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Erster ozeanblau/beiger-Speisewagen in N

Fleischmanns Neuheit WRümh 152

Im letzten Drittel des vorletzten Jahrhunderts machte man sich Gedanken, wie den betuchteren Fahrgästen bessere Angebote gemacht werden können. Vorher gab es nur das Angebot, dass Courier-Züge auf größeren Stationen hielten und so die Fahrgäste die Möglichkeit hatten, das Bahnhofsrestaurant zu besuchen und ein Essen einzunehmen. Der Zug hatte dann halt einen Aufenthalt von 1 Std. Praktisch war das aber nicht. So kam der Belgier Schreinemakers auf die Idee, Lokal und Küche auf einen Wagen zu verstauen und dem p.p. Publikum während der Fahrt Mahlzeiten anzubieten. Das kam beim Publikum sehr gut an und es gründete sich die CIWL, die auch kurz danach Schlafwagen in den beiden oberen Wagenklassen anbot. Mit diesen Wagen konnte man durch ganz Europa fahren, die Züge hatten wohlklingende Namen, wie „Orient-Express“ oder „Nord-Express“. Das ließ aber deutsche Bahnhofswirte nicht ruhen und stellten eigene Fahrzeuge (Schlaf- und Speisewagen) in Dienst, zumal die Länderbahn und Staatsbahnen an diesem Service kein Interesse zeigten.

Während des I. Weltkriegs ergab sich eine völlig neue Situation: Wagen der CIWL standen im Reich und die Speise- und Schlafwagen-Betreiber hatten durch den Krieg auch nicht mehr das große Geschäft. 1916/17 setzte man sich zusammen und beschloss, eine deutsche Firma zu gründen, wo die CIWL- Fahrzeuge und die Wagen der Deutschen Firmen in einem Pool zusammengeschlossen wurden und die neue Firma „MITROPA“ benannt wurde. Nach dem Krieg mussten die CIWL- Fahrzeuge an die Sieger herausgegeben werden. Im II. Weltkrieg wiederholte sich das Spiel: Diesmal wurden CIWL- Fahrzeuge von der MITROPA als „Kriegsbeute“ übernommen, die sie aber bis 1945 nicht vollständig in die MITROPA ein reihen konnte. Nach 1945 war die Situation ähnlich wie 1918: Die Beutefahrzeuge mussten herausgegeben werden, allerdings nur in den Westzonen. Nach Gründung der DB wurde die DSG als 100% Tochter der DB gegründet, das Wagenmaterial stammte von der MITROPA. Im Osten blieb vereinfacht gesagt, alles beim Alten: Die Bahn firmierte als DR, folglich auch die Schlaf- und Speisewagen-Firma als MITROPA AG.

Nach der Wiedervereinigung wurde die DSG aufgelöst und mit der MITROPA (Ost) zur neuen MITROPA vereinigt. Zurück zur DSG: Wie die DRG behandelte die DB die Fahrzeuge der DSG als Privatwagen; hatten aber getrennt für Speise- und Schlafwagen eigene Umlaufpläne. Nach 1945 sah die Situation verheerend aus: Noch brauchbare gut erhaltene neuere Schlaf- und Speisewagen wurden von den Siegermächten beschlagnahmt; daher gab es kaum Angebote bis 1949. Um der Nachfrage nachzukommen, gab es - wie damals weit verbreitet - Behelfswagen. Aus ehemaligen Lazarett Wagen baute man die Eilzugwagen zu Behelfs-Speise- und Schlafwagen um. Damit konnte der großen Nachfrage ein wenig nachgekommen werden. Die DSG hatte Speisewagen aus der Vorkriegszeit im Bestand, Wagen aus der Kaiserzeit wurden bis Ende 1958 abgestellt. Der Anfangsbestand an Speisewagen betrug 88 Wagen. Bis 1958 stieg die Zahl der Speisewagen auf 98; hinzu kamen noch 20 AR4ü und 73 BR4ü, letztere beide Halbspeisewagen. Erst 1962 wurden neue Speisewagen in Betrieb genommen. Hintergrund waren die neuen Fernschnellzüge „Rheingold“ und „Rheinpfeil“, die später sogar zu TEE-Zügen aufgewertet wurden. 1966 gingen alle Schlaf- und Speisewagen in das Eigentum der DB-Mutter über. Halbspeisewagen gehörten immer zur DB. Modelle DSG- Speisewagen Schon bald nach Erscheinen der N-Spur gab es die ersten Speisewagen. Sie waren die roten Farbtupfer im „grünen“ Einerlei. Arnold brachte einen verkürzten WR4üm-39, während Minitrix sich auf einen Phantasiewagen verlegte. Gehen wir mal nach dem Baualter der Vorbilder vor: Aus der Kaiserzeit ist bislang noch kein DSG- Modell erschienen, obwohl Fleischmann ein Grundmodell hat. Die „Hechte“ blieben ohne Speisewagen. Erst bei der nächsten Generation, der 28er- Bauart ließ die Mitropa neue Speisewagen bauen. Von dieser Bauart kamen noch 31 Wagen zur DSG. Minitrix hat ein Modell des Wagens, der wurde unverändert in allen möglichen Epochen produziert. Auch bei der nächsten Generation, den 35er Wagen machte die MITROPA mit. Immerhin kamen noch 22 Wagen zur DSG. Der 35er Bauart hat sich Fleischmann verschrieben, nur alle Wagen litten unter „Hochwasser“. Gemischt mit Wagen anderer Hersteller fällt das deutlich auf. Die windschnittige Bauart 39 litt schon unter dem Krieg mit der Auslieferung. Von den 250 bestellten Wagen konnten nur 110 Wagen ausgeliefert werden; von ihnen kamen nur 42 zur DSG. Gleich vier Firmen stürzten sich auf diesen Wagen: Arnold (stark verkürzt), maßstäblich Roco, Minitrix und Fleischmann. Während Arnold einen umgebauten Wagen präsentierte, haben alle drei andere Firmen nur die Ursprungsversion (Faltenbälge und Görlitz- Drehgestelle) bislang hergestellt. Selbst bei der Zugpackung „Rheinblitz“ mit den Neubauwagen A4ümg-61 hat der Speisewagen Faltenbälge und nicht Gummiwülste. Der letzte „Knüller“ bei den Schürzenspeisewagen war die o/b Variante, erstmals in N.

Modell

Wie schon erwähnt haben sich vier Hersteller mit dem Schürzenspeisewagen beschäftigt. Hier Bilder der Vorgänger:

Schürzenspeisewagen von Arnold (1964)

Der Wagen war damaligen Gepflogenheiten üblich, um über 2 cm zu kurz, hatte aber die Umbauten der DSG dargestellt. Als einziger zeigt er die Minden-Deutz Drehgestelle.

Als nächster Schürzenspeisewagen erschien er bei Roco. Innerhalb der Serie von Schürzenspeisewagen, die zunächst als Wagenset 1980 der DRB produziert wurde; der Speisewagen gehörte der MITROPA. Erst später kamen Varianten der DSG zum Zuge. Hier ein Bild der DSG-Variante.

Schürzenspeisewagen von Roco Gangseite (2008)
Schürzenspeisewagen von Roco Küchenseite (2008)

Bei allen Roco-Wagen mussten die Dachlüfter nachgerüstet werden. Überdies hatten die Wagen keine Kurzkupplunngskulisse. Das entfiel beim Mitbewerber Minitrix. Die hatten alle angespritzte Dachlüfter und eine Kurzkupplungskulisse. Immerhin hatten beide Wagen eine Inneneinrichtung.

Schürzenspeisewagen von Minitrix Gangseite (2005)
Schürzenspeisewagen von Minitrix, Küchenseite (2005)

Zum Abschluss noch ein Bild vom roten WRüm-39 von Fleischmann, der den Wagen aus dem Roco-Erbe entnommen hat und modernisiert hat: Dachlüfter sind angespritzt und der Wagen hat eine Kurzkupplungskulisse.

Fleischmanns WRüm-39 der DSG

 

Liste der DSG- Speisewagen WR4ü -39 in N

Hersteller

Katalog-Nr.

Bauzeit

 

Art

Ep.

Eigent

Wagennr.

Unt

Farbe

Länge

Ar

349

 

1964

1974

WR4ü-39

3

DSG

1223

---

rot

122

MT

11110

04

2002

2004

WR4ü-39

3

DSG

1216

1.4.54

rot

147

MT

15739

03

2005

2006

WR4ü-39

3

DSG

1173

14.3.55

rot

147

Ro

24553

 

2008

2008

WR4ü-39

3

DSG

1167

2.5.58

rot

147

MT

15444

05

2010

2010

WR4ü-39

3

DSG

1174

18.10.63

rot

147

Flm

8111

16

2016

2016

WR4ü-39

3

DSG

10 189

18.1.66

rot

147

Flm

62600

38

2025

 

WRügh 152

4

DB

88-80 146-0

28.4.79

o/b

147

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von den WRügh 152 erhielten nur 8 Wagen den o/b-Anstrich. Alle hatten MD- Drehgestelle und Gummiwulst Übergänge.

Kommen wir zurück auf die Neuheit von Fleischmann, dem WRügh 152. Hier Bilder der Gang- und Küchenseite:

Fleischmanns WRümh 152 o/b Gangseite
Fleischmanns WRümh 152 o/b Küchenseite

Als letzten Vergleich zeige ich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Roco- und Fleischmann Speisewagen auf:

Roco (unten) und Neuheit von unten
Roco (unten) und Neuheit von oben
Roco (links) und Neuheit von vorne

Aus den letzten drei Bildern ist ersichtlich, dass an den Formen der Wagen Fleischmann wenig verändert hat: Es wurde eine Kurzkupplungskulisse verbaut. Ferner spritzten sie bei allen Schürzenwagen die Dachlüfter an. Bei Roco musste man die beigelegten Lüfter auf dem Dach noch einzeln montieren- eine fummelige Arbeit, wo so mancher Lüfter „stiften“ ging. Bei beiden Wagen fehlt der Küchenabzug, den es bei Minitrix gibt.

Kuppelabstand

Dadurch dass es bei Roco keine Kurzkupplungskulisse gab- offenbar war es bei Roco zu aufwendig- ist der Kuppelabstand etwas größer.

Zuglaufschild

Das Zuglaufschild weist – wie bei den meisten o/b-farbenen Wagen den Lauf des D 109/110 Bonn- Helmstedt- Berlin-Stadtbahn auf. Der D-Zug war eine Tagesverbindung, wo ein Speisewagen eingesetzt wurde. Aber meistens wurde an Speisewagen nur ein vereinfachtes Zuglaufschild, wo nur Start- und Zielort vermerkt waren, angebracht.

Was nicht gefiel, waren zwei Punkte: Der Wagen weist noch die anfangs verbauten Drehgestelle der Bauart Görlitz III auf. Bei den o/b Speisewagen waren die neueren Minden-Deutz 36- Drehgestelle verbaut. Ferner hat der Wagen noch die Scherengitter aus der Anfangszeit. Bei den o/b Wagen wurden die Übergänge mit Gummiwulst-Übergängen ausgestattet. Das hätte ein neues Bauteil erfordert, das hat man bei Fleischmann sich gespart.

Einsatz auf der Modellbahn

Der Verfasser erinnert sich, gegen Anfang der 1980er Jahre auf der Rückfahrt nach Bonn in einem solchen Wagen in einem überfüllten IC-Zug mitgefahren zu sein. Habe meinen erstaunten Begleiter noch vieles über den Speisewagen erzählt. Das war aber sicher eine Ausnahme, denn den ICs waren meistens die langen WRümh (27,5 m) beigegeben. Vielleicht war der vorgesehene WR defekt und der Wagenmeister hat aus seiner Reserve den WRümh 152 dem IC beigegeben. Sicher hatte der Ersatz MD-36 Drehgestelle, denn der IC lief 160 km/h. Aber meistens wurden die schon älteren Speisewagen normalen D-Zügen eingestellt. Zugloks waren dann meistens Elloks der Baureihen 103, 110, 111 oder 112. Diesellok-Liebhaber können dann Loks der 216er Familie (215, 216 oder 218) eingesetzt werden oder auch die BR’n 220 oder 221. So hat der Modellbahner eine große Auswahl.

Fazit

Es ist der allererste ozeanblau/ beige Speisewagen in N. So umgesetzt, hat Fleischmann einen wichtigen Schritt unternommen. So kann man D-Züge ab 1974 und den 1980er Jahren komplett in o/b nachbilden. Wie oben erwähnt, hat aber Fleischmann leider die Modernisierung des Speisewagens „vergessen“. So hat Fleischmann das Roco-Erbe leider mit Fehlern weitergebaut, das man allerdings nur bei genauerem Hinsehen entdeckt. Der Verfasser hat den Wagen im Abverkauf günstig für knapp 25 € erworben.

 

Klaus Kosack