03/2021 von Klaus Kosack

Der Rmms 665 von Fleischmann

Fleischmann Neuheit- Foto: Werksbild Fleischmann

Vorbild

Mitte der 60er Jahre war es unumgänglich geworden, für die älteren Drehgestell-Flachwagen, die größtenteils noch aus der Vorkriegszeit stammten, Ersatz zu schaffen. So wurde ab 1968 in mehreren Serien die neue Bauart Rmms 663 in 935 Exemplaren beschafft.

Fast baugleich, aber mit anderer Bremse ausgestattet, war die Bauart Rmms 664, die mit 1760 Exemplaren beschafft wurde. Außerdem wurden ab 1976 insgesamt 660 Wagen mit einer Bordwand beschafft, die die Bauartnummer Rmms 665 erhielten. So wurden bis 1978 insgesamt 3.335 der kurzen Drehgestell-Flachwagen beschafft.

Alle Wagen hatten einheitliche Abmessungen: LüP 14,04 m, Ladelänge 12,64 m, Tragfähigkeit 58 t. Anfangs wurden noch Drehgestelle der Bauart Minden-Siegen 661, bei späteren Lieferungen wurde die Bauart Y-25 Cs verbaut. Da die Mindener Drehgestelle im Betrieb Risse aufwiesen, wurden bei älteren Wagen die Drehgestelle mit der Bauart Y-25 Cs ausgetauscht. Zugleich entsprach der Wagen der UIC-Standard-Bauart 2. So kamen die Wagen auch im Ausland zum Einsatz. Die Wagen sind heute noch im Einsatz. Diese kurzen Flachwagen waren für 100 km/h zugelassen.

Vorbildskizze Rmms 665, Quelle: DV 939 F/2, April 1977

Modell

Es ist nicht der erste Flachwagen dieser Bauart, der das Licht der N-Welt erblickte. 2011 kam Hobbytrain mit der verwandten Bauart, dem Flachwagen Rmms 663 heraus. Mit dieser Vorbildauswahl hat sich die Firma breites Feld gesichert: Ein Grundmodell, verschiedene Drehgestelle, mit und ohne Bordwände und- da UIC- Bauart, auch mit ausländischem Dekor. In kürzester Zeit hatte Hobbytrain 49 Varianten des Wagens angeboten.

Das dürfte auch Fleischmann weidlich nutzen: Bislang sind von der Flachwagenfamilie schon 6 Varianten herausgegeben bzw. angekündigt worden. 2020 kam Fleischmann mit dem Wagen heraus.

Zunächst mal einen Blick auf die Vorgänger:

Hobbytrain Rmms 663 – Minden Siegen Drehgestelle
Hobbytrain Rmms 663- Y-25 Cs Drehgestelle

Die Hauptmaße des Wagens 826701 hat Fleischmann sehr gut eingehalten: Der Wagen ist 87,75 mm lang; seine Ladelänge beträgt 79,0 mm; der Drehzapfenabstand ist 56,25 mm und der Radstand der Minden-Drehgestelle 11,25 mm. Auch die gewählte Fahrzeug-Nummer 394 8 321-5 entstammt dem Nummernkreis des Rmms 665.

Rmms 665 von Fleischmann

Hier kann man sehen, dass die Bordwände des Wagens alufarben gehalten sind; im Betrieb aber schon nach kurzer Zeit rostig aussahen. Wem die Bordwände stören, der mag zum Pinsel greifen.

Mit den gleichen Abmessungen des Wagens kann Hobbytrain aufwarten, nur mit dem Unterschied, dass er auch die Y-25 Cs Drehgestelle hat und die Wagennummer 396 0 886-0 aufweist. Zudem hat er das kleine rote DB-Logo. (Bild 4)

Hobbytrain Rmms 663 von oben
Fleischmann Rmms 665 von oben

Hier sieht man deutliche Unterschiede zwischen den beiden Wagen: Bei Hobbytrain sind die Ladebohlen nur angedeutet und zu schmal, während der Wagenboden von Fleischmann einen vorbildgerechteren Eindruck macht. Bei Hobbytrain sollte man mit dem Pinsel nachhelfen.

Vorbildgerecht weisen die Wagen auf jeder Seite sechs asymmetrische Rungen auf. Es ist eine wahre Strafarbeit, diese 12 Rungen zu montieren. Gott sei Dank, dass hier Fleischmann dem Wagen 3 Spritzlinge mit 21 Rungen beigepackt hat. Für meinen Geschmack wirkt der Ladeboden gut gelungen, denn auch die 6 Eisenquerschwellen sind gegenüber den Holzbohlen am Boden farblich hervorgehoben. Das ist um Klassen besser als bei Hobbytrain. Die beim Vorbild verbauten Hochleistungspuffer sind angedeutet. Die Zurranker über den Drehgestellen sind nur bei beiden Firmen farblich hervorgehoben. Es lohnt sich wirklich, den Wagen mit der Lupe zu betrachten, immer mehr Details kommen zu Tage. Ein Wermutstropfen ist vom Fleischmann- Wagen zu berichten: Er läuft nicht besonders leicht auf den Schienen. Grund war nicht, dass die Radsätze sauber in den Drehgestellen verbaut waren, sondern die Nickeloberfläche der Räder. Mit der Lupe sind deutlich Unebenheiten zu sehen, das den Lauf erschwert. Da sollte bei der Werkskontrolle nachgebessert werden.

Von unten gesehen, hat Fleischmann den Wagen etwas vereinfacht, was aber m.E. vertretbar ist, da der Wagen aller meistens auf den Schienen steht.

Fleischmann Rmms 665 von unten
Drehgestell Minden-Siegen
Drehgestell Y 25 Cs

Hier noch ein Blick auf die verbauten Drehgestelle der Wagenfamilie: Die älteren Drehgestelle gehören zur Bauart Minden-Siegen, die neueren zur französischen Bauart Y 25 Cs, womit heute noch alle vorhandenen Wagen ausgestattet sind.

Einsatz auf der Modelbahn

Da es sich um einen Regelgüterwagen handelt, kann er für alle möglichen nässeunempfindlichen Ladegütern beladen werden, von Containern oder Kisten bis zu Röhren und Metallplatten. Ein Tipp zu den Containern: Bei DM Toys gibt es unlackierte 40‘ Container, die bestens auf dem Wagen passen.

Hier der Link zu den Containern:

https://www.dm-toys.de/de/produktdetails/MU_N-C00000.html

Hier können Bastler ihre Container nach eigenem Gusto bemalen, beschriften und verladen.

So kann der Wagen auch auf der Anlage in allen möglichen Zügen eingesetzt werden, von Durchgangsgüterzug bis zur Übergabe. Halt ein typischer Vertreter der späten 70er Jahre.

  

Mein Fazit: Damit hat Fleischmann als einer der wenigen Hersteller einen jüngeren Regelgüterwagen der Epochen IV bis VI von der DB als Formneuheit 2020 herausgebracht. Überdies eignet sich der Wagen für alle möglichen Beladungsvarianten. Hier hat Hobbytrain vorgemacht, wie es geht. Nur bei den Rädern sollte Fleischmann mehr kontrollieren, denn ein ganzer Zug mit den Wagen macht vielen Loks doch zu schaffen.

 

Klaus Kosack

 

Lit.: S. Carstens, Die Güterwagen der DB AG – Stand 1998, Nürnberg 1998

DB (Hrsg.) DV 939 F/2, Merkbuch Güterwagen, Ausg. April 1977, Minden 1977

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