08/2019 von

Erbstücke

In den 30er Jahren des 20ten Jahrhunderts, noch vor dem 2. Weltkrieg, nahm die Konkurrenz der Lastkraftwagen gegenüber der Bahn stark zu. Um dem zu begegnen beschaffte die Deutsche Reichsbahngesellschaft Straßenfahrzeuge, die den Kunden eine Transportkette aus einer Hand von Tür zu Tür bot. In dem Zusammenhang wurden SS 100  - Schlepper von Hanomag und Schwertransportwagen für den Transport kompletter Güterwagen mit Ladung entwickelt und beschafft.

Besonders spektakulär waren die nach seinem geistigen Vater, dem Reichsbahn-Oberbaurat Ing. Johann Culemeyer benannten 16-rädrigen Culemeyer-Straßenroller. Von beiden Fahrzeugtypen befanden sich eine ganze Anzahl in der Erbmasse der Deutschen Reichsbahngesellschaft, die die Deutsche Bundesbahn bei ihrer Gründung im September 1949 übernahm. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie noch viele Jahre bei der Deutschen Bundesbahn eingesetzt.

Der N-Bahner findet die Modelle als Bausatz bei DM-Toys bzw. Modellbahn-Union. Außerdem gibt es auch noch einen Bausatz einer Culemeyer-Laderampe. Alle drei Modelle sollen hier vorgestellt werden. Die Modelle von Modellbahn-Union werden als Bausätze geliefert.

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Der Anfang wird mit den Fahrzeugen gemacht. DM-Toys liefert die mittels 3D-Druck gefertigten Bausätze in mit Schaumstoff gefüllten Klarsichtboxen sicher verpackt an den Kunden aus. Die Bauteile sind lackierfertig gereinigt und können sofort coloriert werden. Es empfiehlt sich die Verwendung wasserlöslicher Acrylfarben. Die kann man, da nahezu geruchsfrei, in geschlossenen Räumen verwenden. Wasserlösliche Acrylfarben für den Modellbau gibt es inzwischen von verschiedenen Anbietern. Als Beispiel seien Revell, Ammo by Mig oder Vallejo genannt. Die noch junge Bundesbahn beließ die Bahnfahrzeuge zuerst noch in den ursprünglichen, vor und während des Krieges verwendeten Farben. Daraus ergab sich für die Fahrzeugaufbauten ein dunkelgrauer Farbton (RAL 7021). Allerdings wurden die Fahrwerke und anfangs auch die Kotflügel tiefschwarz (RAL 9005) lackiert. Für die Modell-Gummireifen wird ein „Tyre Black“ genommen. Unser Verfasser hat die Farben mit einer Airbrush aufgetragen. Aber mit den seidenmatten Acrylfarben kann man auch bei Verwendung eines Pinsels sehr ansprechende Ergebnisse erzielen.

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Ein Grundieren ist bei der Verwendung dunkler Farbtöne nicht zwingend notwendig. Mit dem Primer kann man jedoch die beim 3D-Druck entstehenden Unebenheiten der senkrechten Flächen ein wenig egalisieren. Zum Lackieren werden die Bauteile mit auf 4 mm Rundhölzern aufgesteckte Krokodilklemmen gehalten. Die sind sehr praktisch und immer wieder verwendbar.

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Das Fahrgestell des Hanomag soll zweifarbig lackiert werden. Deshalb ist es notwendig, den hellgrauen Aufbau mit Maskierband abzudecken, um dann das gesamte Modell tiefschwarz zu lackieren.Das Ergebnis sind absolut konturenscharfe Trennungen zwischen den verwendeten Farben. Das Maskierband wird schon kurz nach dem Auftragen der zweiten Lackschicht abgezogen.Dadurch wird ein unregelmäßiges Abplatzen des Lackes an den Farbübergängen vermieden.

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Die Reifen werden auf Schaschlikspieße mit passendem Durchmesser aufgesteckt und mit einem Gummi ähnlichen Farbton gespritzt.

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Nach Abschluss aller Lackierarbeiten werden die Einzelteile montiert.

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Auch werden jetzt die Details wie Bremslichter oder Scheinwerfer farblich hervorgehoben und gegebenenfalls Abziehbilder aufgebracht. Unsere Modelle sind entsprechend der Zeit nach der Gründung der Deutschen Bundesbahn lackiert und beschriftet worden. Die Nummernschilder waren schwarz mit weißen Buchstaben und eine gesonderte DB eigene Nummer war an der Fahrertür angeschrieben. Das DB-Zeichen war noch sehr vereinfacht auf den Kotflügeln dargestellt und wurde erst 1956 durch den berühmten Egge-Keks, der bis 1994 Verwendung fand, abgelöst. Damit sich die Abziehbildfolie möglichst unsichtbar an die Oberfläche des Modells anschmiegt wird Weichmacher zu Hilfe genommen.

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Die fertigen Modelle werden am Ende mit seidenmattem Klarlack überzogen. Das schützt zum einen die Abziehbilder und sorgt zum anderen auf dem ganzen Modell für einen einheitlichen Glanz. Das Ergebnis der Arbeit kann sich sehen lassen.

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Der Modellbahner erhält ein Modell, das beim Vorbild bis in die 90er Jahre im Einsatz war. Jedenfalls gilt das für den Culemeyer-Transporter. Die Hanomag verschwanden schon deutlich früher aus dem Straßenbild. In manch einem Eisenbahn- oder Verkehrsmuseum sind die Vorbilder noch heute anzutreffen. Das im Bild gezeigte Vorbild für unser Culemeyer-Modell verbringt zur Zeit einen Dornröschenschlaf im Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen.

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DM-Toys bietet in seinem Lasercut-Programm auch gleich einen passenden Bausatz einer Culemeyer-Rampe an. Dieser Bausatz soll hier auch vorgestellt werden, bietet das Modell doch genau die passende Umgebung für unser Culemeyer-Gespann.

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Der Bausatz besteht aus Einzelteilen, die per Laser aus verschiedenfarbigem Karton geschnitten wurden. Das erleichtert einem ungeübten Modellbauer die gestalterische Arbeit ungemein. In unserem kleinen Diorama wurde die Bodenplatte des Bausatzes mit der reliefartig gelaserten Straßenoberfläche auf eine Hartschaumplatte aufgeklebt und mit Gips an die Oberfläche angepasst. Damit auf dem farbigen Material nicht weiß auftrocknende Gipsflecken entstehen, wird das Ganze mit Kreppklebeband abgedeckt.

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Im nächsten Schritt wird der Untergrund mit Haftgrund und anschließend mit brauner Dispersionsfarbe gestrichen. Ebenfalls wird ein passend abgelängtes Gleisstück rostfarben lackiert.

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Auf die farbige Fläche wird mit Wasser im Verhältnis 1:1 verdünnter Weißleim aufgestrichen, in den feiner Sand eingestreut wird. Für die Dekoration kommen Bäume, Foliage, Flocken und Fasern in verschiedenen Grüntönen vorwiegend aus dem Heki-Programm zu Einsatz. Während die Fasern und Flocken wieder mit verdünntem Weißleim fixiert werden, werden Bäume und Foliage mit unverdünntem Leim angeklebt.

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Das der Bausatz genau die richtige Umgebung für die fertigen Bundesbahn-Modell bietet zeigen die Bilder überzeugend.

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von Christian Martens

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