01/2015 von

Edelrenner – die E 03 von Fleischmann und die 103 von Minitrix

Das Vorbild

Ende 1962 erhielt die Lokomotiv-Industrie von der DB den Auftrag, eine sechsachsige Schnellzuglok mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zu entwickeln. Im Februar 1965 wurde die erste Lok einer Vierer-Serie, die E 03 002, geliefert. Noch im gleichen Jahr konnten Besucher der Internationalen Verkehrsausstellung in München von dort mit einem von der neuen Lokomotive gezogenen Schnellzug erleben, wie es ist, mit 200 km/h auf Schienen (nach Augsburg) zu fahren.

Anfang 1969 bestellte die DB für das in Planung befindliche Intercity-Angebot die ersten Serienlokomotiven, die ab Mai 1970 geliefert wurden. Die letzte von insgesamt 145 Maschinen dieser Baureihe war die 1974 gelieferte 103 245. Die Serienloks unterschieden sich äußerlich vor allem durch die doppelte Lüfterreihe von den Vorserienloks.  Ab der 103 216 wurden auf Wunsch des Lokpersonals die Führerstände verlängert, die Loks wuchsen deshalb um 70 cm. Ab 1976 erhielten sie Einholm-Stromabnehmer.

Die in ihrem Erscheinungsbild gleichzeitig Kraft und Eleganz verkörpernden Loks erreichten auch bei Nicht-Eisenbahnfans einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie zuvor die V 200, was sicher auch daran lag, dass sie lange Zeit den hochwertigen IC- und TEE-Verkehr lange Zeit nahezu alleine bewältigte.

Mitte 2003 schieden dann die letzten E 03 aus dem Plandienst aus.

Arnold, Fleischmann und Minitrix haben schon seit vielen Jahren immer wieder Modelle der E 03 in den verschiedensten Lackierungsvarianten in ihrem Programm. Jetzt stellte Fleischmann erstmals eine Vorserienlok (Art.-Nr. 737801) und Minitrix eine „lange“ 103 (Art.-Nr. 16341) vor.

Die Optik

Bilder der Fleischmann E03:

Bilder der Trix BR103:

Beide Hersteller haben die nicht einfache Kopfform der Lok hervorragend getroffen. Während die Fleischmann-Lok richtigerweise Scherenstromabnehmer trägt, besitzt die Minitrix-Maschine – ebenso richtigerweise -  Einholm-Stromabnehmer – und zwar einen grauen und einen roten. Warum? Weder die Internet-Seite noch die Betriebsanleitung geben darüber Auskunft. Die aktuell im Betrieb stehende 103 235-8 hat aber auch tatsächlich 2 unterschiedlich farbige Stromabnehmer. Trix hat in diesem Punkt also das Vorbild korrekt umgesetzt.

Um die Ausfahrhöhe der Stromabnehmer zu begrenzen, kann bei der Fleischmann-Lok eine etwas längere Befestigungsschraube eingesetzt werden. Leider liegt eine solche aber nicht bei , und auch die Betriebsanleitung weist nicht auf diese Möglichkeit, die es schon seit Arnold-rapido-Zeiten gibt, hin. Um die Ausfahrhöhe der Trix-Einholmstromabnehmer zu begrenzen ist etwas „bastlerischer Ideenreichtum“ gefragt.

Die Scheibenwischer – und bei der Minitrix-Lok die freistehenden Handgriffe an den Lokfronten sind bei beiden Loks sehr zierlich wiedergegeben. Die Chromringe um die Lampeneinfassungen hat Minitrix etwas feiner hinbekommen. Auch bei den Handläufen neben den Führerstandstüren und den Türdrückern hat das Minitrix-Modell die Nase vorn. Die Handläufe sind extra angesetzt und die Türdrücker silbern bedruckt. Bei Fleischmann wurden die Handläufe mit angespritzt und weder sie noch die Türdrücker sind lackiert. Das Fleischmann-Modell hat vier gewölbte Pufferteller, wogegen Minitrix vorbildgerecht je einen gewölbten und einen flachen vorweisen kann. Beide Modelle sind sehr sauber lackiert und beschriftet. Ich konnte keine „Ausfranzungen“ an den Farbtrennkanten finden. Aus der „Preiser-Perspektive“ direkt von der Seite betrachtet wirkt der Bereich vor den Drehgestellen der Minitrix-Lok nicht besonders attraktiv, weil wegen der fehlenden Frontschürze der Blick direkt auf die Modell-Kupplungsaufnahme fällt. Im Anlagenbetrieb fällt das aber kaum mehr auf und ließ sich wohl auch kaum vermeiden.

Welche nehmen? Diese Frage stellt sich eigentlich nicht wirklich, weil die beiden Loks ja verschiedene Vorbilder haben, und weil beide optisch insgesamt sehr gut gelungen sind.

Die Technik

Beide Loks fahren weich an, die Fleischmann bei zwei Volt, die Minitrix erst bei vier Volt. Während sie geschwindigkeitsmäßig zunächst noch gleichauf liegen, offenbaren sie bei weiterem Aufdrehen des Reglers völlig unterschiedliche Charaktere. Die Minitrix-Lok lässt es gemütlich angehen, hat einen sehr großen nutzbaren Regelbereich und erreicht bei zwölf Volt noch nicht einmal ganz die Vorbildgeschwindigkeit von 200 km/h. Nicht so schlimm – auch das Vorbild ist nicht überall mit 200 km/h unterwegs gewesen.

Die Fleischmann-Lok stürmt gleich los, ihr nutzbarer Regelbereich ist dadurch recht klein, erreicht sie doch schon bei etwa sieben Volt die Vorbild-Höchstgeschwindigkeit. Nicht so schlimm – nach NEM darf sie umgerechnet 320 km/h rennen, und außerdem wird ja niemand gezwungen, den Regler voll aufzudrehen.

Beide Loks haben auch bei Langsamfahrt durch Weichenstraßen mit Kunststoff-Herzstücken keine Stromabnahmeprobleme. Trotzdem: Das Trix-Modell nimmt von acht Rädern Strom auf, das Fleischmann-Modell von allen zwölf. Das gefällt uns besser – sicher ist sicher! Bis zur Höchstgeschwindigkeit liegen beide Testkandidaten völlig ruhig im Gleis, nur auf DKWs ist ein leichtes Zittern zu erkennen.

Beide haben weiß/roten Lichtwechsel, wobei die Lichtfarbe bei der Minitrix-Lok etwas angenehmer, weil nicht so hart, ist. Anders als bei der E 10.3 aus gleichem Hause, kann man bei der Fleischmann-Lok nicht zwischen verschiedenen „Beleuchtungs-Varianten“ wählen, aber immerhin: Durch Abziehen je einer kleinen Klammer auf jeder Lokseite kann man dort das rote Schlusslicht abschalten. Kleiner Gag am Rande: Durch die Oberlichter auf dem Dach kann man die Beleuchtung des Maschinenraums erkennen. Bei der Trix-Lok lassen sich durch Umstecken und/oder Wenden der Platine in der Decoder-Schnittstelle vier Beleuchtungsvarianten einstellen – genial!

Obwohl die Minitrix-Lok mit ihrem schräggenuteten Fünfpolmotor und zwei kleinen Schwungmassen ein nicht allzu lautes Fahrgeräusch entwickelt, macht in diesem Punkt ganz klar das Fleischmann-Modell mit dem geradegenuteten Dreipoler mit einer Schwungmasse das Rennen. Bei Langsamfahrt sind fast nur die Schienenstöße zu hören, bei höherer Geschwindigkeit ist nur ein angenehmes Summen zu vernehmen. Vorbildlich! So sollten ab sofort alle Triebfahrzeug-Neuheiten klingen!

Das Minitrix-Modell bringt 106 Gramm auf die Waage, die Fleischmann-Lok deren 105. In Verbindung mit jeweils zwei Haftreifen sorgt das bei beiden, trotz nur vier angetriebenen Achsen für hohe Zugkraft. Bei Minitrix wurden Haftreifen auf eine in Lokmitte befindliche Achse aufgezogen, bei Fleischmann – wie es sich gehört – diagonal versetzt auf die beiden inneren Achsen. Bei den Zugkraftmessungen zeigte sich dann auch, dass die Minitrix-Lösung nicht ganz optimal ist. Während sie mit „Haftreifen hinten“ auf einer 2,5-Prozent-Steigung locker zwölf „Lange“ von Minitrix anfahren konnte, war das  „andersherum“ bei zehn „Langen“ schon etwas mühsamer. Aber mal ehrlich! – Wer kann auf seiner Anlage schon so lange Züge fahren?

Wartung und Pflege

Für die Betriebsanleitung des Fleischmann-Modells gilt das im Test der E 10.3 gesagte (Bitte bei Bedarf dort noch einmal nachlesen). Deshalb hier nur so viel: Die Lok lässt sich durch Spreizen des Gehäuses problemlos öffnen um die nötigen Wartungsarbeiten durchzuführen. Trix verwendet in seiner Anleitung nur Text bei den Informationen zu Vorbild und allgemeinen Hinweisen. Zum Öffnen der Lok, zum Schmieren, Reinigen der Räder, Ausbau des Motors, Einsetzen eines 14-poligen Decoders, zu den diversen Einstellmöglichkeiten des Lichtwechsels und zum Ausbau der Drehgestelle setzt man bei Trix ausschließlich auf Zeichnungen. Da zum Ölen der Motorlager und zum Motorkohlenwechsel keine Angaben gemacht werden, gehen wir davon aus, dass der Motor der Minitrix-103 „wartungsfrei“ ist.


Fleischmann E03 737801


Trix BR 103 T16341

Das Fazit

Fleischmann und Trix bieten mit der E 03 und der „langen“ 103 zwei Modelle an, die optisch und technisch insgesamt überzeugen können. Schön, dass es bei beiden relativ einfach möglich ist, die eigentlich sowieso überflüssige rote Schlussbeleuchtung abzuschalten. Bei Trix sollte man sich etwas mehr Mühe mit der Betriebsanleitung geben. Welche nehmen? Wenn es der Geldbeutel hergibt: Am besten beide...

Jürgen Plack


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