05/2019 von

Die neuen Kaliwagen von Kuehn

Besondere Güter brauchen besondere Wagen, will man sie auf der Schiene transportieren. Für den Kaliverkehr beschaffte die DR im Ausland spezielle Wagen, die den Transportansprüchen genügen sollten. Kali ist ein Salz aus fossilen Ablagerungen verschiedener Salzminerale mit einem hohen Gehalt an Kaliumverbindungen. Kuehn hat jetzt nach dem erfolgreichen Verkaufs des Wagens in TT 2015 den Wagen auch in N herausgebracht.

Vorbild

Die Kalisalzlagerstätten entstanden vor gut 250 Mio. Jahren im geologischen Zeitalter des Zechsteins. Die Lagerstätten entstanden in flachen Meeresbuchten bei trockenem Klima, wo das Meereswasser verdunstete. Das Mineral Kalium ist ein wichtiges Düngermittel für die Landwirtschaft. Nach dem unterirdischen Abbau müssen die Salze aufbereitet werden; die abgebauten Minerale haben einen Salzgehalt von 30 bis 35 Prozent. Einleuchtend ist die Tatsache, dass diese Salze feuchtigkeitsempfindlich sind. Daher muss beim Transport das Ladegut vor Regen geschützt werden.

Zum Transport der Salze hatte die DR nur Klappdeckelwagen oder Behelfswagen aus der Vorkriegszeit, deren Unterhalt immer aufwändiger wurde. Daher beschloss die DR Anfang der 80er Jahre, moderne Wagen zu beschaffen. Bestellt wurden 490 Wagen bei der französischen Firma Arbel Industrie Douai. Die Wagen waren wasserdicht und hatten auf dem Scheitel vier Ladeluken. Die DR bezeichnete die Wagen als Uaoos-y [9331]. Da die Kalisalze starke Korrosionsschäden verursachten, musste die DR nach gut 10 Jahren Betrieb bei über 30 Prozent der Wagen neue Wagenkästen bauen. 1994 kamen 487 Wagen in den Bestand der DB AG, die sie zu Uaoos-y 948 umzeichnete.

Die Wagen hatten ein Ladevolumen von 67 m³ und konnten bis zu 60 t Salz laden. Sie wogen leer 23,8 t. Mitte der 90er Jahre verlangte die Hauptverlader K+S (Kali + Salz) einfachere Beladungsmöglichkeiten. So baute die DB die Wagen um und statt der vier Ladeluken auf dem Dach bekamen die Wagen ein Schwenkdach, das von der Seitenbühne betätigt werden konnte. Fast die ganze Flotte wurde umgebaut; 471 Wagen bekamen Schwenkdächer und verbesserte Vierkammer Oberkästen. Nach dem Umbau erhielten die Wagen die Bezeichnung Taoos-y 894.

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Foto2: Wagenskizze (Quelle: DB AG)

Züge mit diesen Wagen verkehren meistens als Ganzzüge mit bis zu 30 Wagen zwischen den Salzrevieren Thüringen und Südharz und den Seehäfen Wismar und Rostock. Die Wagen sind heute noch im Einsatz. Gelegentlich wurden auch Düngermittel oder Saatgut verladen.

 

Modell

Kuehn hatte den Wagentyp bereits 2015 für TT herausgegeben. Nach dem Verkaufserfolg wandte man sich der Spur N zu, wo es diesen Wagentyp auch noch nicht gab. Auf der Messe 2018 wurde der Wagen angekündigt und jetzt im April 2019 ausgeliefert. Wie bei TT machte Kuehn keine halben Sachen, sondern produziert neben dem DR Uaoos-y [9331] bzw. DB Uaoos-y 948 auch gleich den Umbau Taoos-y 894 mit. Insgesamt bietet Kuehn sechs Sets mit je drei Wagen an. Anders als in TT werden Einzelwagen (noch) nicht angeboten.

Von dem Typ Uaoos-y [9331] gibt es zwei DR- Beschriftungsvarianten und als DB AG-Wagen der Epoche V; der Umbauwagen Taoos-y 894 ebenfalls in drei Varianten, als roter DB- Wagen, dsgl. mit Railion-Beschriftung und in gelb als Privatwagen der Fa. Nacco (Epoche VI). Damit decken die Wagen die Epochen IV bis VI ab.

Dem Tester lagen die beiden Wagensets 93018 (Uaoos-y der DB) und 93032 (Taoos-y der DB AG) vor.

Als erstes werden die beiden Wagentypen von allen Seiten gezeigt; bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Schutzgitter der beiden Bedienungsbühnen unterschiedlich ausgeführt sind.

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Foto3: Uaoos-y DB AG

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Foto4: Uaoos-y unten

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Foto5: Uaoos-y oben

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Foto6: Uaoos-y vorne1

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Foto7: Uaoos-y vorne2

Nun folgt die zweite Bauart, den Taoos-y 894 der DB AG.

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Foto8: Taoos-y DB AG

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Foto9: Taoos-y oben

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Foto10: Taoos-y vorne1

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Foto11: Taoos-y vorne2

 

Der allererste Eindruck der Wagen war das Kippeln auf der Schiene. Der Grund war schnell gefunden: Der Zapfen der Drehgestell- Befestigung ist ein Ideechen zu klein und daher haben die Drehgestelle Spiel. Auf die Betriebssicherheit hat dies jedoch keinen Einfluss: Auf der Clubanlage fuhren die Wagen ohne Probleme über Weichen und Schienen diverser Hersteller.

Überaus kleinteilig ist der Wagen hergestellt; je Wagen braucht man über 40 Einzelteile bis der Wagen zusammengesetzt ist. Anders als in TT hat man in N keine Möglichkeit, die vier Ladeluken auf dem Dach zu öffnen. Beim roten Taoos-y ließ sich das Schwenkdach öffnen, sodass Ladeszenen nachgespielt werden können.

Beim Kauf sollte man darauf achten, dass kein Kleinteil lose in der Verpackung liegt, was bei einem Wagen des Testers der Fall war. Lobenswert ist der Beipackzettel, wo wichtige Vorbildinfos enthalten und ein paar Ersatzteile aufgeführt sind.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Bühnengeländer bei den beiden Wagentypen unterschiedlich ausgeführt sind.

Hauptmasse der Kaliwagen

 

Vorbild (in m)

M 1:160 Soll (in mm)

Kuehn Ist (in mm)

LüP

16,0

100

106

Wagenkastenlänge

14,76

92,3

92,4

Wagenkastenbreite

3,07

19,2

19,4

Achsstand

10,96

68,5

68,5

Achsstand. Drehgestell

1,8

11,25

11,2

 

Wie ersichtlich, hat Kuehn die Abmessungen im Wesentlichen getroffen, nur die LüP differiert um 3 mm. Hier konnte der Grund ermittelt werden: Die Puffer sind nicht richtig in das Fahrgestell eingesteckt, kann also mit Nacharbeit behoben werden.

Laufen tun die Wagen auf den Drehgestellen der Bauart Y25 cs, einer in Europa weit verbreiteten französischen Konstruktion, die heute bei den meisten Drehgestell-Güterwagen in Europa verbaut ist.

Lobenswert ist der von Werk aus geringe Kuppelanstand der Wagen, wie das Foto zeigt.

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Foto13: Kuppelabstand

Überaus fein geraten ist die Beschriftung, die erst auf Makrofotos lesbar sind. Die Nummern der sechs Wagen stimmen mit den Vorbildinformationen überein.

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Foto14: Beschriftung 1

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Foto15: Beschriftung 2

 

Einsatz auf der Anlage

Wenn jemand einen Kalischacht baut, kann man die Wagen je nach Verlademöglichkeit durchaus einzeln einsetzen; denke aber, dass die Mehrzahl der Modellbahner den Wagen in Ganzzügen einsetzen wird. So 15- 21 Wagen sollte dann der Zug schon haben, also 5 bis 7 Sets. Als Zuglok kann man in Epoche IV (DR) die Baureihen 130 oder 131 (Ludmilla) einsetzen, als Ellok kommt die Baureihe 250 in Frage. Die genannten Loks gibt/ gab es von Arnold. In Epoche V und VI kommen dann die Baureihen 230 oder 232 und als Ellok die Baureihen 155 und 189 in Frage. Alle Loks gibt es von diversen Herstellern.

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Foto16: Kaliwagen im Zugverband

 

Fazit

Einmal mehr hat ein Hersteller einen moderneren Wagen herausgebracht, der für spezielle Zwecke gebaut wurde. Mit knapp 500 gebauten Wagen war er sicher nicht sehr in Deutschland verbreitet, sondern hauptsächlich in der DDR und neuen Bundesländern im Einsatz. Den Wagen gab es in N noch nie und es bleibt zu hoffen, dass Kuehn damit sein N-Güterwagen Programm nicht beenden wird.

Welche Varianten des Wagens sind noch denkbar?  Einmal verschmutzte Wagen, wo das Salz oder Kali beim Beladen verschüttet worden ist und die Seitenwände verschmutzt sind.

 

Klaus Kosack

 

Lit.: St. Carstens et al., Güterwagen der DB AG; Fürstenfeldbruck 2014

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