11/2017 von

Die Baureihe 82 von Piko

Das Vorbild

Bereits 1939 gab es bei der DRG Überlegungen, die betagten und bei höheren Geschwindigkeiten schlecht laufenden Loks der Baureihe T 16, der späteren BR 94, durch eine entsprechende Neukonstruktion zu ersetzen. Der Krieg machte diese Pläne dann jedoch zunichte.

Im Jahr 1949 wurde der Gedanke von der jungen DB wieder aufgegriffen. Es sollte eine für den Rangier- und Streckendienst gleichermaßen geeignete Lokomotive geschaffen werden, was bis dahin unter Lokkonstrukteuren eigentlich als die Quadratur des Kreises galt. Doch jetzt glaubte man, dieses Problem durch einen Kessel modernster Bauart und eine besondere Laufwerkskonstruktion ohne Laufachsen lösen zu können. Dies schien auch im Wesentlichen gelungen zu sein, jedoch um den Preis eines gegenüber der BR 94 bis zu 30 Prozent höheren Verbrauchs und einer recht hohen Schadanfälligkeit des komplizierten Laufwerks.

Eingesetzt wurden die 41 von Krupp, Henschel und Esslingen zwischen 1950 und 1955 gelieferten, 70 km/h schnellen Lokomotiven hauptsächlich auf den großen Rangierbahnhöfen im Norden des Landes, auf den Steilrampen des Westerwaldes und im Schwarzwald.

Bereits 1966 wurden die ersten beiden Loks ausgemustert, 1972 die letzte. Die letzte BR 94, die durch die 82er eigentlich ersetzt werden sollten, wurde erst 1994 endgültig abgestellt...

Das Modell

Piko hat jetzt mit einer Lok der BR 82 (Art.-Nr. 40100) in Epoche III-Ausführung einen schon sehr lange gehegten Wunsch vieler N-Bahner erfüllt.

Die Optik

Das Gesamterscheinungsbild einer BR 82 ist im Modell hervorragend getroffen. Unverständlich ist allerdings, warum die Pufferhülsen nicht rot lackiert sind. Hier kann der N-Bahner mit etwas Farbe zur weiteren optischen Aufwertung beitragen.

Die übrige Detaillierung ist einfach fantastisch.

Die vielen freistehend ausgeführten Teile am und unter dem Kessel, die Kolbenstangenschutzrohre, das filigrane Fahrwerk und die saubere, unter der Lupe lesbare Bedruckung sind echte Hingucker. Auch die Farbgebung des Fahrwerks in einem nicht zu grellen Rotton kann überzeugen.

Die Technik

Gilt das auch für die Fahreigenschaften? Nach der von Piko empfohlenen Einfahrzeit von ca. 25 Minuten pro Fahrtrichtung fährt die Lok bei 2 Volt weich an, die dabei anliegende Vorbildgeschwindigkeit von etwa 13 km/h kann dann noch etwas zurückgenommen werden.

Bis zur Höchstgeschwindigkeit ist die Lok gut regelbar.

Sie liegt dabei, auch auf DKWs und in komplizierten Weichenstraßen völlig ruhig im Gleis, und zeigt ein angenehmes Betriebsgeräusch. Erfreulich ist auch die absolut sichere Stromabnahme in allen Geschwindigkeitsbereichen. In Internetforen wird davon berichtet, dass bei evtl. schlechter Stromabnahme ein ganz leichtes Lösen der Getriebeabdeckschrauben sofort für Abhilfe sorgt. Beim Ausbleiben des Fahrstroms bleibt das Modell ziemlich abrupt stehen, weil die im Durchmesser zu klein ausgefallene Schwungmasse praktisch keine Wirkung entfalten kann.

Auf der zweiten und vierten Achse ist seitlich versetzt jeweils ein Haftreifen aufgezogen. Das sorgt zusammen mit einem Lokgewicht von 60 Gramm für eine sehr gute Zugkraft in beiden Richtungen. Die in einer Kurzkupplungskulisse mit Klipsaufnahme angebrachten N-Normkupplungen funktionieren beim An- und Entkuppeln einwandfrei.

Das mit der Fahrtrichtung wechselnde Spitzenlicht (LEDs) ist an der Rückseite frühzeitig sichtbar, allerdings für eine Epoche-III-Lok etwas zu grell. In den vorderen unteren Laternen ist das Licht dagegen nur recht schwach zu sehen.

Wartung und Pflege

Die Bedienungsanleitung gibt in Bild und (extrem knappem) Text Hinweise zum Öffnen der Lok für den Decodereinbau (Next18-Schnittstelle). Dazu soll der N-Bahner zunächst eine „Leitung aushaken“. Welche, und wie? Hier wäre schon eine ausführlichere Beschreibung wünschenswert, damit bei einem „Fehlversuch“ nichts beschädigt wird.

Zum Glück gibt´s bei Piko eine „technische Hotline“ – dienstags und donnerstags jeweils von 16 bis 18 Uhr. Dort war man sehr freundlich und bemüht, aber auch nicht gleich so ganz sicher, welche Leitung denn nun gemeint ist. Des Rätsels Lösung: Zwischen Zylinderbock und Umlauf verläuft eine Leitung, die mit einem feinen Schraubendreher zur Seite gedrückt werden kann. (Die vom Wasserkasten zur Rauchkammer führende Leitung muss nicht gelöst werden.) Dann kann das Gehäuse abgehoben werden.

Im Ernst: Da sollten sich die Piko-Konstrukteure in Zukunft (vielleicht für eine BR 66?) etwas servicefreundlichere Lösungen einfallen lassen, und die Anleitungen sollten deutlich genauer und damit hilfreicher sein. Lobenswert ausführlich ist dagegen die bebilderte Ersatzteilliste ausgefallen.

Geölt werden sollen nur die Achslager (wir raten davon ab – Öl auf den Achslagern ist ein hervorragender „Flusenfänger“). Über eine Schmierung von Motor und Getriebezahnrädern wird nichts ausgesagt. Somit ist Gott sei Dank ein Öffnen des Modells eigentlich nur zum Einbau eines Decoders erforderlich.

Fazit

Toll, dass Piko ein absolutes Wunschmodell auf den N-Markt gebracht hat. Noch toller, wie Optik und Fahreigenschaften des kleinen Schmuckstücks ausgefallen sind. Da kann man über die selbstbewusste UVP von 230 Euro schon mal hinwegsehen, nicht aber über die wenig hilfreiche Bedienungsanleitung...

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