11/2018 von

Die E 17 von Hobbytrain

Das Vorbild

Für den mittelschweren Schnellzugdienst bestellte im Jahre 1927 die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft 38 Elektrolokomotiven der Baureihe E 17 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Die Fahrzeuge wurden 1928 und 1929 ausgeliefert. Stationiert waren die Loks bei den Reichsbahndirektionen Halle, Breslau, München und Regensburg. 1934 setzte die DRG die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 110 auf 120 km/h herauf.

Nach dem Krieg waren noch 26 der 3800 PS starken Lokomotiven bei der Deutschen Bundesbahn und zwei bei der Deutschen Reichsbahn im Einsatz. Die DB versah ihre Loks zwecks besserer Trafokühlung mit einer zweiten Reihe Luftansaugöffnungen in den Seitenwänden. Fünf der DB-E17 wurden ab 1961 einer Modernisierung unterzogen. Äußere Merkmale waren zwei in Gummi gefasste Front- und ebensolche Seitenfenster, sowie Neubau-Stromabnehmer. Die ab 1956 in großer Stückzahl ausgelieferten E 10.1 verhinderten jedoch den Umbau weiterer E17.

Von ihrem Auslauf-Bw Augsburg aus, wurden die Lokomotiven auf den Strecken nach München, Nürnberg und Stuttgart eingesetzt. Die letzte DB-117 (117 106) wurde 1980 ausgemustert, die beiden DR-Loks schon 1968.

Bereits 1979 stellte Arnold ein Modell der 117 als Neuheit vor, das für die damalige Zeit schön detailliert war, und auch heute noch fahrtechnisch mithalten kann, wenn man von der stark überhöhten Höchstgeschwindigkeit absieht.

 

Es wurden bis 1997, dem Jahr als die Lok zum letzten Mal im Katalog zu sehen war, keine Varianten hergestellt.

Ganz anders Hobbytrain, wo die E 17 jetzt gleich in drei Varianten lieferbar ist: als E 17 113 DRG, Epoche II in grau, als E 17 124 DR, Epoche III in grün und als E 17 118 DB, Epoche III in grün. Die Unterschiede im Detail, z.B. zusätzliche Lüftergitter, Indusi-Magnet und unterschiedliche Lampen wurden dabei berücksichtigt. Die Loks sind jeweils in Analog-, oder Digitalversion mit Sound erhältlich. Ein Analog-Modell in DR-Ausführung stand uns jetzt zum Test zur Verfügung.

 

Die Optik

Da gibt es viel zu bewundern: feine, freistehend ausgeführte Griffstangen auf den Vorbauten, Handläufe an den Türen und Aufstiegsleitern. Der Lokkasten ist mit zahlreichen, winzigen Nietreihen versehen, die Türgriffe sind sauber silbern lackiert und die beim Vorbild zu öffnenden Fenster mit einem messingfarbenen Rahmen versehen. Bei genauem Hinsehen erkennt man an den Führerstandsfenstern feine, angravierte Scheibenwischer.

Auch die Dachausrüstung ist ein optischer Genuss. Sehr filigrane, elektrisch funktionslose Dachstromabnehmer, deren Schleifleiste der N-Bahner noch mattschwarz färben sollte, und dünne, rot lackierte Leitungen auf zierlichen Isolatoren können ebenso gefallen wie die Kühlschlange und die (etwas zu hellen?) Dachlaufbretter, an deren äußeren Enden man kleine Messing-Lokpfeifen erkennen kann.

 

Ein echter Hingucker ist auch das Fahrwerk geworden. Achslager, Federpakete, Sandkästen, Sandfallrohre, Bremsen und der Bügel des Krauss-Helmholtz-Gestelles – alles vorhanden, und zwar maßstäblich und sehr plastisch ausgeführt. Die serienmäßig angebrachten Pufferteller sind zu klein, was man auch bei Hobbytrain weiß. Zitat: „Dem Modell liegen vorbildgerechte größere Puffer bei, die jedoch noch in größeren Radien verwendet werden sollten da es in engen Kurven sonst zu einem blockieren der Kupplung kommen kann.“

Die Beschriftung ist fein und mit der Lupe lesbar, bei den seitlichen Loknummernschildern fehlt auch die Nachbildung der Befestigungsschrauben nicht.

 

Lackierung, Detaillierung und Beschriftung – alles bestens!

Die Technik

Fertig machen zur ersten Fahrt! Natürlich müssen da zunächst die Dachstromabnehmer hoch, was angesichts ihrer zierlichen Ausführung mit viel Gefühl erfolgen muss, um sie nicht zu beschädigen. Leider sind auch sie wieder einmal „ab Werk“ nicht in der Höhe begrenzbar.

 

Aber jetzt: Die Lok fährt schon bei geringer Spannung ruckfrei an, und schleicht dann in „Fußgängergeschwindigkeit“ über die Gleise, sogar über Weichen mit Kunststoff-Herzstück. Um Doppelkreuzungsweichen ohne Stocken überfahren zu können, benötigt sie aber eine etwas höhere Geschwindigkeit. Das obere Spitzenlicht ist frühzeitig sichtbar, die unteren Lampen bleiben allerdings bei allen Geschwindigkeiten deutlich dunkler. Das rote Schlusslicht kann mittels eines Schiebeschalters auf der Platine (mit Next18-Schnittstelle) abgeschaltet werden. Das ist aber eigentlich gar nicht nötig, da es so schwach strahlt, dass es nur sehr schwer zu erkennen ist.

 

Das Modell liegt bis zur Höchstgeschwindigkeit völlig ruhig im Gleis, auf DKWs zittert es allerdings deutlich. Das Fahrgeräusch wird bei höheren Geschwindigkeiten etwas aufdringlich. Dafür gibt es trotz einer relativ kleinen Schwungmasse einen deutlich sichtbaren Auslauf beim Ausbleiben des Fahrstromes.

 

Die Kupplungen sind an einer Kurzkupplungskulisse angelenkt, stehen schön gerade und kuppeln und entkuppeln auf Entkupplungsgleisen sehr sicher.

 

Ein Kapitel für sich ist der Antrieb. Die Hobbytrain-E 17 muss mit zwei angetriebenen Achsen – eine davon mit Haftreifen versehen - auskommen. Warum eigentlich? Selbst der Hersteller räumt in der Betriebsanleitung indirekt ein, dass das nicht optimal ist. Zitat: „Da konstruktive nur 2 Radsätze angetrieben sind empfehlen wir das Modell bei Verwendung von langen Zügen und größeren Steigungen immer mit den angetriebenen Radsätzen nach hinten aufzugleisen und zu verwenden.“ Und was macht der N-Bahner, der einen Kopfbahnhof sein eigen nennt? Soll er die Lok für die Ausfahrt vorbereiten, indem er sie – so er denn hat – auf die Drehscheibe fährt, oder „noch schlimmer“ von Hand umdreht? Zur Ehrenrettung von Hobbytrain sei allerdings gesagt, dass die 69 Gramm „schwere“ Lok auch mit den angetriebenen Achsen vorne noch sieben maßstäblich lange D-Zug-Wagen sicher über eine Steigung bringt. Aber trotzdem: Dieses Antriebskonzept ist kein Ruhmesblatt!

 

 

Wartung und Pflege

Der Lok liegen eine Bedienungsanleitung, ein bebildertes Ersatzteilblatt und ein Bestellformular für Ersatzteile bei. Die Bedienungsanleitung beginnt mit einem „herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen HOBBYTRAIN Modell.“ Diesem Glückwunsch können wir uns an dieser Stelle nur anschließen! Dann wird eine Einfahrzeit von ca. einer halben Stunde empfohlen. Je nach Laufleistung soll der N-Bahner die Schmierung „der Getriebe“ überprüfen und evtl. erneuern. Das Gehäuse muss laut Hobbytrain dazu nicht abgenommen werden. Wie soll das funktionieren, wenn, wie bei dieser E 17, die Achszahnräder nach unten abgedeckt sind?

 

Zum Motor und zum evtl. notwendigen Haftreifenwechsel macht die Anleitung keine Angaben. Dagegen werden die Digitalisierung (Next18-Schnittstelle) und der Einbau eines Lautsprechers recht ausführlich beschrieben.

Wenn die Lok dann einmal doch geöffnet werden soll, müssen zunächst die unteren Lampen „entfernt“ werden. Wie? Nach oben, nach vorne, zur Seite? Danach soll das Gehäuse gespreizt und nach oben abgezogen werden. Beim ersten Versuch, eine Lampe zu entfernen, hat sich einer der Pufferteller aus seiner Hülse gelöst – und ich habe den Versuch, die Lok zu öffnen abgebrochen.

 

Das Wiederanbringen von Pufferteller und Lampe ist eine nervenaufreibende Angelegenheit. Die Finger sind zu dick, und beim Einsatz einer Pinzette muss man jederzeit damit rechnen, dass die Kleinteile in hohem Bogen das Weite suchen. Muss eine Lok wirklich derart wartungsunfreundlich konstruiert werden, nur um jeweils zur Epoche passende Lampen anbringen zu können, deren Unterschiede nur gerade noch mit der Lupe zu erkennen sind? Zum Glück gibt es die Lampen und die Puffer wenigstens als Ersatzteile. Laut Bedienungsanleitung liegen jedem Modell Lampen als Ersatz bei. Ich konnte keine finden...

 

Das Fazit

Mit der E 17 bietet Hobbytrain ein optisch hervorragendes Lokmodell an. Auch die Fahreigenschaften können überzeugen, wenn man davon absieht, dass nur zwei Achsen angetrieben sind, was zu Zugkrafteinbußen führen kann. Schwierig ist das der überaus detaillierten Gestaltung geschuldete komplizierte Abnehmen des Gehäuses. Helfen könnte da eine etwas ausführlichere Anleitung. Eine UVP von 189,90 Euro erscheint gerade noch angemessen.

 

Hier finden Sie die Hobbytrain E 17 im Shop von DM-Toys

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