Zu den Modellen
Die deutsche Firma Wolfgang Lemke GmbH, seit vielen Jahren am Modellbahnmarkt aktiv, ist immer für eine Überraschung gut. Man scheint im nordrhein-westfälischen Haan auch ein Herz für uns „Schweizer Modellbahner“ zu haben. Wesentliche Säulen des schweizerischen Bahnverkehrs wurden von dort kommend in den N-Maßstab umgesetzt, zuletzt die lange erwartete Re 4/4 IV und die gleich in vielen möglichen Varianten. Neuester Coup sind die SBB-Schnellzugwagen RIC-Z1, die erst letztes Jahr angekündigt und kurz vor Ostern 2026 an den Fachhandel ausgeliefert wurden. Von Lemke/Hobbytrain sind folgende Modelle bei uns eingetroffen:
- 2er Set Personenwagen Bpm, 2.Kl. (UIC-Z1) SBB, orange, Ep. IV-V, Art.-Nr.: H25501
- 2er Set Personenwagen Bpm, 2.Kl. (UIC-Z1) SBB, grau-grün, Ep. V-VI, Art.-Nr.: H25502
- 2er Set Personenwagen Bpm, 2.Kl. (UIC-Z1) SBB, weiss-schwarz, Ep. VI, Art.-Nr.: H25503
Die Verpackung und die Anleitung
Die zwei SBB-Schnellzugwagen sind in einer sehr ansprechend gestalteten, hochwertigen Kartonschachtel untergebracht. Außergewöhnlich für Hobbytrain, da bisher Schachteln aus klarem Kunststoff für die Produktverpackung zur Anwendung kamen. Sie ist in vornehmem Grau gestaltet und trägt das Hobbytrain-Firmenlogo und einen recht attraktiven roten Streifen. Auf der vorderen Schmalseite informiert ein Aufkleber über den zu erwartenden Inhalt der Box. Hebt man den Deckel ab, fällt der Blick auf ein „Bett“ aus weichem, grauem Schaumstoff in drei Lagen. In das Mittlere sind Öffnungen geschnitten, in die die feinen N-Modelle sehr passgenau eingebettet sind. Die einzelnen Wagen sind in weiche Folien aus klarem Kunststoff sauber eingeschlagen. Eine Anleitung mit Beschreibung der Vorbilder, dem Handling der Modelle und deren Einsatzbereich (min. Radius usw.) liegt klein zusammengefaltet oben auf.
Mechanisches und Elektrisches
Die Wagenkästen aller Wagen, in allen Lackierungsvarianten sind an einem Stück aus Kunststoff gefertigt. Die Wagenböden und die Inneneinrichtungen sind in den unterschiedlichen Epochen leicht voneinander abweichend aber ebenfalls aus Kunststoff gespritzt. Für ein gewisses Betriebsgewicht sorgen zwischen Wagenböden und Inneneinrichtungen eingelegte Metallplatten. Zusätzlich sind im WC-Bereich weitere Metallgewichte eingeklebt. So kommt ein Wagen auf ein Dienstgewicht von 30,5 Gramm. Die N-Modelle sind mit einer Kurzkupplungskinematik und Kupplungssteckaufnahmen nach NEM ausgerüstet. Die werksseitig verbauten N-Standardkupplungen sitzen fest und sicher in ihren Aufnahmen. Sie können leicht gegen handelsübliche Kurzkupplungsköpfe ausgetauscht werden um ein realitätsnahes Wulst- an Wulst-Fahren zu ermöglichen. Die Drehgestelle sind mittels kleiner Kreuzschlitzschrauben an den Wagenböden drehbar befestigt. Eine Halbmondkulisse im Wagenboden und ein entsprechender Stift an den Drehgestellen begrenzt den Ausschwenkbereich. Die Radsätze sind aus Metall nach NEM-Vorgaben gefertigt. Jeweils ein Rad ist gegenüber der Metallachse elektrisch isoliert. Die vier Radsätze sind in den Kunststoff-Drehgestellen spitzengelagert (endlich darf ich das ohne eine Rüge zu erhalten wieder mal schreiben) und ermöglichen dadurch einen sehr leichten Lauf. Herstellerseitig ist das Modell (noch) nicht für eine Beleuchtung der Fahrgasträume vorgesehen. Hier ist das bastlerische Geschick des Modellbahners gefordert. Beleuchtungssätze gibt es genügend am Markt, ich bevorzuge die Produkte von ESU. Für die Stromversorgung gibt es die Möglichkeit per Achsschleifer von den Gleisen. Hier muss allerdings die Einbaulage der Achsen im Fahrzeug überprüft, gegebenenfalls korrigiert werden. Die isolierten Räder sind werkseitig oft so verdreht verbaut, dass sich beim Montieren eines Achsschleifers ein Kurzschluss ergibt. Die zweite Möglichkeit, die ich im Allgemeinen bevorzuge, ist die Stromversorgung über elektrisch leitende zweipolige Magnetkupplungen. In beiden Fällen muss das Gehäuse der Wagen abgenommen werden, was etwas knifflig ist. Die feinen Auftritte ragen zur Mitte des Wagens hin und sind bei der Demontage des Hütchens eigentlich im Weg und drohen bei nicht sachgemäßem Handeln abzubrechen. Ich habe vor der Demontage schmale Kartonstreifen zwischen die Trittbretter und den Wagenkasten geschoben. Danach Gehäuse etwas spreizen und einfach abnehmen. Die Wiedermontage geht umgekehrt.
Die Formgebung
Schon unmittelbar nach dem Auspacken der N-Modelle stellt sich der Eindruck ein, wirklich maßstäbliche Verkleinerungen der Originale vor sich zu haben, Masse und Proportionen stimmen. Auch viele Details wie Sieken, Vertiefungen, Türen, Übergänge und Klappen sind in die Gravur der Formen eingeflossen. Im Rahmen befinden sich zwei Lüftergitter, bei denen sich wirklich der Eindruck einstellt, sie seihen durchbrochen ausgeführt. Die Fensteröffnungen harmonieren zu 100% mit den Fensterrahmen. Die Scheiben sind absolut kratzer- und schlieren frei. So wird der Blick auf die plastisch nachgebildete Inneneinrichtung ungehindert frei. Hier wurden auch die Bauartunterschiede bei Bestuhlung und Toilettenanordnung unter den Epochen berücksichtigt. Auch der Wagenboden ist sehr gut detailliert, sowohl von der Gravur als auch mit der Vielzahl von separat angesetzten Teilen. Auch hier wurden Bauartunterschiede berücksichtigt, so fehlen bei der weiß-schwarzen Epoche VI-Version einige Batteriekästen. Die Drehgestelle sind fein und tief graviert, selbst die Nachbildung von Bremsscheiben sind dort zu finden.
Über den Farbauftrag und den Druck
Hier hat sich Hobbytrain so richtig ausgetobt, wo und wie soll ich hier anfangen? Die Grundlackierung aller Varianten ist sauber, deckend ohne Einschlüsse von Fremdpartikeln, klassisch mit der Spritzpistole ausgeführt. Vom Grundfarbton abweichende Bereiche sind ebenfalls sauber mit akkuraten Trennlinien aufgebracht. Der Druck ist ein Gedicht. Genau platziert, schlieren frei, gut leserlich gemacht und das auch um die Rundungen am Wagenende hinweg. Einige Indizien sprechen dafür, dass dies im Tampondruck-Verfahren geschehen ist. Stellvertretend sei hier nur die Bedruckung der Längsträger genannt. Nummern, Anweisungen, Achtungsschilder und Hebel bekamen hier sauber ihre Farbe. Bei der orangen Epoche IV – V-Variante sind Zuglaufschilder aufgedruckt. Zum einen könnte man meinen, diese seien plastisch aufgebracht, zum anderen weisen diese den Wagen als Bestandteil des „Bavaria“ mit dem Lauf München – Kempten – Lindau – St. Margarethen – Zürich HB aus. Einfach nur fantastisch! Übrigens: ich habe zum Lesen eine starke Lupe benutzt, ohne Lupe wäre mir das nicht gelungen, aber ich bin ja auch alt. Die Inneneinrichtungen sind bei den verschiedenen Epochen-Versionen auch farblich unterschiedlich, wobei die Sitzreihen in einer anderen dunklen Farbe lackiert sind, wie die Toiletten- Einstiegsbereiche und die Trennwände. Aus meiner Sicht ist das so in Ordnung, wer es hier farbiger haben möchte, kann ja zur Wunschfarbe und feinem Pinsel greifen.
Die Fahreigenschaften
Auf unserer Testanlage mussten die Neulinge beweisen, was in ihnen steckt, schön sein allein reicht uns nicht. Die Hobbytrain-Modelle wurden für den Test mit den unterschiedlichsten Kurzkupplungsköpfen (PEHO-Klipkupplung, PEHO-Magnetkupplung, Fleischmann-Profikupplung und Arnold-Magnetkupplung) ausgerüstet und ausgiebig gefahren. Ich bin mit den Modellen über die unterschiedlichsten, marktgängigen Gleis- und Weichenfabrikate gefahren. Dabei zeigten die Hobbytrain-Wagen keinerlei unangenehme Auffälligkeiten. Entgegen der Einschränkung in der Betriebsanleitung bewältigten die Modelle auch den Radius1 (192 mm) ohne Probleme. Nur bei einer S-Kurve, bestehen aus 90° R1 (192 mm) gegen 90° R2 (222 mm), eine Gleiskonfiguration, die in der Praxis unbedingt zu vermeiden ist, kam es zu Entgleisungen. So betrachtet ist der Hinweis in der Hobbytrain-Betriebsanleitung auch richtig. Die Wagen laufen extrem leicht, so sind auch längere Kompositionen ohne weiteres möglich.
Unser Fazit
Hobbytrain hat mit den Wagen RIC-Z1 wieder eine wichtige Lücke in den N-Fuhrparks geschlossen. Auch N-Zuggarnituren aller relevanten Epochen können nun noch bunter, vielfältiger und vorbildgetreuer nachgestellt werden. Außerdem ist es ein weiteres Zeichen dafür: die Spur N lebt.
RIC-Z1 in 1:160 – schön, dass es euch gibt!