09/2018 von

Der neue Omm 52 von Fleischmann

Das dreifache Kohle - Ommchen

Keine echte Neuheit, aber eine sinnvolle Wiederauflage stellt die jüngste Neuheit von Fleischmann dar: Es ist der Omm 52, eine der ersten Neuentwicklungen der DB nach dem letzten Krieg. Mit 14.919. gebauten Wagen war er einer der DB- Standardbauarten. Es war der erste offene Güterwagen der DB ohne Seitenrungen und fast ganz aus Metall gebaut. Die Seitenwände waren nach außen durchgedrückt. Die DB konnte sich 1952 noch nicht dazu durchringen, den UIC- Typ 2 bauen zu lassen, sondern ging eigene Wege.

Vorbild

Der hier zu besprechende Güterwagen wurde 1952 von der Waggonfirma Uerdingen gemeinsam mit dem BZA entwickelt. Wie schon erwähnt war es eine Eigenentwicklung der DB, und zwar der erste Neubau eines offenen Güterwagens. Viele Hauptmaße stimmen mit den UIC-Wagen überein, wie z.B. LüP, Achsstand und Türbreite, nur die Seitenwände waren anders konstruiert. Der doppelte Knick machte die Seitenwand so stabil, sodass Streben überflüssig waren. Den Wagen gab es mit und ohne Bremserhaus, auch Leitungswagen wurden gebaut. Zwischen 1952 und 1962 wurden 14.919 Wagen in Dienst gestellt. Damit war der Omm 52 der häufigste offene Güterwagen der DB in den 60er Jahren. Die Länge betrug 10 m (ohne Bremserhaus) und 10,5 m mit Bremserhaus. Der Achsstand betrug 5,4 m. Der Wagen konnte mit 26 t beladen werden. Offene Güterwagen konnten witterungsunabhängige Güter aller Art transportieren, wie z.B. Kohle, Sand, Schotter, Rüben, Holz, Schrott u.v.a.m.

In der ersten Hälfte der 50er Jahre griff man eine Idee aus dem Krieg wieder auf: Man entfernte die Kopfklappen der Wagen und baute auf den Seitenwänden eine zweite Ladeebene ein. Damit konnten Autos befördert werden. So war der Off 52 geboren, der immer als Pärchen fuhr. Als genügend Autotransporter vorhanden waren, wurden die Wagen wieder rückgebaut. Ab 1965 bekam der Wagen die neue Bezeichnung E037 zugeteilt.

Ende der 70er Jahre baute die DB einen Wagenpark für Rübentransporte auf. Fast ein Drittel der Omm 52 (E037) wurde hierfür hergerichtet, wobei u.a. die Kopfklappen der Wagen festgelegt wurden. Die umgebauten Wagen bekamen die neue Bezeichnung Eo017. Die restlichen E037 wurden bis 1986 ausgemustert. Die Rübenwagen hielten sich bis 1994. Über 800 Wagen wurden Ende der 70er Jahre an die DR verkauft; die die DR als El 5568 (ohne Bremse: El 5598) einreihte. 1994 wurden die letzten Ex- DR El 5568 ausgemustert.

Die Wagen hatten die Nummernkreise 862 000 bis 869 999 (mit Lücke) und 890 000 bis 897 999. Als E037 504 1 000 bis 505 5 999 und als Eo017 514 0 100 bis 514 4 999; ab 1985 auch 514 6 000 bis 514 6 999. So kann jeder selber sehen, ob das Modell eine passende Nummer trägt.

Bild 1: Maßskizze des Omm 52 (Quelle DV 939d, Ausgabe 1967)

Modell

Omm 52 - Modelle gibt es von verschiedenen Herstellern. Das älteste Modell stammt von Minitrix, das den Wagen bei Roco produzieren ließ. Nur an der Unterseite des Wagens ist dieser Umstand erkennbar: Trix- Made in Austria. Der Wagen war von 1970 bis 1972 bei Minitrix im Programm.

 

Bild 2: Omm 52 von Minitrix

 

Bild 3: Unterseite des Minitrix-Wagens

Der Wagen war für die damalige Zeit recht ordentlich gestaltet, LüP, Achsstand und Proportionen stimmten. Nur die Beschriftung war unvollständig: Es fehlte die Bauart. Nur eine überdimensionale 864 407 mit DB Signum stand an der Außenwand. 1972 war die Zusammenarbeit mit MInitrix beendet worden und Roco produzierte den Wagen unter eigenen Label. Der einzige Unterschied zum Minitix- Vorgänger war am Unterboden zu sehen: Roco- Made in Austria. Satte 31 Jahre stand der Wagen bei Roco im Programm. Bis 1991 Jahre wurde der Wagen mit der vereinfachten Beschriftung geliefert, erst danach bemerkte man das bei Roco und danach gab es den Wagen mit vollständiger Beschriftung. Ab 1998 gab es sogar drei RENFE- Varianten, was dem Autor etwas „spanisch“ vorkam, weil eine Umspurung auf 1.600 mm bei dem Wagen technisch beim Vorbild schlecht möglich war. Das letzte „Highlight“ war der Umstand, dass Roco den Wagen mit Sprengwerk produzierte, wobei beim Vorbild kein Omm 52 mit Sprengwerk bekannt ist. Insgesamt lieferte Roco 25 verschiedene Varianten des Wagens.

 

Bild 4: Omm 52 von Roco

 

Bild 5: Unterseite des Roco- Wagens

 

Bild 6: Roco- Omm 52 mit Sprengwerk

 

Bild 7: Roco Omm 52 EUROP

Auch in der DDR wurde der Wagen produziert. Im Rahmen einer Serie von langen offenen Güterwagen mit 6 m Achsstand, die von der Fa. Stein KG, Leipzig entwickelt wurde. Er kam 1971 heraus und wurde bis 1987 in verschiedenen Farben von verschiedenen Firmen produziert. Zuletzt war der VEB PREFO, Dresden der Hersteller. Allen Wagen war gemeinsam, dass der Achsstand für den Omm 52 nicht stimmte und meistens die Beschriftung unleserlich war. Ferner waren alle Wagen keine Laufwunder, man konnte das aber durch Radwechsel erheblich verbessern. Dafür kosteten die Wagen nur schlappe 4,50 MDN. Insgesamt gab es zwei Varianten: Den Omm 52 mit EUROP- Beschriftung und als E037.

Bild 8: Piko Omm 52

Durch den Zusammenschluss von Fleischmann und Roco kam das gesamte Roco-Programm in N zu Fleischmann. Zwischenzeitlich hat der neue Eigentümer sich entschieden, künftig N nur noch von Fleischmann herstellen zu lassen. 2015 entdeckte Fleischmann den Wagen im Roco- Fundus und bot den Omm 52 (incl. Nachfolger) wieder an, jedoch erstmals mit Kurzkupplung, dass Roco bei den meisten Wagen nicht gemacht hatte. Den Auftakt machte der Eo017 als Rübenwagen, der mit drei verschiedenen Wagennummern und mit Rüben beladen erschien, leider mit fehlerhaften Beschriftung als Es017 statt Eo017. 2018 folgten die nächsten Varianten: Das hier zu besprechende 3er Set Omm 52, beladen mit Kohle (#820530) und als E037 (#820531) in Epoche IV, erstmals mit braunen Fahrgestell.

 

Bild 9: Fleischmann Eo017 mit Rüben beladen

 

Bild 10: Fleischmann Omm 52 3er Set

 

Bild 11: Fleischmann Omm 52 mit Kohle

 

Bild 12: Fleischmann Omm 52 von Unten

 

Bild 13: Fleischmann Omm 52 von oben ohne Beladung

Kommen wir zum neuen Set #820530 zurück. Das ganze Set ist unter dem Label „start“, damit zur der Gruppe preiswerter Fahrzeuge angesiedelt. Das Set beinhaltet 3 Wagen der Bauart Omm 52, alle mit Kohle beladen. Die Kohleeinsätze sind herausnehmbar. Die Wagen haben die Nummern 863 337, 264 406 und 865 201, alle aus den o.g. Nummernkreis. Damit gehören die Wagennummern zum Nummernkreis des Omm 52.

Der Wagenkasten samt Befestigungnasen zum Fahrwerk ist nahezu unverändert seit 1970 geblieben. Vielleicht war das der Grund, die Wagen in das „start“- Programm auf zu nehmen.

Nur das Untergestell wurde neu konstruiert, auch schon wegen der Kurzkupplung.

Last but not least soll an dieser Stelle auch die zweite Neuheit vorgestellt werden, es ist der erste E037 mit braunem Fahrwerk, das die Wagen gegen Ende ihres Einsatzes bekamen. Auch dieser Wagen unterscheidet sich nicht von den Vorgängern.

 

Bild 14: Fleischmann Es037

Einsatz auf der Modellbahn

Wie schon erwähnt, ist der Omm 52 bzw. E037 ein „Brot- und Butter- Wagen“, der am besten mehrfach auf die Anlage gehört. Kauft man mehrere Sets hat man die Möglichkeit, Ganzzüge für den Kohlenverkehr, der in den 50er und 60er Jahren in Deutschland bedeutsam war, nach zu stellen. Wenn der Ganzzug noch mit anderen offenen Güterwagen gemischt wird, z. B. mit dem Omm 37 oder Omm 34 von Modellbahn Union, hat man einen herrlichen Zug. Zuglok für einen solchen Zug wären z.B. die Baureihen 44 oder 50. Natürlich kann man auch den Kohlewagen des Sets einzeln oder als Gruppe einem Nahgüterzug beigeben. Kohle wurde ja damals fast überall gebraucht und wurde bis in die hintersten Winkel der Republik transportiert.

Fazit

Den Omm 52 hat es bislang nur in einer einzigen Bauform gegeben, dabei sind noch viele andere Varianten möglich. Es fehlen die Wagen mit Bremserhaus bzw. Bremserbühne. Auch glänzt der Leitungswagen (ohne Bremse) durch Abwesenheit. Letzterer könnte m.E. relativ einfach umgesetzt werden. Ferner könnte man noch die an die DR verkauften E037 nachbilden, hier als Leitungswagen, mit Bremse und Bremserstand. Nur Minitrix griff die Ähnlichkeit des Off 52 zum Omm 52 auf und lieferte den Autotransporter ab 1972, zuletzt auch mit Kurzkupplung. Man sieht also, hier kann Fleischmann noch tätig werden. Ansonsten kann man Fleischmann zur Neuheit nur gratulieren.

Klaus Kosack

Lit.: Merkbuch für Schienenfahrzeuge- Wagen Regelspur, Ausgabe 1952, DV 939 d, Teil A, EZA Minden 1952

Merkbuch für Schienenfahrzeuge- Wagen Regelspur, Ausgabe 1967, EZA Minden Ausgabe Jan. 1967

St. Carstens/ H.-U. Diener, Güterwagen Bd. 3- offene Wagen, Nürnberg 1996

St. Carstens et al. Güterwagen Bd. 6- Bestände und Bauteile- Güterzuggepäckwagen, Nürnberg 2011

Den OMM52 im Shop von DM-Toys finden Sie hier.

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