Im DRB-Outfit hat Fleischmann eine weitere Leig- Einheit herausgebracht. Mit der Artikelnummer 6660033 ist eine rotbraune Variante eines Doppelwagens, bestehend aus zwei kurzgekuppelten Gl Dresden, Ende 2025 erschienen.
Das Vorbild
Zur Beschleunigung des Stückgutverkehrs baute die DRG ab 1927 etliche Packwagen und Hohlglaswagen (Gl Dresden) als kurzgekuppelte Wageneinheit um. Später wurden auch nur gedeckte Güterwagen verbaut. Dabei kamen in erster Linie die Hohlglaswagen der Verbandsbauart A9 zur Verwendung, um möglichst viel Laderaum zu schaffen. Verbaut wurden Wagen der Bauart A9 mit und ohne Bremserhaus. Auf der Bremserhausseite wurde noch ein kleiner Aufenthaltsraum für die Ladearbeiter und eine Toilette eingebaut. Diese umgebauten Wagen nannte die DRG Glleh Dresden. Umgebaut wurden 400 Wagen. Die Originalwagen bekamen noch vier Fenster eingesetzt (plus Petroleum-Beleuchtung später elektrische Beleuchtung), damit die mitfahrenden Ladearbeiter die Güter besser sortieren konnten und die Güter für den nächsten Halt bereit zu stellen. Zusätzlich wurde über dem Bremserhaus noch ein Beobachtungsfenster eingebaut.
Das Modell
Zunächst einmal zum Vorgänger: Hier haben sich die Fleischmänner bei diesem Modell Mühe gegeben- man hat nicht nur in den Farbtopf gegriffen, sondern auch epochengerechte Änderungen am Wagen-Set vorgenommen:
Das Wagen-Set trägt die Nummer 6344 (Hohlglaswagen) und 132 781 (Stuttgart) und ist damit korrekt beschriftet. Der Pwg hat im Gegensatz zu seinen Nachfolgern noch Speichenräder. Konstruktiv hat man der Garnitur einen beweglichen Faltenbalg zwischen den beiden Wagen eingebaut; die beiden Wagen sind mit einer Steifkupplung verbunden. So ist die DRG-Version aufgebaut. Der zweite Wagen, ein Gl Dresden, entstammt der Verbandsbauart A9 und hat kein Bremserhaus. Dafür hat er auf dem Dach Lüfter: Damit war die Garnitur eine reichlich dunkele Angelegenheit für die mitfahrenden Lagerarbeiter. Denn deren Aufgabe war es, die angelieferten Stückgüter während der Fahrt zu sortieren. Dieses Manko wurde bei der späteren Garnitur (#830684) ausgemerzt. Diese Garnitur besteht aus zwei Gl Dresden, davon einer mit Bremserhaus. Dieses Set hatte ursprünglich digital betriebene sich öffnende Türen an allen vier Seiten. Das macht aber m.E. bei den Wagen keinen Sinn, steht er vor einem Güterschuppen. Da sind die geöffneten Türen leider auf der falschen Seite. So haben einzelne Händler den Türöffnungsmechanismus ausgebaut und das Set erheblich verbilligt ohne diesen „Schnick-Schnack“ verkauft.
Hier Bilder der Neuheit:
Man sieht, hier hat Fleischmann viel getan: Auf den Seitenwänden sind im oberen Bereich je zwei Fenster eingebracht worden, die zugleich so platziert worden sind, dass ein Einbruch fast unmöglich ist. Leider hat man das obere Beobachtungsfenster über dem Bremserhaus vergessen. Die Garnitur ist 150 mm lang, trotz der Länge fährt der Wagen durch den R 1 mit 192 mm Radius. Ansonsten konnte der Autor keine gröberen Mängel feststellen.
Zugbildung
Wie kann der N-Bahner den Wagen sinnvoll einsetzen? Bei der DRG liefen die Wagen als Leig Züge, einer Untergruppe der Eilgüterzüge. Später hießen die Züge „Ne“ -Naheilgüterzüge. Diese Züge durften beim Vorbild höchstens 10 Achsen aufweisen, also maximal 5 Wagenpaare. Die 65 km/h – später 75 km/h schnellen Züge wurden mit Loks der Baureihen 38.10, 78, 64 oder 86 bespannt. Auch die BR 93.5 kam zum Einsatz, ebenso wie auf Strecken mit Oberleitung die E 44. Modellbahner können dieses Wagenset allein einsetzen oder mit weiteren Gll- Einheiten von Fleischmann (Gll 12) oder Minitrix (Gll 37) kombinieren.
Fazit
So hat Fleischmann eine der wenigen Neuheiten der Epoche II in N herausgebracht, der bei DM Toys knapp 40 € kostete, ein durchaus preiswertes Modell. Der Wagen ist gut gelungen, wenn man von einigen wenigen Schnitzern (fehlendes Fenster über dem Bremserhaus) absieht. Im Zugverband fällt das nicht sonderlich auf. Daher kann der Wagen für Epoche II-Fans zum Kauf empfohlen werden.
Klaus Kosack
Literatur:
St. Carstens/ Scheller, Güterwagen, Band 1.1, Fürstenfeldbruck 2018
M. Meinold, Zugbildung, Heft 2, Nürnberg 1997
Carstens/ Diener, Güterwagenbestände, Reinheim 1991
DV 939d, Ausgabe 1967, BZA Minden