Minitrix lieferte im Frühjahr 2025 den 3. und letzten Teil der Serie „Kokstransport“ aus. Über die ersten beiden Teile wurde hier im Blog berichtet. Der erste Teil beinhaltete drei KKt-57 Wagen, während der zweite Teil drei KKt-62 Wagen enthielt.
Wiederauflage des KKt 57 von Minitrix
Dieses Mal sind drei Fad-50 (ehemalige OOtz-50) mit Koksladung beigepackt. Das Bemerkenswerte dabei ist, dass alle drei Wagen mit einer Übergangsbeschriftung unterwegs sind. Anfang der 1960er Jahre wollte man die UIC-Vorgaben auch bei Güterwagen umsetzen und so bekamen die Wagen neue Kennbuchstaben und Nebengattungszeichen. Aber die alten Bauartziffern blieben vorerst noch erhalten. Im zweiten Schritt sollte dann den Wagen eine Computer- Wagennummer vergeben werden. Die Wagen im Set sind alle vor dem zweiten Schritt stehen geblieben. Diese Beschriftungsvariante war beim Vorbild kurzlebig, ist aber von Herstellern eher selten als Modell realisiert worden.
Vorbild
In den 1950er Jahren war der Wiederaufbau Deutschlands angesagt. Nach den gewaltigen Zerstörungen im II. Weltkrieg brauchte man jede Menge Stahl, um z.B. die zerstörten Brücken wieder aufzubauen. Hierfür braucht man viel Stahl. Zur Produktion des Stahls wird gerne Koks verwandt, ein Produkt aus Steinkohle, das in speziellen Werken (Kokerei) hergestellt wird. Koks hat den Vorteil, dass bei der Verbrennung deutlich weniger Schwefel, Ruß und Rauch frei werden. Das schafft Stahl mit höherer Qualität.
Koks wurde als Verbrennungsstoff in Hüttenwerken bei der Erzeugung von Stahl, aber auch als Hausbrandmittel eingesetzt. Koks wurde 1713 erstmals in England eingesetzt und es brauchte über 80 Jahre, bis Koks auch in Deutschland eingesetzt wurde. Das erste Mal wurde Koks in einer Hütte im oberschlesischen Gleiwitz verarbeitet, ab 1849 auch im Ruhrgebiet.
Zum Transport des Koks zur Hütte brauchte man Wagen, am besten Wagen mit Seitenentladung. Ab den 1920er Jahren experimentierte die DRG mit entsprechenden Wagen. Heraus kam der spätere OOt 23, der ab 1926 mit 350 gebauten Exemplaren der häufigste Seitenentlader der DRG war. Im Krieg wurden größere Wagen gebaut, so der OOt 42, der es ab 1941 bis 1945 auf 314 Wagen brachte. Von Größe kam der OOt 42 schon an seinen Nachfolger, dem OOtz 50 heran.
Der OOt 23 war für 50 km/h zugelassen, der OOt 42 für 55 km/h während der OOtz 50 schon 80 km/h schaffte. Neuere Bauarten waren für 100 oder 120mkm/h zugelassen. Der OOtz 50 war ein „Allrounder“, der konnte anders als die meisten Vorgänger für alle nässeunempfindlichen Güter (Kohle, Koks, Erze) eingesetzt werden. Nach Bau eines Probewagens 1952 begann 1954 die Serienlieferung. Bis 1960 wurden 4.191 Wagen gebaut. Die Wagen hatten die Nummern 611 700 bis 616 048 (mit Lücken). Nach 1964 hörten die Wagen auf die Bezeichnung Fad 167.
Es folgt ein Vorbildfoto und eine Maßskizze:
In den 1980er Jahren sank der Stern der Wagen, sie wurden zunehmend ausgemustert. 1998 war der letzte Wagen nach über 40 Jahren Einsatz ausgemustert.
Modell
Keineswegs sind die gelieferten Wagen Neulinge im Programm von Minitrix. Bereits vor knapp 60 Jahren brachte Minitrix 1967 seinen ersten OOtz 50 heraus. Damals war er der erste 4-achsige Regelgüterwagen in N überhaupt. Vorher gab es als 4-achser nur die Kesselwagen (meistens vorbildfrei). Hier ein Bild des Vorgängers
Geliefert wurde der Wagen ohne Ladung, ich habe ihn mit einer Kohleladung verbessert. Der Wagen hatte vereinfachte Minden-Dorstfeld Drehgestelle aus Metall, die auf einem Fahrgestell aus Metall befestigt waren. Beides gab dem Wagen ordentliches Gewicht. Das Gehäuse war aus Plastik – die Seitenklappen waren fest- und auf dem Fahrgestell aufgeclipst. Gekostet hatte der Wagen 7,50 DM. Mit der Bestellnummer 51 3287 00 blieb er bis 1975 im Programm. Der Wagen hat die Nummer 139. Das ist die Wagennummer des allerersten OOtz 50 von 1952. Danach gab es Beschriftungsvarianten mit u.a. Computer-Nummern.
Die Serienwagen bekamen die Nummern 611 700 bis 616 048 (mit Lücken). Nach 1964 bekamen die Wagen die UIC Bezeichnung Fad167und nach 1980 wurden sie als Fal167 bezeichnet. Die Wagen im Set haben alle ihre erste Nummer behalten. Es folgen Bilder der drei Wagen des Sets.
Konstruktiv sind alle Wagen gleich aufgebaut: Minden-Dorstfeld Drehgestelle 931/932 mit Plastikrahmen, Gehäuse aus einem Teil, Oberkante leicht verschmutzt, innen ist eine Koksladung enthalten.
Gut ist, dass auch die obere Bordwand des Wagens schwarz eingefärbt ist. Gezeigt wird ein etwas gröberer Koks, der bei Verhüttung von Eisenerz benötigt wird. Es folgen weitere Detailfotos des Wagens:
Auf den Bildern ist gut erkennbar, wie gut die Konstrukteure von Minitrix gearbeitet haben. Erstaunlich wieviel Varianten in Farbe und Beschriftung seit 1967 erschienen sind. Mit der Neuheit „Kokstransport 3“ sind es 198 verschiedene Wagen.
Zum Abschluss werden OOtz 50 anderer Hersteller gezeigt. Bei Fleischmann, Arnold und Lima gab es ebenfalls den gleichen Erzwagen. Hier Bilder der Konkurrenten:
Mit dem alten Fleischmann-Wagen konnte man noch spielen. Die unteren Seitenwände waren beweglich und das Ladegut konnte entleert werden. Das geschah mit dem Nippel in der Mitte. Bei den neueren Wagen war die Seitenwand fest.
Es folgen die Arnold- und Lima-Wagen:
Hier sieht man, wie unterschiedlich die Firmen die Wagen gebaut haben. Alle Wagen außer von Minitrix sind nur noch gebraucht erhältlich. Ganz offensichtlich waren die Wagen attraktiv für die Hersteller gewesen.
Einsatz auf der Modellbahn
Normalerweise wurden die Wagen mehrfach in einem Zug benötigt. Für den Erzverkehr gab es z.B. 4000t-Züge mit ca. 25 Wagen, auch bekannt als „Langer Heinrich“. Der wurde in der Spätzeit des Dampfbetriebes zwischen Emden Hafen und dem Ruhrgebiet eingesetzt. Zugloks waren Loks der BR 043 und 044 (manchmal auch beide).
Bei dem Set handelt es sich um Kokswagen. Die wurden eingesetzt zwischen Kokerei und einer Hütte, die zur Stahlerzeugung Koks brauchte. Dabei wurden offene (aus Set 3) und gedeckte Selbstentlader (Set 1 und 2) gerne genommen. Hier kam es nicht unbedingt auf Schnelligkeit an. Es wurden gerne die kräftigen Loks der Baureihe 55.25 eingesetzt, die im Ruhrgebiet gut vertreten waren. Der Zug hat dann neun Wagen, das sollte für einen Tagesbedarf der Hütte genügen. Hier ein Bild des Modellzuges. Hier hat sich ein weiterer Wagen eingeschlichen, es ist der Wagen Nr. 6. Aus diesem Zug konnte durch Öffnen der Seitenklappen die ganze Koksladung in die Bunker entladen werden.
Fazit
Einmal mehr hat Minitrix aus drei Güterwagen-Sets einen durchaus vorbildlichen Güterzug herausgebracht, der als Pendel zwischen Kokerei und Hütte unterwegs war. Im dritten Set hat Minitrix einen Regelgüterwagen wieder reaktiviert, der beim Vorbild nicht grade selten war. Drei Punkte sind m.E. bemerkenswert: Übergangsbeschriftung, Beladung (in Werkstext nicht erwähnt) und leichte Alterung. Angeboten wird das Set zu einem ambitionierten Preis von 135 € für drei Wagen, also 45 € je Wagen. Das ist das zwölffache des Ursprungspreis von 1967. Quo vadis Modellbahn?
Klaus Kosack
Literatur:
Wagen-Archiv, Blatt Fals 167, GeraMond Verlag München
St. Carstens, Güterwagen, Band 4, Offene Wagen in Sonderbauart, Nürnberg 2003
K. Kosack, Wiederauflage des KKt 57 von Minitrix, Blog bei DM Toys