12/2018 von

Der Allegra von KATO

Nach dem großen Verkaufserfolg des Glacier Express von KATO, hatte man sich entschlossen, dieses Zug nicht mehr alleine durch die Modelllandschaft Graubündens fahren zu lassen. Zur Spielwarenmesse 2014 wurde das Modell des ALLEGRAs angekündigt. Auf der Spielwarenmesse 2015 konnte man bereits die ersten Muster des Triebkopfes bewundern. Die Umsetzung des Modells war zur letzten Spielwarenmesse schon weit vorangetrieben. Im Sommer 2015 wurde das 3-teilige Set ausgeliefert.

Mittlerweile ist der „ALLEGRA“ auf den meterspurigen Strecken nicht mehr wegzudenken. Insgesamt gibt es 15 Exemplare dieses Triebzuges. Gebaut wurde er von der Schweizer Firma Stadler. Der ALLEGRA kann unter den beiden eingesetzten Stromsystemen der Rhätischen Bahn fahren und ist dadurch flexibel einsetzbar. Aber nicht nur auf den unterschiedlichen Strecken ist er zu sehen. Auch wird er als Transportmittel sehr flexibel eingesetzt. Hauptsächlich ist sein Einsatz im Personennah- und –fernverkehr. Mitunter wurde er aber auch vor Güterzügen gesehen.

Der ALLEGRA hat die Typenbezeichnung RhB ABe 8/12 und ist dreiteilig. Das erste Fahrzeug wurde am 13. Oktober 2009 in Landquart abgeliefert und anschließend ausgiebig getestet. Die Triebzüge werden von der RhB seit 2010 fahrplanmäßig eingesetzt. Die Züge werden analog zu anderen Stadler-Produktionen wie z.B. FLIRT, SPATZ oder STAR als ALLEGRA bezeichnet, das einem Grußwort aus dem rätoromanischen entnommen wurde. ALLEGRA bedeutet so viel wie „Freue (dich)!“.

Für die in die Jahre gekommenen Fahrzeuge der Rhätschen Bahn musste Ersatz beschafft werden. Die neuen Fahrzeuge sollten sämtliche Anforderungen des RhB-Netzes abdecken und hauptsächlich die Leistungen in den steigungsreichen Strecken übernehmen. Zu diesen Strecken gehören

  • die Berninabahn St. Moritz–Tirano (Steigung bis zu 70 ‰, 1.000 V, Gleichstrom)
  • die Arosabahn Chur–Arosa (Steigung bis zu 60 ‰, 11.000 V, Wechselstrom)
  • die Bahnstrecke Landquart–Davos Platz (Steigung bis zu 45 ‰, 11.000 V, Wechselstrom)

Die 15 beschafften Triebzüge fahren unter beiden Stromsystemen und haben dadurch die höchstmögliche Flexibilität. Im Sommer verkehren die ALLEGRAs vermehrt auf der Berninabahn und im Winter trifft man auf der Arosabahn und der Davoser-Linie öfters  die ALLEGRAs. In beiden Fällen wird der Einsatz dem Bedarf angepasst.

Auf der Berninabahn sind die Triebzüge seit 2011 das Haupttraktionsmittel und ziehen Regionalzüge, den nur aus Panoramawagen bestehenden Bernina-Express sowie auch die schon genannten Güterzüge. Auf der Arosabahn und nach Davos wird ein Großteil der Reisezüge mit ALLEGRAs bespannt. In verkehrsschwächeren Zeiten werden sie nach Arosa alleine eingesetzt.

 

Der ABe 8/12 3502 bei schönstem Postkartenwetter im Winter in Pontresina

Der ABe 8/12 3502 bei schönstem Postkartenwetter im Winter in Pontresina

 

Aus dem genannten Einsatzgebiet der Züge ergibt sich die Notwendigkeit, eine hohe Anhängelast befördern zu können (z.B. Bernina-Express mit großen Steigungen). Dies erklärt auch die für einen Triebwagen vergleichsweise hohe Dauerleistung von 2,3 MW. Die stärkste Lokomotive der RhB, die Ge 4/4 III hat eine Dauerleistung von 2,4 MW. Die Anfahrzugkraft des ALLEGRAs ist mit 280 kN, dank der Verteilung der Antriebsleistung auf acht Achsen, sogar um 30 % höher als jene der Ge 4/4 III. Dies ist wichtig für die Beförderung schwerer Züge auf den Rampen der Berninabahn und der Arosabahn. Nach der Inbetriebsetzung der ALLEGRAs wurde die maximale Zughakenlast auf der Berninastrecke für diese Triebzüge von 140 auf 160 Tonnen erhöht.

Am 20. Dezember 2010 wurde mit dem ALLEGRA 3502 im Vereinatunnel eine Geschwindigkeit von 145 km/h erreicht. Zuvor war bei den Inbetriebsetzungsfahrten am 5. Dezember 2009 schon 139 km/h erreicht worden. Damit hat der ALLEGRA den Geschwindigkeitsrekord für Schmalspurbahnen.

Auf den Triebzugköpfen sitzt je ein Einholmstromabnehmer mit drei Schleifleisten für Gleichstrom und auf dem Mittelwagen der für Wechselstrom. Im Notfall und bei Rangierfahrten kann aber jeder Stromabnehmer benutzt werden, unabhängig vom Stromsystem. Der Mittelwagen ist antriebslos und besitzt einen tiefen Einstieg. Damit können Personen mit eingeschränkter Mobilität barrierefrei einsteigen. Die 1. Klasse Abteile befinden sich direkt hinter den beiden Führerständen. Insgesamt hat der 3-teilige Zug ein Sitzplatzangebot von 100 Plätzen, die sich aufteilen in 24 Sitzplätze für die 1. Klasse und 76 Sitzplätze in der 2. Klasse. Es gibt 14 Not-/Klappsitze und Platz für 2 Rollstühle. Der Zug ist voll klimatisiert.

Für den Nahverkehr auf der Rheinstrecke hat die Rhätische Bahn 2011 einen aus dem ALLEGRA abgeleiteten, 4-teiligen Triebzug bestellt. Er hat die Typenbezeichnung ABe 4/16 und ist nur für das Stromsystem des Stammnetzes ausgelegt (11.000 V, Wechselstrom). Insgesamt gibt es 5 Triebzüge von dieser Variante. Die Triebzüge werden von der RhB als «ALLEGRA- STZ bezeichnet. Dabei steht STZ für Stammnetztriebzug.

Der zuerst von KATO ausgelieferte 3-teilige ALLEGRA ist mit der Betriebsnummer 3501 aufgelegt worden (Art.-Nr. 10-1273 bei KATO bzw. 7074035 bei NOCH). Wie bei der RhB für Lokomotiven üblich, haben auch die Triebzüge zusätzlich einen Namen bekommen. Für die ALLEGRAs werden Namen berühmter Personen aus Graubünden verwendet. Betriebsnummer 3501 heißt nach dem Initiator der Schmalspurbahn Landquart–Davos AG (LD), dem Vorläufer der Rhätischen Bahn.

Wie auch beim Glacier-Express weicht der verwendete Maßstab vom üblichen N-Maßstab ab. Angewendet wurde der für Japan charakteristische Maßstab von 1:150, wodurch das Modell natürlich leicht größer wird (rechnerisch etwa 6,6 % was einem Höhenunterschied von ca. 1,3 mm entspricht - wenn die Höhe rechnerisch im echten N-Maßstab 20 mm  ergibt). 

Der Triebzug ungekuppelt. Jeder Wagen hat einen Pantografen auf dem Dach.

Der Triebzug ungekuppelt. Jeder Wagen hat einen Pantografen auf dem Dach.

 

Nimmt man den Triebzug aus der Verpackung, fühlt man sich gleich nach Graubünden versetzt. Man kann sofort erkennen, um welchen Zug es sich handelt ohne vorher die beigefügte Vorbildbeschreibung zu lesen. Optisch macht das Modell einen sehr ordentlichen Eindruck. Die Lackierung der Modelle in seidenmatt sieht perfekt aus und es fallen auch die vielen kleinen Piktogramme, Zierlinien und Anschriften auf, die trennscharf und ohne Fehler ausgeführt sind.

Der mittlere Wagen in einer Detailaufnahme. Sehr gut sieht man die trennscharfen Piktogramme, Anschriftenn und Zierlinien.

Der mittlere Wagen in einer Detailaufnahme. Sehr gut sieht man die trennscharfen Piktogramme, Anschriftenn und Zierlinien.

 

Auf dem Dach kann man sehr gut die vielen Klappen, Luken und Lüfter der Verkleidung erkennen, die dem Original durch die aerodynamische Optimierung ein aufgeräumtes Aussehen verleihen. Diese vielen Details sind durch die Gravuren auf der Oberseite schön ausgearbeitet. Die Pantografen sind wie gewohnt bei KATO aus Kunststoff gefertigt. Sie lassen sich jedoch gut justieren, sodass der Schleifer kurz unterhalb des Drahtes fixiert werden kann. Apropos Schleifer. Beim ALLEGRA von KATO wurden bei allen 3 Pantografen die gleichen Schleifstücke verwendet. Im Original sind nur die Pantografen der Triebwagen identisch. Wem das stört, kann diese ja gegen besser passende austauschen.

Der Dachgarten des Zuges. Überall sind feine Gravuren zu erkennen. Es steht sehr wenig heraus, alles ist aerodynamisch optimiert.

Der Dachgarten des Zuges. Überall sind feine Gravuren zu erkennen. Es steht sehr wenig heraus, alles ist aerodynamisch optimiert.

 

Die Fenstergläser sind leicht getönt. Durch die Fenster kann man in den Innenraum hineinsehen und erkennt das nachgebildete Innenleben.

An der Front sind die Steuerkabel, die Bremsschläuche, der Schneepflug und die Kupplungsattrappe angesteckt, auch an die Kameraausbuchtung oberhalb der Führerstands-Seitenfenster wurde gedacht.

Die detaillierte Front des Triebkopfs. Sehr gut auch erkennbar die Steckdosen und die diversen angesteckten Teile.

Die detaillierte Front des Triebkopfs. Sehr gut auch erkennbar die Steckdosen und die diversen angesteckten Teile.

 

Der Packung liegen zwei Kurzkupplungen und zwei Faltenbälge bei, mit denen man die Wagen näher aneinander bringen kann. Er wirkt durch die Nähe deutlich harmonischer. Auch ist der Triebzug dafür vorgesehen, dass ihm weitere Wagen angehangen werden können. Zurzeit wären das nur die Panoramawagen des Glacier-Express. Zu einem späteren Zeitpunkt können das auch die Panoramawagen des Bernina-Express sein. Diese hatte KATO als Neuheit 2016 angekündigt und sie Wagen sind mittlerweile auch ausgeliefert worden.

Auf die Schiene gesetzt ertönt das bekannte Geräusch des KATO-Motors. Dynamisch setzt er sich in Bewegung und erreicht bei voll aufgedrehtem Trafo deutlich mehr an Geschwindigkeit, wie seinerzeit das Original im Vereinatunnel. Kaltweiße LEDs beleuchten die Scheinwerfer. Das Modell ist für den Einbau einer Innenbeleuchtung vorbereitet, die es separat zu kaufen gibt.

Als Zubehör für den ALLEGRA (als auch für den Glacier-Express) gibt es das Fertiggelände „BERGÜN“ von NOCH und einen „Schweizer Alpenbahnhof“ von KATO, der dem Bahn Filisur nachempfunden wurde.

Der ALLEGRA posiert auf dem NOCH Fertiggelände BERGÜN vor schweizerischer Kulisse.

Der ALLEGRA posiert auf dem NOCH Fertiggelände BERGÜN vor schweizerischer Kulisse.

 

Aktuell ist bei DM-Toys der Elektrotriebwagen „ALLEGRA“ mit Panoramawagen der RhB vom Bernina Express als 5-teiliges Set (Art.-Nr. Kato_10-1318) von Kato erhältlich. Das Set besteht aus dem 3-teiligen ALLEGRA und 2 Bernina-Express Panoramawagen. Zusätzlich wird noch ein 4-teiliges Ergänzungsset „Bernina Express“, das unter der Art.-Nr. Kato_10-1319 angeboten wird. Damit steht dem Befahren des Bernina-Passes mit dem passenden Zug nichts mehr im Wege.

 

von Christian Weiß

Das Set K10-1318 ist bei DM Toys hier erhältlich.

Das Set K10-1319 ist bei DM Toys hier erhältlich.

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