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Der neue ozeanblau / beige Am 203 von Fleischmann

Neuer ozeanblau/ beiger Am 203 (Abteilseite) von Fleischmann

Anfang der 50er Jahre gelang der jungen DB der große Wurf: Mit der Einführung des blauen F-Netzes wurden schnelle und bequeme Züge für Geschäftsreisende angeboten, die die Oberzentren der BRD verbunden. Durch Deutschlands Teilung hatten sich die Verkehrsströme geändert. Die Vier-Zonenstadt Berlin war nicht mehr der Verkehrsmittelpunkt Deutschlands, sondern der Nord-Süd-Verkehr hatte mehr Bedeutung. Diese F-Züge fuhren meistens in Tagesrandlage und so konnten Geschäftsreisende ihre Termine an einem Tag wahrnehmen.

Am Anfang an waren die Reisezugwagen werbewirksam in Blau gestrichen. Anfangs nahm man Schürzenschnellzugwagen der Bauart 39, die Mitte der 50er Jahre durch die neuen 26,4 m langen A(B)4ümg-53 ersetzt wurden. Nur wenige Jahre später kamen die modernisierten Wagen der Bauart A4ümg-61 zum Einsatz. Alle drei blauen Schnellzugwagen gibt es als Modell.  

Vorbild

Es war der Verdienst vom DB-Abteilungspräsident Dr. Ing. Mielich, der Anfang der 50er Jahre die 26,4 m langen Wagen propagierte und bauen ließ. Sie wurden auch in großen Serien gebaut. 1954 war auch der erste Blaue dabei, damals noch als AB4ümg-54 geliefert. Bis 1959 wurden 199 Wagen in Dienst gestellt. Für Fernschnell- und internationale Züge brauchte man weitere Wagen, natürlich mit moderneren Zutaten. Zwei dieser Neuerungen sind recht einfach von außen zu sehen: Die Drehfalttüren, die dem Zugführer erlaubten, von einer Stelle im Zug alle Türen zu schließen und die Schiebetüren an den Übergängen. Von 1963 bis 1968 wurden 144 Wagen gebaut. Die neuen Wagen liefen auf Drehgestelle der Bauart MD 33 oder 36. Mit den 33er Drehgestellen waren 140 km/h erlaubt, mit den anderen waren 160 km/h erlaubt. Wenn noch eine Magnetschienen-Bremse eingebaut war, waren sogar 200 km/h möglich.  Die Übersetzfenster bekamen hellgoldfarbig eloxierte Leichtmetallrahmen. Die Wagen boten in 10 Abteilen 60 Sitzplätze an. Einige Wagen besaßen einen Waschraum, der z.T. in eine Fernsprechzelle umgebaut wurde. Die Abteile waren 2,088 m breit und boten 6 Reisenden Platz. So war die Kniefreiheit der Reisenden gewährleistet.

Vorbild Am 203- Quelle: Internet
Vorbildskizze Am 203-Quelle: Archiv Dt. Reisezug- und Güterwagen

Die Wagen kamen anfangs in erster Linie in das blaue F-Zug-Netz zum Einsatz. Die neuen Wagen waren erforderlich geworden, da die F-Züge wegen der erhöhten Nachfrage länger geworden waren. Statt vorher 3 Wagen hatten die F-Züge jetzt 5 bis 7 Wagen, incl. Speisewagen, dieser Einsatz endete Anfang der 70er Jahre.  Auch im internationalen Verkehr wurden die Blauen gerne als Kurswagen eingesetzt, dann aber meistens zusammen mit zwei bis drei 2. Klasse-Wagen. Nach 1966 wurden die Wagen zu Am 203 umbenannt. Die neue Wagennummer prangte jetzt in der Wagenmitte unterhalb der Fenster. Mitte der 70er Jahre wurden das DC-Netz kreiert. Auch in den DC-Zügen kamen die Am 203 zum Einsatz, jedoch gerne in Pop-Farben. Die meisten Pop-1. Kl.-Wagen hatten ein orangerotes Fensterband. Nach wenigen Jahren entschied sich die DB, alle neueren Reisezugwagen in Elfenbeinbeige/ozeanblau zu streichen. Ende der 70er Jahre sahen so die meisten Wagen aus. Als das IC-Netz 1972 und 1979 aufgebaut wurden, dienten die Am 203 als Verstärkungswagen, teilweise mit Papier-Kennzeichnung als heruntergestufter 2. Kl. Wagen. Zum Schluss dienten die Wagen als Reserve für die neuen IR-Züge, bis genügend neue Aim 260 zur Verfügung standen. Danach wurden die Wagen nach und nach abgestellt. Der letzte Blaue wurde 1988 in Köln ausgemustert, 10 Jahre später war dann der letzte ozeanblau/ beige Am 203 von den Schienen verschwunden.

Modell

In diesem Blog wurde schon über den blauen Am 203 berichtet. Hier der Link dazu: 

Der neue Blaue A4üm-61 in Ep III von Fleischmann

Daher kann an dieser Stelle auf Wiederholungen verzichtet werden.

Bislang haben sich vier Firmen mit dem Am 203 beschäftigt: Atlas (1969), Arnold (2007), Fleischmann (2002) und Minitrix (1973).

Hier Bilder der Vorgänger:

Atlas Amg-61 (1969)
Arnold Amg-61 (2007) Hanseat
Fleischmann Amg-61 (2002) Rheinpfeil
neuer Fleischmann Amg-61 in blau (2024)
Minitrix Am 203 Popfarbe (1983)

Hier ein tabellarischer Überblick der Modelle des A4ümg-61/ Am 203:

 

Hersteller

Artikel-Nr.

Erstes Bj. Modell

Wagen-Nr. Modell

Laufweg

Atlas

2681

1969

2009 Han

---

Fleischmann

8641 K

2002

12 023 Hmb

München- HH- Altona

Fleischmann

811117-1

2017

12 075 Esn

Dortmund- München

(Rheinblitz)

Fleischmann

6260068

2024

12 079 Hmb

HH-Altona- München

Fleischmann

62600331

2025

10-40 221-3

Bonn- Berlin Stadtbahn

Fleischmann

863920

2022

10-40 220-5

Köln- Flensburg

Arnold

HN 4000-4

2007

12 031 Köl

Köln- Kiel (Hanseat)

Minitrix

18401

2021

12 038 Esn

München- Dortmund

Minitrix1)

13370

2001

11 924 Esn

Dortmund- München

Minitrix1)

51-3080-00

1973

10-40 202-3

München- Dortmund

1) Vorgängerbauart Am 202/ A4ümg-54- Fett: Neuheit

Gebaut wurde der o/b Wagen 1967 bei Wegmann mit der Fabriknummer 8852 und blieb nur bis 1974 als Am 203 im Dienst. Danach bekam er eine neue Aufgabe als Dienstwagen mit der Bezeichnung Dienstm 301. Dienstwagen bekamen einen grau/ gelben Anstrich und etliche Fenster wurden verschlossen. Insgesamt 144 Wagen wurden von 1964 bis 1968 gebaut.

 

Hier erst einmal Bilder der Neuheit von der Abteil- und Gangseite:

Abteilseite Fleischmanns Am 203
Gangseite Fleischmanns Am 203

Im Folgenden wird der neue Am 203 mit seinem direkten Vorgänger von Fleischmann, den blauen Am 203 verglichen:

Ein Blick auf die Unterseite des Wagens zeigt keine Unterschiede. Alle Aggregate sind an derselben Stelle- unverändert seit 2002. Die Neuheit zeigt ein paar kleine Abweichungen.

Zwei Generationen Am von unten von Fleischmann - ältere oben - Neuheit unten

Alle Wagen haben Kurzkupplung. Am Boden ist nichts verändert worden. Diesen Boden gibt es schon seit 2002.

zwei Fleischmann-Wagen von vorne
Kuppelabstand der Am 203 von Fleischmann

Alle Wagen können mit der firmeneigenen Beleuchtung (#946901) nachgerüstet werden. Bei den Drehgestellen gab es eine Änderung: Der Blaue hatte an einem Drehgestell einen Generator, der bei dem Nachfolger fehlt. Es wurde der Generator abgebaut und eine andere Bauart verbaut, der aber von außen nicht sichtbar ist.

Einsatz auf der Modellbahn

Die o/b 1. Klasse Wagen konnten im F-Zug Verkehr nicht mehr eingesetzt werden, da 1972 neue IC- Züge mit neuen Wagenmaterial eingeführt wurden. Die ozeanblaue/ beige Farbgebung kam erst ab 1974. Und sicher sind nicht alle Wagen 1974 auf einen Streich neu lackiert worden, sondern Zug um Zug, wann die Wagen in das AW mussten. Das dauerte bis Anfang der 1980er Jahre. So passt auch das Zuglaufschild „Bonn- Berlin Stadtbahn“, ein Interzonenzug D 109/ D 110. Daher wurden die noch jungen Wagen in D-Zügen im In- und Ausland eingesetzt. Passende Zugloks sind die Dieselloks der 216er-Familie oder die Baureihen 220 oder 221. Ellok-Freunde können auf Loks der Baureihen 103, 110, 112, 116, 117, 118 oder 141 zurückgreifen. Zu beachten ist, im D-Zug oder Eilzug höchstens einen 1. Klasse-Wagen einzuplanen, in vielen Fällen genügte sogar nur ein ABm 225- Wagen, den auch Fleischmann im Programm hat.

Fazit

So hat Fleischmann endlich die 26,4 m Schnellzugwagen in der 3. Generation in Epoche IV herausgebracht, der hervorragend gemacht worden ist. Die drei Jahre Warten zwischen Ankündigung und Auslieferung haben sich gelohnt.  Der Wagen lässt sich noch mit verschiedenen Farbkleidern herstellen, wie z.B. Popfarben, o/b usw. Viele davon sind schon erschienen. Inzwischen sind schon alle Schnellzugwagen in der Farbgebung ozeanblau/ beige ausgeliefert. Fehlen noch die Pop-Farben. Der Verfasser hat den Wagen im Abverkauf für knapp 30 € bei DM Toys erworben.

 

Klaus Kosack

 

Literatur:

Wagen für Europa- Geschichte der 26,4-m-Wagen = EK Spezial 74, Freiburg 2004

Horst J. Obermayer, Taschenbuch Deutsche Reisezugwagen, Stuttgart 1978

Archiv Dt. Reisezug- und Güterwagen, Blatt Schnellzugwagen Am 203