03/2016 von

Die BR 245 der DB von Arnold und Fleischmann

Das Vorbild

Die Baureihe 245 der DB ist ein „Kind“ der vom kanadischen Bombardier-Konzern hergestellten Typenfamilie „TRAXX“ (Transnational Railway Applications with eXtreme fleXibility) für den mittelschweren Personen- und Güterzugverkehr. Bei den im ehemaligen Henschelwerk in Kassel endmontierten Loks handelt es sich um dieselelektrische Fahrzeuge, die anstelle eines großen, mit vier kleinen Caterpillar-Dieselmotoren mit einer Leistung von je 765 PS ausgerüstet sind. Diese sind zwecks Treibstoffersparnis (die Rede ist von bis zu 300 000 Litern pro Jahr) einzeln zu- und abschaltbar, und treiben vier elektrische Tatzlagermotoren an.

Im Jahr 2011 bestellte die Deutsche Bahn 200 Lokomotiven dieses 160 km/h schnellen Typs, die ab 2012 ausgeliefert wurden. Sie waren hauptsächlich für den Einsatz vor Doppelstockzügen auf nicht elektrifizierten Strecken vorgesehen. Langfristig sollen sie die seit 1968 gebaute Baureihe 218 komplett ablösen. Wo diese Loks vor schweren Zügen in Doppeltraktion fahren mussten, z.B. auf der Strecke München – Lindau, wird in Zukunft eine einzige 245 ausreichen, und mit sehr guten Beschleunigungswerten glänzen.

Ein Modell der 245 ist jetzt von Arnold und auch von Fleischmann erhältlich.


Fl links, Ar rechts


Fl hinten, Ar vorne


Die Optik

Der Vergleich mit Vorbildfotos fällt für beide sehr positiv aus. Das Gesamterscheinungsbild stimmt, die Vorbildmaße sind sehr genau in den N-Maßstab umgesetzt. Auch Lackierung, Detaillierung und Beschriftung können überzeugen. Der rote Farbton ist sehr gut getroffen, die zahlreichen Klappen und Gitter am Lokkasten und auf dem Dach exakt nachgebildet. Die Gitter kommen bei der Arnold-Lok besser zur Geltung, weil sie dunkel ausgelegt sind. Bei den Scheibenwischern, die ebenso wie die Rangiergriffe angespritzt sind (bei Fleischmann sind die großen Griffe an der Front Steckteile) ist die Parallelführung nachgebildet. Die Handläufe und Türklinken sind ebenso wie die Kanten der Aufstiegsleitern sehr sauber silbern bedruckt, beim Fleischmann-Modell noch etwas feiner. Die Beschriftung ist bei beiden wieder einmal randscharf und mit der Lupe bis ins Kleinste lesbar gelungen.



Fl links, Ar rechts


Beide Modelle haben die 245 008 zum Vorbild und trotzdem zeigen sich Unterschiede: Beim Arnold-Modell ist der „DB-Keks“ an den Fronten kleiner, an den Seitenwänden dafür größer als beim Fleischmann-Modell, bei dem der seitliche „Keks“ etwas zu hoch angebracht erscheint. Die auf dem Dach freistehend montierten Typhone sind bei beiden Modellen sehr klein, bei Arnold deutlich zu klein geraten. Dafür können die sauber gravierten Drehgestellblenden, bei Fleischmann noch eine Idee plastischer, und die Nachbildungen der gelochten Bremsscheiben an den Rädern wieder sehr gefallen.



Arnold


Fleischmann


Die schwarzen Verunreinigungen auf den hellgrauen Puffern der Arnold-Lok sollen vermutlich Fettspuren darstellen. Ob das sinnvoll ist, soll dahingestellt bleiben. Der N-Bahner, dem das nicht gefällt, kann es ja ganz einfach mit vier Pinselstrichen ändern. Bei Fleischmann hat man auf diesen Gag verzichtet, dort sind die Pufferteller komplett schwarz.

In einem Zurüstbeutel liegen bei Arnold „für Vitrinen-Einsatz (Haken und Schläuche für Pufferbohle, andere Schneeräumer)“ bei, bei Fleischmann neben äußerst zierlichen Bremsschläuchen und Original-Kupplungshaken zwei Norm-Kupplungsköpfe zum Tausch gegen die werkseitig montierten Profi-Kupplungen.

 

Die Technik

Die Arnold-Lok fährt ruckfrei und weich an, und ist über den gesamten Geschwindigkeitsbereich sehr gut regelbar. Ganz anders das Fleischmann-Exemplar: Bei einer Spannung von 1 Volt gehen das Dreilichtspitzensignal und die Schlussbeleuchtung an, bei ca. 5 Volt „springt der Dieselmotor an. Bei ca. 8 Volt erhöht er seine Drehzahl, und die Lok setzt sich, begleitet von einem nervtötenden Kreischen weich in Bewegung. Dreht man den Regler dann weiter auf, ist sie nur schlecht regelbar.



Schleichfahrten über Weichen mit Kunststoffherzstücken und über Kreuzungsweichen gelingen beiden Loks ohne Aussetzer, obwohl die Stromaufnahme bei Arnold nicht optimal gelöst ist. Die beiden Haftreifen sitzen nämlich zwar diagonal versetzt, aber auf den äußeren Achsen, was die Stromabnahmebasis unnötig verkürzt. Fleischmann macht es richtig: Die zwei Haftreifen sitzen diagonal versetzt auf den inneren Achsen.

Die Arnold 245 liegt ebenso wie die Fleischmann-Lok bis zu ihrer Höchstgeschwindigkeit völlig ruhig im Gleis und zeigt dabei ein sehr angenehmes, zurückhaltendes Fahrgeräusch. Beide sie zittern, wie viele andere neuere Konstruktionen vieler Hersteller auf Kreuzungsweichen deutlich sichtbar. Das könnte daran liegen, dass die Spurkranzhöhe nach und nach deutlich reduziert wurde. Auch bei diesen Modellen verdienen die Schwungmassen (Fleischmann eine, Arnold deren zwei) ihren Namen eigentlich nicht; sie sind schlichtweg im Durchmesser zu klein, um eine spürbare Wirkung zu entfalten. Die Zugkraft der 76 Gramm (Arnold), bzw. 79 Gramm (Fleischmann) schweren Modelle ist mehr als ausreichend, so dass an die mit einer Kurzkupplungskulisse versehenen Kupplungen auch lange Züge angehängt werden können.

Das mit der Fahrtrichtung wechselnde Spitzenlicht ist schon bei niedrigen Geschwindigkeiten sehr gut sichtbar. Leider ist das rote Schlusslicht im Analogbetrieb nur bei Fleischmann abschaltbar. Die Beleuchtung des Zugzielanzeigers beschränkt sich beim Arnold-Modell auf einen einzigen Leuchtpunkt, der eher wie ein zweites, oberes Spitzenlicht wirkt. Bei Fleischmann der Zugzielanzeiger dunkel.



Skizze Arnold


Tabelle Arnold


Skizze Fleischmann


Tabelle Fleischmann

 

Wartung und Pflege

Zur Wartung wird in der aus zwei einzelnen Blättern bestehenden Anleitung von Arnold u.a. gesagt: „Die Lokomotive ist mit einem langlebigen, 5-poligen Motor ausgestattet, der keine Wartung benötigt.“ Und weiter: „... ist die Lokomotive etwa alle 6 Monate oder nach jeweils 100 Stunden Laufbetrieb erneut zu schmieren.“ Wo und womit? Keine Angaben! Auch nicht zum Anbringen der Zurüstteile für die Pufferbohle und zum Wechseln der Haftreifen.

Die Fleischmann-Anleitung ist etwas auskunftsfreudiger. Der N-Bahner erfährt, dass die Lok mittels „Spreiztechnik“ zu öffnen ist, was dann auch tatsächlich nach einem üblen „Gezerre“ funktioniert.



Weiter, dass „die Schleifkohlen des Motors (der Uralt-Dreipoler) „ca. alle 50 Betriebsstunden auf ihren Zustand überprüft und gegebenenfalls ausgewechselt werden“ sollen. Weiter wird empfohlen, „die Schmierstellen (welche?) der Lok je nach Betriebsdauer und –bedingungen zu überprüfen (wie?) und ggfs. Zu ölen. Was die Anleitung verschweigt: Um an den Motor heranzukommen, muss die Fleischmann-Lok fast völlig zerlegt werden. Ob „Otto-Normal-N-Bahner damit nicht überfordert ist? Zum Haftreifenwechsel wird nichts ausgesagt.

Zum Öffnen des Gehäuses heißt es bei Arnold: „...spreizen Sie es bitte vorsichtig nach außen. So kann es vom Chassis abgehoben werden. Benutzen sie keine Werkzeuge, die Gehäuse oder Chassis beschädigen könnten.“ Bleiben als „Werkzeug“ eigentlich nur die Fingernägel, und die sind bald ruiniert, und das Gehäuse ist immer noch nicht ab. Deshalb gibt es auch kein Foto von den „Innereien“ der Arnold-Lok.

Ist es denn wirklich sooo schwer, ein Lokmodell zu konstruieren, dass einfach zu öffnen ist, und dazu dann noch eine vernünftige Anleitung zu erstellen? Diese Frage geht übrigens nicht nur an Arnold und Fleischmann, sondern an alle Hersteller.

Ein der Arnold-Anleitung noch extra beigelegtes Blatt klärt darüber auf, dass entgegen den Angaben im Ersatzteilblatt eine „Next-18“-Digitalschnittstelle verbaut ist.



Das Fazit

Arnold bietet mit der 245 ein optisch sehr schönes und betriebssicheres Lokmodell an. Etwas getrübt wird der positive Eindruck durch die eigenartige Beleuchtung des Zugzielanzeigers, die nicht abschaltbare Schlussbeleuchtung, die zu kleinen Schwungmassen und das Problem mit dem Öffnen der Lok. Zugegeben – das sind alles nur Kleinigkeiten, die aber nicht sein müssten. Trotzdem erscheint eine UVP von 179,90 Euro als durchaus angemessen.

Auch Fleischmann offeriert ein optisch sehr gelungenes Modell der 245. Zu den analogen Fahreigenschaften des eigentlich für den Digitalbetrieb gedachten Fahrzeuges ist festzustellen, dass diese sehr mäßig sind, und die Lok mit einer UVP von 239 Euro dabei mit einem schrillen Geräusch stört. Der Ehrlichkeit halber muss aber auch gesagt werden, dass Fleischmann zu einer UVP von 159 Euro, und damit rund 20 Euro billiger als Arnold, ein reines Analog-Modell anbietet, von dem man gute bis sehr gute Fahreigenschaften erwarten darf. 

Zurück