02/2017 von

Die GB / SBB-CFF A 3/5 Serie 200 (900)

Das Vorbild

Die A 3/5 201-230 waren Nassdampf-Verbund-Schlepptenderlokomotiven der Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), die von 1894 bis 1905 von der SLM (Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik) geliefert wurden. Während die Prototyplokomotive 201 eine Dreizylinder-Verbundmaschine war, wurden der Prototyp Nr. 202 und die Serienlokomotiven als Vierzylinder-Verbundmaschinen konstruiert. Bei den SBB erhielten die Schnellzugslokomotiven die Nummern 901-930.

Zur Verkürzung der Fahrzeiten benötigte die Gotthardbahn eine starke Schnellzugslokomotive für den durchgehenden Durchlauf von Luzern nach Chiasso. Mit den neuen Maschinen sollten Vorspannleistungen und der Lokomotivwechsel in Erstfeld und Wasserfassen überflüssig werden.

Zur Erfüllung dieser Bedingungen war eine Schlepptenderlokomotive mit drei gekuppelten Achsen und einem großen Kessel mit hohem Dampfdruck nötig. Der Führung im Gleis sollte ein zweiachsiges vorderes Laufdrehgestell dienen.

Nach eingehenden Versuchen mit zwei Prototypen fiel die Entscheidung für die Vierzylindermaschine. Ihr Lauf war ausgeglichener, wodurch das Triebwerk weniger stark beansprucht wurde.

Im Jahre 1909 wurde die Gotthardbahn-Gesellschaft verstaatlicht und die A 3/5 kamen zu den Schweizerischen Bundesbahnen, wo sie die Nummern 901 bis 930 erhielten. Als 1920 auf der Gotthardstrecke der elektrische Betrieb aufgenommen wurde, hatten die SBB für die A 3/5 kein geeignetes Einsatzgebiet mehr, weil ihre Höchstgeschwindigkeit mit 90 km/h geringer war als die der anderen A 3/5 Schnellzuglokomotiven der SBB. In den Jahren 1923 bis 1927 wurden die Lokomotiven deshalb aus dem Betrieb genommen und verschrottet.

(Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/GB_A_3/5_201%E2%80%93230)

Jetzt lag uns ein Fulgurex-Modell dieses Loktyps zur Begutachtung vor (Art.-Nr. 1156, Preis bei DM-Toys 1199,99 €).

Die Optik

Schon die Schachtel mit dem goldfarbenen Rahmen und dem Fulgurex-Logo macht einen ziemlich edlen Eindruck.

Nach dem erwartungsvollen Abheben des Deckels macht sich dann aber erst einmal Ernüchterung breit: Statt eines Lokmodells erblickt man nämlich so etwas wie ein mit Butterbrotpapier eingewickeltes Päckchen. Hat man dieses vorsichtig der Schaumstoffeinlage entnommen und aufgewickelt, kommt endlich das „Objekt der Begierde“ zum Vorschein – etwas „optimistisch“ gehalten zwischen einem profilierten Schaumstoffklotz und einer mit eingefräßten Rillen versehenen Plexiglasplatte.

Aber jetzt: Ein wunderschönes, kleines Dampflokmodell steht vor uns, und man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll!

Vergleiche mit Vorbildfotos zeigen, dass bis auf den etwas vereinfacht dargestellten Rahmen des Vorlauf-Drehgestells (hier fehlt die Nachbildung der Bremsen) wirklich alles dran ist – und das in der richtigen Größe. Ob Laternen, freistehende Handläufe und Leitungen, feine Nietreihen, ob Schienenräumer oder die zierliche Steuerung – hier passt einfach alles. Wunderschön sind auch die seidenmatte Lackierung und die Beschriftung des komplett aus Messing gefertigten Modells ausgefallen. Die Stehkesselrückwand ist fein detailliert und einige Teile davon farbig hervorgehoben.

 

Aus der „Preiser-Perspektive etwas störend ist ein rotes Kabel zwischen Lok und Tender.  Die Tendertüren sind beweglich ausgeführt, dafür hat man vergessen (?)  den Tender mit Kohle zu befüllen...

Optik-Fazit: Mit diesem Modell erhält der N-Bahner ein echtes Schmuckstück.

Die Technik

Kann man so einem Modell, bei dem es sich „um eine sehr feine Präzisionsmaschine handelt, die in handwerklicher Uhrmacherkunst hergestellt wurde und demzufolge schonend behandelt werden sollte“ (Originalton Fulgurex), eigentlich den „harten Betriebseinsatz“ auf der Anlage zumuten? Um es vorweg zu nehmen: Man kann!

Die Lok fährt ruckfrei und weich an, kann schön schleichen und ist gut regelbar. Hier macht sich der Einsatz eines Glockenankermotors positiv bemerkbar. Da die Stromabnahme von insgesamt zwölf Rädern erfolgt, ist auch das Überfahren von Weichen mit Kunststoff-Herzstücken problemlos möglich. Großes Lob! Das angenehme Betriebsgeräusch bleibt in allen Geschwindigkeitsbereichen dezent zurückhaltend. Das mit der Fahrtrichtung wechselnde, gelbliche LED-Spitzenlicht (zwei Lampen am Tender, drei an der Lokfront) ist schon bei niedrigen Geschwindigkeiten gut sichtbar. Bei unserem Testmuster ist allerdings vorne die rechte untere Laterne dunkel geblieben. Endkontrolle?

Bis hinauf zur Höchstgeschwindigkeit liegt die Fulgurex A 3/5 absolut ruhig im Gleis, nur auf DKWs ist ein leichtes Zittern von Lok und Tender sichtbar. Ein Auslauf bei Stromunterbrechung ist praktisch nicht vorhanden – wie auch; selbst wenn man im Kessel noch eine Schwungmasse hätte unterbringen können, wäre sie auf Grund ihres (zu) kleinen Durchmessers wirkungslos geblieben. Die Treibachse des Modells wird direkt über ein Zahnrad angetrieben, die beiden Kuppelachsen werden über das Gestänge „mitgenommen“.

Zwei Haftreifen auf der hinteren Kuppelachse der 54 Gramm schweren Lok sorgen dafür, dass an die Normkupplungen auch sehr lange Züge angehängt werden können. Die Kupplung an der Lokfront steckt in einer Klipsaufnahme, kann also abgezogen werden. Eine Kurzkupplungskulisse ist nicht vorhanden.

 Der Schlepptender neigte ab und zu auf Arnold-Weichen (und nur auf diesen) zum Entgleisen – seltsamerweise nur gezogen und nicht geschoben. Am Radsatz-Innenmaß kann es nicht liegen, es beträgt bei allen drei Tenderachsen 7,43 mm, entspricht also der Vorgabe der NEM. Eine weitere Ursachenforschung hat sich der Tester verkniffen, weil er eventuelle Beschädigungen des wertvollen Modells vermeiden wollte. Aus diesem Grund wurde auch auf ein Öffnen der Lok verzichtet.

 Wartung und Pflege

 Auf einem Beiblatt wird erwähnt, dass die Lok „eine gewisse Einfahrzeit“ benötigt, und „am Anfang nicht mit vollem ´Speed´ gefahren werden“ sollte. Weiterhin ist zu lesen, dass die Haftreifenachse auf Wunsch gegen eine beiliegende haftreifenlose Achse ausgetauscht werden kann. Wir würden auf Grund des „sehr feinen und funktionsfähigen Gestänges“ aber davon abraten, zumal damit keine weitere Verbesserung der Stromabnahme erfolgen würde, da hierfür keine Kontakte vorgesehen sind. Hinzu kommt, dass wir das „ebenfalls beil. Werkzeug“ dazu nicht finden konnten – dafür aber ein Tütchen mit einigen winzigen Schräubchen.

Weitere Angaben werden nicht gemacht. Ob, wann, wo und wie das Modell geschmiert werden sollte, bleibt also unklar. Die Demontage des Lokkessels und des Tendergehäuses durch Lösen einiger von unten zugänglichen Schrauben wird durch ein zweites Beiblatt mit aussagekräftigen Zeichnungen erklärt. Das Modell blieb trotzdem ungeöffnet (siehe oben!).

Das Zurücklegen der Lok in die Verpackung ist nicht ganz unproblematisch. Aufsetzen auf das Plexiglas-Gleis, Sichern mit dem Kunststoff-Keil, Einwickeln in die Kunststofffolie und das „Butterbrotpapier“ ist eine von ständiger Angst wegen einer eventuellen Beschädigung der Lok begleitete Geduldsprobe. Liegt das kostbare Stück endlich wieder in der Schachtel, sollte man deren Deckel mit etwas Klebeband sichern, damit man beim nächsten Herausnehmen aus Schrank oder Regal plötzlich nicht nur noch diesen in der Hand hält und der „Rest“ samt Lokomotive herunterfällt.

Das Fazit

Mit der A 3/5 von Fulgurex erhält der N-Bahner ein optisches Kleinod. Auch fahrtechnisch kann die Lokomotive überzeugen, sieht man einmal vom gelegentlichen Entgleisen des Tenders bei unserem Testmuster ab. Ob sie einem den hohen Preis Wert ist, und ob man ihr den „harten“ Anlageneinsatz zumuten sollte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Zu leicht könnte bei einem Unfall etwas zu Bruch gehen.

Vom Hersteller würden wir uns eine etwas unproblematischere Verpackung und eine aussagekräftigere Betriebsanleitung wünschen.

 

Fulgurex bei DM-Toys

 

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