03/2018 von

Die VW 1600 von miNis by Lemke

Auf der Spielwarenmesse 2012 angekündigt, sind die Modelle des VW 1600 von miNis by Lemke seit dem Spätsommer 2015 bei den Händlern. Inzwischen sind verschiedene Modelle des VW 1600 erschienen, auch die mit „Rundumkennleuchten“, wie das Blaulicht offiziell heißt.

Schon Ende der 1950iger Jahren dachte VW über die Nachfolge des VW Käfers nach. Der Käfer, Inbegriff des Wirtschaftswunders, bewegte die Gemüter der Autofahrer wie selten ein anderes Fahrzeug. Immer wieder wurde über einen Nachfolger gesprochen aber niemals über einen „größeren Bruder“ des erfolgreichen Krabbeltiers. Mit einem Überraschungscoup stellte Volkswagen nach erfolgreicher Geheimhaltung den VW 1500 vor, der jedoch keinesfalls Nachfolger des Millionenerfolgs Typ 1 sondern Aufsteigermodell sein sollte. Als Typ 3 erschien der große Bruder. Auf der IAA 1961 stellte Volkswagen den ersten VW mit Pontonkarosserie vor: den Typ 3 – wie der VW 1500 intern genannt wurde. Gezeigt wurden die Ausführungen Limousine, Variant (= Kombi-Limousine) und Cabriolet. Zum Ende des gleichen Jahres, war das Fahrzeug bereits bei den Händlern erhältlich. Es war die Ergänzung zum Typ 1 (VW Käfer) und Typ 2 (VW Bulli) und entstand als Mittelklassemodell um neue Kunden zu gewinnen. Anfangs hieß der Wagen VW 1500, bis er 1965 in VW 1600 umbenannt wurde. Vom Hubraum her passte er in die Kategorie des Mittelklassewagens, von den Abmessungen und vom Preis jedoch eher eine Klasse niedriger. Der Preis des Typs 3 als Limousine lag bei 6400 DM, für den Variant stand 6700 DM in der Preisliste. Die Limousine war damit 1100 DM teurer als der VW Käfer.

Die 3 Formen des Originals – hier sind die unterschiedlichen Baujahre miteinander vermischt.

Die Formgebung des Neuen geriet aber ziemlich hausbacken und keineswegs aufregend. Den VW Managern war es wichtiger, Zweck und Form so aufeinander abzustimmen, dass in erster Linie die Schwächen des alten Modells gelindert wurden: mehr Platz im Innenraum, glattflächigere und leichter auswechselbare Karosserieteile und eine unauffällig bessere Optik waren das Ergebnis. Bei dem Typ 3 wurde das Grundkonzept vom VW Käfer übernommen. Zu sehen ist es u.a. am gleichen Radstand und der fast gleichen Spurbreite beider Fahrzeuge. Allerdings wurde dem Wagen eine moderne und größere Karosserie verpasst, wodurch das Fahrzeug im Vergleich zum Käfer ein größeres Platzangebot aufwies. Die Presse bezweifelte jedoch, dass sich der Wagen gegen seine Konkurrenten Opel Rekord A und Ford Taunus 17m durchsetzen kann. Schließlich war der VW1500/1600 kleiner: in den Abmessungen und im Platzangebot. Um die Gemüter zu bewegen fehlte ihm eigentlich so ziemlich alles: Seine Form war überholt und seine Technik veraltet.

Ein weiterer großer Unterschied zum Käfer war jedoch der Motor. Der Motor hatte einen vergrößerten Hubraum, eine veränderte Kühlung und war als Flachmotor entwickelt. Er war zwar genauso lang wie der Käfermotor, allerdings nur 40 cm hoch. Der Motor ermöglichte es erst, sowohl beim Kombi als auch beim Fließheck einen von außen zugänglichen hinteren Kofferraum. Für den Service oder die Reparatur des Motors musste eine Klappe im Kofferraum geöffnet werden, wodurch der Motor erreichbar war. Ein Nachteil hatte dieses Prinzip aber: der Kofferraum musste leer sein (oder vorher ausgeräumt werden). Auch gabe es einen Kofferraum vorne, so wie es bereits vom Käfer bekannt war. Durch die neue Form der Karosserie, war der Kofferraum größer geworden: 200 Liter hinten und 180 Liter vorne.

Wie bereits kurz angedeutet, wurde der VW1600 in drei Varianten verkauft: als Limousine mit Stufenheck, als Kombi-Limousine (mit Variant bezeichnet) und ab 1965 als Schrägheck Variante, die TL genannt wurde. Dabei steht das TL für Touren Limousine. Der TL hatte eine größere Fahrzeugbreite und einen größeren Motor, da der 1500 Motor bei der herausgeholten, höheren Leistung überfordert war. Auch war der TL der erste VW mit Scheibenbremsen. Insgesamt wurde die Fließheck Variante ein großer Reinfall. Der Zugewinn an Kofferraum in der Höhe war minimal, die Seitenwindempfindlichkeit dafür beträchtlich größer. Stilistisch hätte es nicht schlimmer kommen können. Die Heckscheibe war außerdem viele zu hoch angesetzt, so dass Einparken zum Problem wurde. Im Volksmund stand für TL „traurige Lösung“.

Gebaut wurde der VW1500/1600 von 1961 bis 1973 und brauchte es in dieser Zeit auf fas 2,6 Millionen Exemplare. Beliebteste Version war der Variant. 43 % der Zulassungen waren diese Version. Viel wurde an dem Fahrzeug optisch nicht verändert. Ende 1967 wurde dem Motor eine elektrische Kraftstoffeinspritzung spendiert und war damit das erste Auto, das eine Einspritzanlage hatte. Das Fahrzeug bekam dann die Bezeichnung VW1600 E. 1969 wurde die Karosserie des Wagens optisch überarbeitet, es entstand der „Langschnauzer“. Das Fahrzeug erhielt breitere Stoßstangen, größere Blinker an der Front und größere Heckleuchten. Der Name „Langschnauzer“ rührt daher, dass die Frontpartie vom VW1600 länger geworden ist und damit das Fahrzeug flacher wirkt und für viele gefälliger wurde. Das ergab neben der besseren Linienführung auch einen größeren Kofferraum und eine längere Knautschzone.

Vergleich der beiden Versionen vor und nach dem Facelift am TL. Deutlich kann man die größeren Blinker erkennen und die längere Form der Front.

Der VW 1500/1600 war das typische Aufsteigerauto für Käfer-Fahrer: Allein sie empfanden den Einstieg in den Typ 3 als Fortschritt und waren bereit, sich mit den konstruktionsbedingten Nachteilen abzufinden. Andererseits überzeugte der Mittelklasse-VW gerade in den letzten Produktionsjahren durch Robustheit und Zuverlässigkeit.

Zeitlebens war das Variant-Modell das beliebteste; nur hier befriedigten Kofferraumvolumen und Linienführung. Wenig bekannt ist, dass es dieses auch als Lieferwagen gab, der anstelle der hinteren Seitenscheiben Blechblenden hatte. Wahlweise gab es das Modell dann mit oder ohne hintere Sitzbank. Von dieser Version blieben allerdings nur lächerlich wenige in der Bundesrepublik: 494 Stück, und dies bei einer Gesamtproduktion von über 40.000. Neben den Werks-Lieferwagen hat es offensichtlich auch Umbausätze gegeben, die von VW an die Händler in aller Welt geliefert worden sind. Der Umbausatz bestand lediglich aus den vier Blechen für die Fenster.

Der in Deutschland sehr seltene Lieferwagen des VW 1600. Eine neue Variante für miNis by Lemke.

Auffällig ist, dass es vom VW1600 nur 2-Türer gibt, 4-Türer sind zwar entwickelt worden, auch Prototypen wurden gebaut, sind aber nie in Serie gegangen. Im Juli 1973 wurde die Produktion des VW 1600 eingestellt.

Während der 40. IAA im Jahre 1961, als der VW 1500/1600 vorgestellt wurde, zeigte man dem Publikum noch zwei Varianten des Fahrzeugs, die dem Publikum als „erreichbaren Luxus“ vorkommen sollten. Die Cabriolet Version des VW 1500 und eine offene Abwandlung des großen Karmann Ghia: Typ 34. Leider wurde das Cabriolet nie in Serie gebaut. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Ob es vom Publikum keine klare Begeisterung war oder ein Ende des Cabriolet-Zeitalters befürchtet wurde, sind nur Spekulationen. Letztendlich haben aber auch erhebliche konstruktive Bedenken eine Rolle gespielt. Für die Umsetzung des Cabriolets hatten die Konstrukteure bei Karmann tief in die Trickkiste gegriffen und dem Zentralrohr-Plattformrahmen zunächst ansehnliche Versteifungen verpasst. Namentlich die Türeinstiege hatten nun tragende Funktion und wurden deutlich höher und steifer als bei der Serie ausgebildet (und diese neigen zum Rostbefall).  Die aufwendige Konstruktion machte das Cabriolet deutlich teurer als die Limousine: 8200 DM sollte es kosten – 1800 DM mehr. Über die Anzahl tatsächlich gebauter Prototypen gibt es unterschiedliche Angaben. Es wird von 14 oder 20 gesprochen. Ein Exemplar kann im VW Museum betrachtet werden. Das 2-sitzige Coupe Karmann Ghia Typ 34 ist von 1961 bis 1969 in nur 42.505 Exemplaren gefertigt worden. Die Firma Lorenz (in Wetter an der Ruhr) baute auf Kundenwunsch Coupés zu Cabriolets um. Es dürften rund 20 Lorenz-Umbauten entstanden sein.

Das Cabrio des VW 1600 sieht nach klassischer Linienführung aus – schade, dass es nicht in Serie ging. Das gebaute Coupe von Karmann auf Basis des Typ 3.

Den VW 1500/1600 gab es mit 2 Motoren. Zuerst nur mit 1500 cm³ und ab 1965 mit 1600 cm³. Der 4-Zylinder Boxer leistete aus 1493 ccm 45 PS bei 3800 V/min, war mit 1:7,5 zivil verdichtet. Von diesem Motor gab es noch ein Version mit höherer Verdichtung und anderem Vergaser, der dann 54 PS leistete. Der 1600 cm³ zeigte zu jeder Zeit der Produktion (1965 bis 1973) eine Leistung von 54 PS, entweder mit zwei Fallstromvergasern oder mit der Einspritzanlage. Höchstgeschwindigkeit mit dem kleinen Motor war 125 km/h, mit dem großen Motor sogar 135 km/h.

Doch jetzt ein paar Worte zum Modell. MiNis by Lemke Collection hat sich 2006 zum Ziel gesetzt, Modelle der Epoche 3 im Maßstab 1:160 herauszugeben. Bislang gab es unter dem Markennamen miNis nur LKW- und Busmodelle. Bereits seit 2010 ist der VW Typ 2 „Bulli“ erhältlich. Den könnte man bereits als PKW einstufen, kann aber durch seine Bus ähnliche Form noch nicht ganz in die Kategorie PKW einbezogen werden. Mit dem Erscheinen der Modelle des VW Typ 3 (VW 1500/1600) ist nun ein echtes PKW-Modell von miNis erschienen.

Als Vorbild hat MiNis by Lemke sich den „Langschnauzer“ für sein Modell ausgewählt (Zeitraum 1969 bis 1973). Dies kann man an den großen Frontblinkern erkennen, deren gelbes Glas um die Ecke führt. Auch zeigt die Stoßstange keine senkrecht stehenden, großen Halterungen mehr sondern zeigt eine glatte Form. Allerdings wirken die Rückleuchten für meinen Geschmack kleiner, als ich sie erwarten würde – kann aber täuschen.

Die 5 Varianten des VW 1600 von Lemke: Kombi, Limousine, Fließheck und der Kombi mit einem und zwei Blichlichtern

Wie beim Original sind alle 3 Formvarianten umgesetzt worden. Stufenheck, Kombi und die sportliche Fließheck Variante. Als Variation des Kombis sind die Versionen mit einem aufgesetzten „Rundumkennlicht“ (Polizei und ADAC) sowie 2 Blaulichtern (Feuerwehr) verfügbar.

Das Modell hat eine Länge von rund 26 mm und zeigt durch die Gravur viele Details: seitliche Kühlerrippen, Türfugen, Griffe oder auch Zierleisten. Trotz einer sauberen Lackierung sind diese Details noch sichtbar. Konstruktiv entsprechen die Fahrzeuge den bisherigen Modellen. „Auf einem Chassis sitzt das Gehäuse und die Fenster sind ein eigenes Kunststoffteil aus glasklarem Kunststoff. Das Gehäuse wird durch einen kleinen Stift mit dem Chassis zusammengehalten und kann nach oben abgezogen werden. Beim klaren Fenstereinsatz sind die Seitenfenster hinter dem Gehäuse hinterlegt. Das Heckfenster ist jedoch so graviert, dass es beinahe bündig mit dem Gehäuse abschließt. Gleiches gilt auch für die vordere Windschutzscheibe, die so eingesetzt wird, dass sie fast bündig mit dem Gehäuse ist.“ Die Räder sind auf einem Metallstift aufgezogen und können rollen. Auf dem Chassis ist eine einfache Inneneinrichtung nachgebildet. Zu sehen sind Sitze, Lenkrad, Armaturenbrett und die Mittelkonsole mit Schaltknüppel.

Die Einzelteile des VW 1600 – Chassis, Gehäuse und Fenstereinsatz (das Bild wurde dem 1zu160 Forum entnommen).

Die Modelle sind sauber lackiert. Aus meiner Sicht bedarf es allerdings etwas Gewöhnung, sich mit dem Verwendeten matten Lackierungen. Irgendwie ist man doch bei Autos eher das Glänzende gewohnt. Hervorgehoben in Silber sind vorderen Scheinwerfer, die Stoßstangen, die Felgen, das VW Logo vorne und die Typenbeschreibung hinten. Die Blinker vorne und an den Seiten sind gelb hervorgehoben und die Rückleuchten – wie sollte es anders sein – in rot. 

Wie gewohnt, bekommt man von miNis wieder ein schönes Modell, das die typische Form des VW 1600 sehr gut wiedergibt. Einsetzen kann man das Modell ab 1968, also am Übergang von Epoche III zu IV.

Vielen Dank auch an den NCI, bei dem der Beitrag schon früher veröffentlicht wurde.

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