12/2014 von

E10.3 in 1:160 von Fleischmann

Das Vorbild

Im Jahr 1963 erhielt die erste Schnellzuglok der Baureihe E 10 der DB, die E 10 288, einen Lokkasten mit einer aerodynamisch günstigeren Front, was den dann unter der Bezeichnung E 10.3 eingereihten Loks den treffenden Spitznamen „Bügelfalte“ einbrachte. Neben dieser wirkten die Loks durch die Pufferverkleidungen, die Frontschürzen und das durchgehende Lüfterband wesentlich eleganter als ihre etwas pummeligen Vorgängerinnen. Nun hat sich nach Minitrix und Hobbytrain auch Fleischmann dieses Vorbildes angenommen (Art.-Nr. 733802), das bis zum Erscheinen der E 03 „das Gesicht“ der modernen Bahn war.

Die Optik

Fangen wir mit der Dachausrüstung und damit mit dem einzig wirklich wesentlichen Kritikpunkt an: Die (elektrisch nicht funktionsfähigen) Stromabnehmer liegen im Ruhezustand nicht parallel zum Dach, sondern stehen zur Lokmitte hin etwas eigenartig nach oben. Ausgefahren sehen sie aber schon viel besser aus. Zugegeben, sie sind etwas gröber als die Neukonstruktionen von Arnold, Liliput und Piko, dafür aber auch im „rauen Alltagsbetrieb“ wesentlich weniger empfindlich.

„Weiter unten“ fällt auf, dass der hintere Teil der Frontschürzen mitsamt den Aufstiegstritten mit den Drehgestellen ausschwenkt. (Das Minitrix-Modell fährt auch ohne diesen Kunstgriff durch Radius 1, die Hobbytrain-Maschine hat zwar eine feststehende Frontschürze, dafür ist aber das Drehgestell vorne „abgeschnitten“.) Die elegante Gesamterscheinung des Vorbildes ist beim Fleischmann-Modell aber hervorragend getroffen. Freistehende Griffstangen unter den Frontfenstern, Elektrokabel, plastische Scheibenwischer – alles da, wo es hingehört. Die Lackierung in „edlem“ Blau und auch die Bedruckung und Beschriftung (extrem klein, randscharf und mit der Lupe lesbar) sind – bis auf eine kleine Unsauberkeit der weißen Zierlinie an einer Lokfront - hervorragend gelungen. Den Ölkühler muss der N-Bahner selbst farblich hervorheben.

Als „kleine Aufmerksamkeit“ liegen der Lok erhabene Nummernschilder, „DB-Kekse“ sowie Bremsschläuche und Kupplungshaken zum Aufrüsten der Pufferbohlen bei.

Die Technik

Der gerade genutete Dreipolmotor mit kleiner Schwungmasse setzt die E 10.3 von Fleischmann schön weich in Bewegung. Sie passiert auch komplizierte Weichenstraßen mit Kunststoff-Herzstücken selbst in Langsamfahrt ohne jegliche Kontaktprobleme. Bis hinauf zu ihrer (deutlich überhöhten) Höchstgeschwindigkeit liegt sie völlig ruhig im Gleis. Nur auf DKWs zittert sie leicht. Das Fahrgeräusch bleibt stets angenehm zurückhaltend.

Ab Werk hat die Lok weiß/roten Lichtwechsel. Dazu hat man sich aber bei Fleischmann eine pfiffige Lösung einfallen lassen: Mit Hilfe je eines Kontaktbleches auf beiden Lokseiten kann man nach Abnehmen des Gehäuses zwischen „weiß/rot“, „nur weiß“, oder „ganz aus“ wählen – bravo!

 Ein Lokgewicht von 81 Gramm sorgt zusammen mit zwei diagonal versetzt aufgezogenen Haftreifen dafür, dass auch vorbildlich lange D-Züge an die von einer Kurzkupplungskulisse geführte Kupplung angehängt werden können.

Die Ausfahrhöhe der Dachstromabnehmer kann durch Verwendung etwas längerer Befestigungsschrauben verringert werden. Die „Gummifaden-Fahrer“ wird´s freuen...

Wartung und Pflege

Die fleischmann-typische Betriebsanleitung zeigt in Wort und Bild, wie das Lokgehäuse durch Spreizen abgenommen werden kann, was auch problemlos gelingt. Mit einer feinen, langen Kanüle kann man dann schon ohne Ausbau der Platine die Motorlager ölen. Die Achszahnräder aus Messing sind, da sie nach unten hin offen liegen, ohne Demontage zu schmieren.  Leider nicht mehr alltäglich: Für den Motor werden noch Ersatzschleifkohlen angeboten. Der mögliche Einbau eines sechspoligen Decoders wird beschrieben, nicht aber, ob und wie zum Aufziehen neuer Haftreifen die Drehgestellblenden abgenommen werden können. Ergänzt wird die Betriebsanleitung durch eine ausführliche, bebilderte Ersatzteilliste.

Das Fazit

Fleischmann bietet mit der E 10.3 ein optisch sehr ansprechendes und betriebstaugliches Modell an. Da die Lok beim Vorbild im Laufe der Zeit viele optische Veränderungen über sich ergehen lassen musste, können die N-Bahner sicher sein, dass noch viele Modellvarianten kommen werden.

Jürgen Plack

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