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FLEISCHMANN Wagen-Set Nightjet der ÖBB

»Schnell und komfortabel durch die Nacht«

- Zum MODELL -

Vor gut einem Jahr brachte die Modelleisenbahn GmbH in Bergheim den ÖBB Nightjet in 1 zu 87 auf den Markt. Wir N-Modellbahner bekamen lange Zähne und schielten offen gestanden etwas neidisch auf die H0-Hobbykollegen. Zur Freude der Spur N-Fahrer folgte die Ankündigung des entsprechenden N-Modells im Frühjahr 2025. Während der Messe in Friedrichshafen Anfang November 2025 wurde, bereits ein fast fertiges Exemplar des Nightjet in einszuhundertsechzig der interessierten Öffentlichkeit präsentiert, was die Vorfreude noch erheblich befeuerte. Anfang Dezember 2025 erfolgte dann die Auslieferung des siebenteiligen Wagensets an den Fachhandel. Es wurden zwei Varianten an den Fachhandel ausgeliefert:

 

-          Zugset Nightjet ÖBB, Ep.VI, 7-teilig, analog, Schnittstelle Next18, Art.-Nr.: 6260065

-          Zugset Nightjet ÖBB, Ep.VI, 7-teilig, digital, LED-Innenbeleuchtung, Art.-Nr.: 6270065

 

Die FLEISCHMANN-Konstrukteure haben eine Reihe von Innovationen in die Konstruktion des Modells einfließen lassen. Wie schon bei der SBB-Beilhack Schneefräse war ich sehr auf die Umsetzung und die praktische Nutzbarkeit der angekündigten, technischen Neuerungen gespannt. Meine Einschätzung lesen Sie bitte in den Folgenden Abschnitten.

- Zu den BILDERN  -

-          Bild 001  bis  010: Übersichtbilder der vier unterschiedlichen Wagentypen

-          Bild 011  bis  013: Die neue Magnetkupplung, Details

-          Bild 014 bis 025: Details der Inneneinrichtungen und Elektrik/Elektronik

-          Bild 026 bis 027: Die pfiffige Art der Stromaufnahme im Steuerwagen

-          Bild 028 bis  031: Die feinen Details von Druck und Gravur

-          Bild 032 bis  035: Der ÖBB Nightjet auf der Anlage des Autors unterwegs

 

- Die VERPACKUNG und die BETRIEBSANLEITUNG  -

Die sehr ansprechend in den FLEISCHMANN-Hausfarben gestaltete, für N-Verhältnisse recht voluminöse Kartonschachtel beherbergt das siebenteilige Wagen Set. Die Packung ziert ein Bild eines durch die Vollmondnacht strebenden, von einer Fledermaus begleiteten ÖBB Nightjet. Die feinen Modelle liegen in zwei »Etagen« übereinander in Kunststofftiefziehteilen, die der äußeren Form der Wagen genau gestaltet sind. Das empfindliche Gut wird durch aufgelegten, weichen Schaumstoff und dünne Plexiglasplatten wirkungsvoll geschützt. Unter diesem Paket findet sich eine ausführliche, mehrsprachige (deutsch, englisch, französisch) Anleitung das als kleines Heft ausgeführt ist. Darin findet der Kunde nützliche Hinweise für den Umgang sowie der Pflege seiner Neuerwerbung. Ferner finden sich in der Verpackung drei kleine Kunststofftüten, in die Kleinteile wie Kupplungsdeichseln für die Verbindung zur Lok und für eine allfällige Doppeleinheit und Pufferbohlendetails enthalten sind.

 

- Die MECHANIK  -

Die sieben Wagenmodelle sind sehr weitgehend aus hochwertigem Kunststoff gefertigt. Für das nötige Betriebsgewicht nach NEM sorgen in die Wagenböden eingelegte Metallplatten. Vier der sieben Wagen sind konstruktiv und formtechnisch komplett unterschiedlich, was den Formenbau vor eine Herausforderung stellte. Die Drehgestelle sind mittels Drehzapfen in den Wagenböden drehbar gelagert, Anschläge sorgen dafür, dass diese nicht überdrehen können und die Radsätze an den Wagenkästen bremsend streifen. Die Dreipunktlagerung sorgt für einen ruhigen taumelfreien Lauf. Die nach den Empfehlungen der NEM exakt gefertigten Metallradsätze laufen im zähen Kunststoff in den Drehgestellen spitzengelagert. Beim Steuerwagen wurde eine Lagerung in Metall realisiert. Alle Wagen verfügen beidseitig über kulissengeführte Kupplungsdeichseln, in die die speziellen Magnetkupplungen in die Normschächte eingesteckt sind. Die Höhe der Kupplungen weicht konstruktionsbedingt nach unten von der Norm ab, darum liegt dem Set eine nach oben gekröpfte Kupplungsstange für die Verbindung zur Zuglok bei. Die vordere Kupplung des Steuerwagens ist dann wieder normgerecht ausgeführt, um eine zweite Nightjet-Einheit oder andere Schnellzugwagen standardmäßig kuppeln zu können. Die für diesen Zug speziell konstruierten Magnetkupplungsköpfe sind von den Massen und der magnetischen Polarität mit den bereits am Markt befindlichen Magnetkupplungen von Peter Horn (PEHO), ARNOLD und Erhard Tschorn (3dprint4moba) kompatibel. Schön, dass FLEISCHMANN bei der Konzeption daran gedacht hat. Zusätzlich finden sich an den FLEISCHMANN-Kupplungsköpfen einseitig ein kleiner Stift und auf der Gegenseite eine Bohrung, um die mechanische Verbindung auch bei enger Kurvenfahrt noch zu verbessern. Das Kuppeln des Zuges untereinander geht auf einem ebenen, geraden Gleisabschnitt fast wie von selbst.

 

- Über die ELEKTRIK und ELEKTRONIK  -

Der gesamte siebenteilige, digitale Zug ist von Haus aus mit einer Beleuchtung der Innenräume ausgerüstet. Die Betriebsspannung dafür nimmt ausschließlich der Steuerwagen auf. Um alle acht Räder dafür verwenden zu können, sind die Achsen der Radsätze isolierend aus Kunststoff ausgeführt. An die Räder sind außen exakt, spitz zulaufende, überdrehte Achsstummel angegossen, die in »Metallpfannen« in den Drehgestellen greifen. Diese Art der Stromaufnahme hat sich seit vielen Jahren bei den FLEISCHMANN-Triebzügen der DB-Baureihe 601 und 602 bereits bestens bewährt. Auch die beleuchteten Wagen von KATO, HOBBYTRAIN und aktuell die Leichtstahlwagen von MW-Modell fallen durch diese Technik bedingte absolut flackerfreie Beleuchtung positiv auf. Es wäre schön, wenn diese Konstruktion auch bei anderen Herstellern für diesen Zweck Schule machen würde. Die Betriebsspannung wird mittels jeweils zwei dünner, hochflexibler Litzen durch die Drehzapfen hindurch ins Wageninnere geführt, wo sie auf der Hauptplatine sauber verlötet sind. Die Hauptplatine des Steuerwagens ist mit einem gut dimensionierten Kondensator, zahlreichen SMD-LED samt ihren Vorwiderständen sowie mit einer Schnittstelle nach Norm Next18 bestückt. Das alles befindet sich von außen unsichtbar unter dem Dach des Wagens. Die restlichen sechs Wagen werden über zweipolige Magnetkupplungen mit der vom Decoder geschalteten Spannung versorgt. Jeder Wagen verfügt über eine ähnlich gut bestückte, die gesamte Länge der Wagen ausgelegte Platine. Jeweils 11 SMD-LED sorgen für die Ausleuchtung der Innenräume. Ein Goldcap Kondensator pro Wagen sorgt bei kurzen Spannungsunterbrechungen für eine unterbrechungsfreie Innenraumbeleuchtung. Auch die drei Spitzensignale, die roten Schlusssignale und die Führerstands Beleuchtung sind mittels SMD-LED ausgeleuchtet. Bei der Digitalausführung lassen sich verschiedene, länderspezifische Signalbilder realisieren sowie die Innen- und Führerstands Beleuchtungen ein- beziehungsweise ausschalten.

 

- Die FORMGEBUNG -

Die Details der vier unterschiedlichen Wagenkästen sind fein in die Spritzformen graviert. Alle Sieken, Vertiefungen und Details sind sehr fein und sauber dargestellt. Besonders auffallend, da im direkten Blickfeld des Betrachters, sind die feinen Nachbildungen der Klimageräte auf den Dächern der Modelle. Die Wagenkästen bestehen aus einem Formteil. Die Wagenböden bestehen aus mehreren dem jeweiligen Wagentyp entsprechenden Kunststoffformteilen. So sind Sitze, Tische, Betten und Trennwende separat gefertigte und passgenau eingefügte Kunststoffteile. Erwähnen möchte ich auch die Gepäckregale, die aus durchsichtigem Kunststoff gespritzt sind und so die Chromanmutung des Originals sehr gut wiedergeben. Sehr fein und detailreich graviert sind auch die Drehgestelle der Wagen, wobei Bauartunterschiede unter den Wagen vorbildgetreu berücksichtigt sind. Die Wagenübergänge sind feingeriffelt nachempfunden, zu den gegenüberliegenden Wagen aber geschlossen. So minimiert sich die Gefahr des gegenseitigen Verhakens, speziell bei enger Kurvenfahrt. Alle sieben Wagenmodelle sind sauber, mit der Außenhaut bündig verglast. Die klaren Kunststoff-Scheiben sind sauber eingepasst und geben den Blick auf das abwechslungsreich gestaltete Innenleben frei. Der Steuerwagen, mit seinen charakteristischen »Vectron-Gesicht« ist gut getroffen. Der Führerstand ist nachgebildet und durch die »mächtigen« Scheiben gut sichtbar. Der Pufferbohlenbereich ist so gut es der N-Maßstab zulässt vollständig nachgebildet. Zughaken und Bremsschläuche sind bereits werksseitig montiert, so werden Nerven und damit auch das Seelenheil des Modellbahners geschont.

 

- Über LACKIERUNG und den DRUCK  -

Die sieben Wagen sind in den richtigen Farben fein lackiert und bedruckt. Aus meiner Sicht kamen dabei alle heutigen Techniken wie die Spritzlackierung, der Tampon- sowie der Digitaldruck zur Anwendung. Alle Trennlinien sind äußerst trennscharf ohne Verneblungen oder ohne Anschein auch nur ansatzweise ausgefranst zu sein. Hammermäßig ist die Ausführung auch der kleinsten Druckthemen, von auffälligen »Nightjet« bis zum kleinsten Piktogramm, da fehlt nichts. Haben Sie schon die winzigen, vertieften Digitalanzeigen mit Zug und Wagennummern oder die ebenfalls winzigen farbigen Bedienelemente im Fahrwerksbereich entdeckt? Die Inneneinrichtung der Wagen ist ebenfalls mehrfarbig gestaltet. Das, entweder mit durchgefärbtem Kunststoff oder nochmal extra mit Lack und Airbrushpistole. Für die farbliche Gestaltung des FLEISCHMAN N-Nightjet – ganz großes Kompliment.

 

- Die FAHREIGENSCHAFTEN  -

Für den Fahrtest wurden abwechselnd FLEISCHMANN N-Modelle von ÖBB- und SBB-Maschinen angehängt. Das Kuppeln der Lok an die Nightjet Wagen mit der gekröpften Kuppelstange ist eine kleine Fummelei. Völlig problemlos dagegen ist das magnetische Kuppeln der Wagen untereinander. Ich empfehle die Einhaltung der Wagenreihung aus dem realen Leben sowie die der Betriebsanleitung. Wird einer der Wagen verdreht eingereiht, funktioniert die Innenbeleuchtung nicht. Bei allen Wagen sollten die Klimaaufsätze in eine Richtung, vom Steuerwagen weg, stehen. Es wurde digital mit einer Normgerechten Gleisspannung von 14,5 Volt gefahren. Die komplette siebenteilige Garnitur wurde dabei über die Testanlage mit all ihren Unzulänglichkeiten gezogen, aber auch gestoßen. So wurden alle Gleiskonfigurationen mit all ihren teilweise engen Radien, auch eine S-Kurve aus R1 (192mm), bergauf sowie bergab ohne jegliche Störungen befahren. Alle Wagenmodelle des Sets zeichnen sich durch hervorragende Leichtlaufeigenschaften aus, so stellen die Modelle keine allzu große Herausforderung für die jeweilige Zuglok dar. Es kam während des gesamten Tests und darüber hinaus zu keinen Entgleisungen und auch keinem ungewollten Abkuppeln. Letzteres wurde besonders aufmerksam beobachtet, da das für FLEISCHMANN neuartige Magnetkupplungssystem zur Anwendung kam. Dieses hat sich auch in elektrischer Hinsicht bestens bewährt. Auch in engen Kurven ist die elektrische Verbindung nicht abgebrochen, wenn ja, wurde das durch die eingebauten Kondensatoren wirkungsvoll kaschiert. Kommt es hier zu größeren Ausfällen, empfehle ich die Reinigung der Neodym Magnete mittels eines weichen Pinsels oder Bürste. Die Beleuchtung des gesamten Zuges zeigt sich in den einzelnen Wagen gleichmäßig hell aber bei den für N üblichen 14,5 Volt digitale Gleisspannung leider nicht ganz flackerfrei. Vom Flackern betroffen sind interessanterweise nur die drei LED an den jeweiligen Wagenenden. In der Mitte der sechs Wagen und im Steuerwagen leuchten sie stabil. Erst die Erhöhung der Gleisspannung auf 18 Volt brachte Ruhe in den ganzen Zug hinein. In Sachen Ausleuchtung der Innenräume wurde der Zweck des jeweiligen Wagens berücksichtigt und zeigt sich im Sitzwagen etwas heller, in den Schlafwagen ergibt sich die heimelige Anmutung baldiger Schlafenszeit. Mir persönlich gefällt das sehr gut.

 

- Mein FAZIT  -

Das FLEISCHMANN Wagen Set Nightjet hat mich komplett eingenommen. Der Nightjet ist auch in 1 zu 160 schon rein optisch ein echter Blickfang auf der Anlage. Auch technisch vermag der FLEISCHMANN-Neuling zu überzeugen, wegen des Flackerns der Innenbeleuchtung sollte nochmal nachgearbeitet werden. Ansonsten zahlt es sich wieder einmal aus, FLEISCHMANN hält sich, im Gegensatz zu manch einem »Küchentischhersteller« in der Modellbahnszene, haarklein an die Empfehlungen der NEM (Normen europäischer Modellbahnen). Radsatzmasse, Auslegung und Platzierung der Kinematik, Gestaltung der Kupplungssteckaufnahme und nicht zuletzt die Anschlussbelegung der Digitalschnittstelle wurden und werden in Bergheim eingehalten. So heißt es für den interessierten N-Modellbahner nur noch: Garnitur aufgleisen, losfahren, Spaß haben.

 

Manfred Merz


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Fleischmann_6260065: Zugset Nightjet ÖBB Ep.VI 7-teilig
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Fleischmann_6270065: DCC Digital Zugset Nightjet ÖBB Ep.VI 7-teilig