10/2014 von

E71 in 1:160 von Hobbytrain

Bei Lemke hat man es gewagt, und sich an die sicher nicht ganz einfache Aufgabe gemacht, eine E 71 in N zu bringen. Jetzt lag uns die urige E-Lok als EG 534 der KPEV (Art.-Nr. H 2840, analoge Version) zur Begutachtung vor.

Das Vorbild
Im Jahr 1913 bestellten die preußischen Staatsbahnen bei der AEG 18 elektrische Güterzugloks. 1914 wurde die erste Maschine als EG 511 geliefert. Es sollten noch weitere 26 Exemplare folgen. Sie wurden 1920 als E 71.1 von der DRG übernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben sechs Loks bei der DB, zwei bei der ÖBB und eine bei der DR. Die letzte DB-E 71 wurde 1958 ausgemustert.

Die Optik
Noch sicher im Schaumstoff der Verpackung liegend, macht die kleine Lok viel her. Die ungewöhnliche Optik des Vorbildes kommt auch im Modell sehr gut herüber. Beim Herausnehmen fällt dann auf, dass zwei Aufstiegsleitern und ein Tür-Fenstereinsatz lose in der Schachtel liegen. Außerdem ist ein Führerstand nicht vollständig eingerastet. Doch dazu später mehr unter „Wartung und Pflege“.
Abgesehen von den losen Teilen kann das Äußere des Modells rundum überzeugen. Am auffälligsten sind natürlich die an beiden Seiten angebrachten, großen schlangenförmigen Ölkühler. Wunderschön auch die durchbrochenen Treibräder, denen ein Tröpfchen roter Farbe auf den Achsenden noch gut tun würde. Ansonsten ist an der Farbgebung, an der Detaillierung und der Beschriftung wieder einmal nichts auszusetzen, jedenfalls nicht für einen, der, wie der Tester, nicht Mitglied im Club der Nietenzähler ist. „Nietenzähler“ ist für mich übrigens kein Schimpfwort, sondern die Beschreibung für N-Bahner, die sich hauptsächlich an der Optik unserer kleinen Modelle erfreuen wollen, und es da eben sehr genau nehmen. Schön, dass unser Hobby so viele verschiedene Facetten hat!

Die Technik
Die E 71 von Hobbytrain fährt weich und ohne zu rucken an. Sie ist sehr gut regelbar und entwickelt bis zu ihrer Höchstgeschwindigkeit ein angenehm, zurückhaltendes, wenn auch leicht kratziges Geräusch. Schon bei Minimalgeschwindigkeit hat sie keinerlei Kontaktprobleme – der Verzicht auf Haftreifen zahlt sich hier aus – und geht natürlich zu Lasten der Zugkraft. Die Lok zieht aber noch acht Zweiachser-Güterwagen auf einer Zweieinhalb-Prozent-Steigung. Das reicht doch, oder?
Verzichten sollen hätte man allerdings auch auf die mit der Fahrtrichtung wechselnde rote Schlussbeleuchtung. Erfreulich ist dagegen die LED-Frontbeleuchtung, die schon bei niedriger Geschwindigkeit mit einer angenehmen Lichtfarbe erstrahlt. Die Lok liegt in allen Geschwindigkeitsbereichen völlig ruhig im Gleis, nur beim Überfahren von DKWs zittert sie leicht. Ein Auslauf ist praktisch nicht vorhanden – das können die winzigen Schwungmassen einfach nicht leisten. Das ist aber auch schon alles, was der E 71 bezüglich der Fahreigenschaften angekreidet werden kann. Der Antrieb erfolgt zwar vorbildgerecht und problemlos über Blindwellen und Treibstangen, trotzdem hätten wir es lieber gesehen, wenn jede der Treibachsen ein eigenes Antriebszahnrad bekommen hätte. Sicher ist sicher...
Die Stromabnehmer? Elektrisch funktionslos, wunderschön, aber wieder einmal nicht in der Ausfahrhöhe... (nein, ich kann nicht mehr!).
Eine Schnittstelle ist nicht eingebaut, es werden aber auch Versionen mit ab Werk eingebautem Decoder angeboten. Kurzkupplungskulissen mit Klippsaufnahme sind vorhanden, die N-Norm-Kupplung kann allerdings nicht sehr weit nach oben ausschwenken, so dass das Entkuppeln auf dem Entkupplungsgleis nicht immer problemlos funktioniert. Insgesamt kann der kleinen E 71 volle Betriebstauglichkeit bescheinigt werden. Es macht Spaß, dem Spiel der Treibstangen und dem Ausschwenken der Vorbauten in Kurven zuzusehen!

Wartung und Pflege
Wie weiter oben bereits erwähnt, waren schon in der Verpackung zwei Aufstiegsleitern abgefallen. Laut Bedienungsanleitung sind diese Metallteile nur gesteckt, um sie vor dem Öffnen der Lok abnehmen zu können. Dadurch soll eine Beschädigung vermieden werden.
Originaltext der winzig kleinen Anleitung: „Je nach Laufleistung sollten sie die Schmierung überprüfen und gegebenenfalls erneuern. ... Das Gehäuse muss zur Wartung nicht abgenommen werden.“
Um aber die Antriebsschnecken mit Öl versorgen zu können (von Fett ist in der Anleitung nicht die Rede) sollte man die „Motorhauben“ abnehmen. Das geht, so wie es in der Anleitung beschrieben ist, einfach durch Abziehen nach vorne. Sollte man irgendwann einmal den offensichtlich „wartungsfreien“ Motor ersetzen müssen, müssen zunächst die Führerstände nach oben abgehebelt werden. Dazu wiederum muss erst die Dachleitung entfernt werden – auch sie ist nur gesteckt.
Wie dann das restliche „Gehäuse“ abgenommen werden kann, ist nicht beschrieben. Das Herausdrehen der beiden kleinen Kreuzschlitzschrauben am Fahrzeugboden half auch nicht weiter – das Gehäuse sitzt weiterhin bombenfest. Um eine Beschädigung der Lok zu vermeiden, haben wir an dieser Stelle „aufgegeben“.
Also machten wir uns an den Wieder-Zusammenbau – was sich als fast noch stressiger als das Zerlegen erweist, weil die Führerstände und die Motorhauben von den dafür vorgesehenen Nuten im Gehäuse, bzw. in den Drehgestellrahmen nicht exakt geführt werden. Einmal rastet ein Führerstand links nicht sauber ein, dann wieder einmal rechts. Einmal sitzt eine Haube zu hoch und kann sich dann nicht frei bewegen, einmal sitzt sie etwas zu tief und behindert dann die Kupplung. Sitzt die Haube dann richtig und man rastet „frohgemut“ den Führerstand ein, drückt dieser zu sehr auf die Haube, so dass diese wieder locker ist. Ist aber nicht weiter schlimm, weil man im Eifer des Gefechtes übersehen hat, dass inzwischen ein Lichtleiter samt Abdeckung das Weite gesucht hat, und man deswegen die Haube sowieso wieder hätte abnehmen müssen...
Aber irgendwann ist es (und man!) geschafft! Jetzt muss „nur noch“ die Dachleitung wieder angebracht werden, soll heißen die an ihr lose „herumbaumelnden“ Isolatoren in die entsprechenden Bohrungen eingesteckt werden. Viel Vergnügen!
Zum Wiederanbringen der Aufstiegsleitern hier noch ein Tipp vom „Chef“: „ACHTUNG, zuerst die Griffstange ins obere Loch, dann erst die beiden unteren. Die Dinger stehen nämlich etwas unter Spannung.
Wenn man zuerst die unteren Löcher „besetzt“, bekommt man die Griffstange nicht ins obere Loch, ohne das Teil zu verbiegen... Wenn die Leitern dann fest sind, kann man sie auch vorsichtig ausrichten, will heißen, gerade biegen.“
Ach ja – den Fenstereinsatz haben wir auch wieder eingedrückt. Nach der ersten Proberunde auf der Anlage hat er sich aber – vermutlich natürlich irgendwo im Schattenbahnhof – endgültig verabschiedet. Weil man als N-Bahner für irgendwelche Unzulänglichkeiten der Anlage oder des Betriebes aber immer eine gute Ausrede parat haben muss, gehen wir einfach davon aus, dass der Lokführer das Fenster gerade vollständig heruntergelassen hat.
Erstaunlich und höchst erfreulich: Auch nach dem ausgiebigen Hantieren beim Zerlegen und Zusammenbauen, läuft das Maschinchen wieder einwandfrei, und das ist schließlich das Wichtigste!
Also: Bitte Öffnen Sie die Hobbytrain-E 71 nur, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht. Und noch eine Bitte an die Firma Lemke: Bitte bedenken Sie, dass der Altersdurchschnitt der N-Bahner kontinuierlich ansteigt und damit deren Sehvermögen kontinuierlich abnimmt. Lassen Sie bitte deshalb in Zukunft eine größere Bedienungsanleitung mit größerer Schrift drucken. Danke!

Das analoge Fazit:
Hobbytrain ist es gelungen, mit der E 71 ein überaus interessantes E-Lok-Modell zu kreieren, ein optisches Schmuckstück, das schon fast Kleinserienqualität erreicht, fahrtechnisch aber auf höchstem Großserienniveau daherkommt. Angesichts des Gebotenen erscheint auch die recht hohe UVP von 247,90 Euro (289,90 Euro für die Digitalversion) gerade noch vertretbar.

Mittlerweile sind alle Loks ausgeliefert und die meisten Varianten schon werksseitig ausverkauft! Sie finden die Loks hier in unserem Webshop! Bei DM-Toys aber wie gewohnt mit 10 % Rabatt auf die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers!

Hier der Bericht mit Bildern, Stromaufnahmeskizee und Geschwindigkeitstabelle als PDF zum Download:

Zurück