort Arbeit verrichtet wird.

Wie es bei KATO üblich ist, sind die Pantographen aus Kunststoff gespritzt und stehen für einen echten Oberleitungsbetrieb nicht zur Verfügung. Sie können aber in jede Position problemlos eingestellt werden. Auf dem Dach sind noch weiterhin Ventilatoren, Isolatoren bei den Pantografen und die oben liegenden Aggregate nachgebildet. Die Gravuren zeigen Lüftungsgitter und Wartungsklappen. Das Modell dieses luxuriösen Zugs gibt die Details des Originals bis ins kleinste wieder. Nicht nur das Äußere ist äußerst fein und detailliert wieder gegeben, sondern auch das Innere ist detaillierter als je zuvor (laut eigenen Worten von KATO). Einen ersten Eindruck der Inneneinrichtung bekommt man schon, wenn man in die (noch geschlossenen) Panoramawagen hineinschaut. Hier kann man durch die Fenster bereits die Sessel erkennen.

Hier kann man beim näheren Hinsehen schon die Inneneinrichtung erkennen.

Das hat das Interesse nach den Inneneinrichtungen der anderen Wagen geweckt. Dreht man den Wagen um, kann man die Seitenwände vorsichtig auseinanderspreizen und den Wagenboden mit den Fingernägeln herauslösen. Zum Vorschein kommen bei jedem Wagen die unterschiedlichen Inneneinrichtungen. So kann man beim Wagen direkt hinter dem Panoramawagen die 3 großzügigen Schlafkabinen sehen. Bei dem Speisewagen die Küche und die Plätze zum Essen. Im Gesellschaftswagen sieht man neben den Sitzgelegenheiten auch ein extra bemaltes Klavier. Auch eine (funktionierende) Tischbeleuchtung ist zu erkennen.

Die Inneneinrichtungen von Schlafwagen, Speisewagen und Gesellschaftswagen

Wem die monochrom eingefärbten Inneneinrichtungen nicht gefallen, könnte sich noch die Mühe machen und die Stühle, Betten, Duschen, etc. selber kolorieren. Auch könnte man den Panoramawagen noch mit ein paar sitzenden Preiserleins bestücken. Aber Achtung – es sollten nicht mehr als 34 sein.

Einziges Manko ist die beiliegende, 4-seitige Betriebsanleitung und Ersatzteilliste. Diese ist vollständig in Japanischer Sprache (mit Ausnahme der ZahlenJ).

Wem die vorgeschlagene Detaillierung der Inneneinrichtung zu viel Arbeit bedeutet, der kann sich auf alle Fälle über einen fein detaillierten, ruhig und angemessen schnell fahrenden sowie optisch herausragenden Triebzug freuen, der keine Wünsche offen lässt – außer vielleicht den Wunsch, im Original mitzufahren.

© Original Bilder von East Japan Railway Company

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