09/2018 von

Citroen HY von Lemke

Mit dem Typ H baute Citroen einen Kleintransporter, der über einen Zeitraum von 33 Jahren hergestellt wurde. Von Juni 1948 bis Dezember 1981 wurde das Modell in Frankreich, Belgien und den Niederlanden gebaut. Abhängig von der zulässigen Zuladung, wurden verschiedenen Typenbezeichnungen verwendet. Es gab die Bezeichnungen H, HY, HX, HW, HZ und 1600. So steht nur der Buchstabe H für 1200 kg Zuladung, HZ für nur 850 Kg und HY für Anfangs 1500 kg, und später dann für 1600 kg Nutzlast. In Frankreich war der Kleintransporter weit verbreitet und wurde in vielen Varianten gebaut. Fast 500.000 Exemplare dieses Kleintransporters wurden in 33 Jahren fertig gestellt.

Der im Jahre 1939 vorgestellte Vorläufer des Typs H: der TUB

Die Geschichte des erfolgreichen Kleintransporters beginnt im Jahr 1939. Die verantwortlichen Entwickler hatten 1939 den TUB vorgestellt. Dieser Transporter zeichnete sich durch zahlreiche Neuerungen aus. Unteranderem besaß er eine niedrige Ladekante und Schiebetüren. Als dann die deutschen Truppen ein Jahr später in Paris einmarschierten, flohen die französischen Entwickler in das westfranzösische Dorf Ruffec. Papier und Bleistift waren auch dort verfügbar und so wurde an einem Nachfolger für den TUB gearbeitet. Ziel des neuen Kleintransporters war, die Herstellungskosten niedrig zu halten. Dafür wurde im Bauteilsortiment der aktuell produzierten Modelle gestöbert und für das neue Modell miteinander kombiniert. So kam die Vorderachse zum Beispiel vom Traction Avant 15/6 oder der Motor von 11CV. Wichtig war den Konstrukteuren auch, dass das verwendete Blech für die Außenhaut des Kleintransporters nicht dicker als 0,5 mm sein sollte – nur eine Oblate ist zerbrechlicher. Ein Entwickler ließ sich von der Ju 52 inspirieren. Die Tante Ju hatte eine durch Wellblechbeplankung versteifte Außenhaut. Dadurch wird bei geringer Blechstärke eine deutlich größere Steifigkeit und Tragfähigkeit erreicht. Dieses Prinzip der Wellblechbeplankung übernahmen die Entwickler beim Citroen H: Hier waren es gesickte Bleche. Der Wagen ist mit seiner Faltenhaut so steif, dass er mehr transportieren kann als er selber wiegt: Ein HY hat eine maximale Zuladung 1600 kg bei gerade mal 1350 kg Leergewicht. Der Typ H hatte eine selbsttragende Karosserie und ein raumsparendes fahrwerk, das eine niedrige Ladekante von nur 35 cm über dem Boden ermöglichte. Sieht man diesen Kleintransporter, bezeichnet man ihn immer als Typ HY. Doch diese Bezeichnung trifft nur auf eine der verschiedenen Varianten zu – ABER: der HY war das häufigste Modell.

So wie man den Typ H am besten kennt: als geschlossener Kastenwagen.

1947 wurde der Typ H auf dem Pariser Autosalon vorgestellt (noch 1 Jahr vor dem 2CV - der Ente), doch danach wurde es ruhig um ihn. Die Vermarktung des Fahrzeugs, also Verkauf und vor allem Werbung wurde in die Verantwortung der Händler gegeben. Trotz dieser Nichtbeachtung seitens Citroen, verkauft sich der neue Kleintransporter wie von selbst. Die Franzosen nennen ihn Schweinsnase („noz de cochon“) aber auch Salatkorb („panier à salade“), weil die Polizei ihn vergitterte. Die Handwerker liebten ihn, passten doch 2 Europaletten durch die 3-geteilte Hecktür in den Laderaum. Ebenfalls ist die Ladehöhe so hoch, dass man im Laderaum aufrecht stehen kann.

Der verwendete Reihenvierzylinder leistete im Jahr 1968 58 PS aus 1,9 l Hubraum. Immerhin erreichte der Lieferwagen mit seinem 3-Gang Getriebe eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Der Verbrauch lag bei 13-14 Liter auf 100 km. Für einen neuen Citroen musste man 1963 9.900 DM bezahlen. Der Motor des Fahrzeugs war kurioserweise zwischen Fahrer und Beifahrer innerhalb des Wagens, abgedeckt nur durch eine Blechverkleidung. Schutz war damit nicht wirklich vorhanden. Bei hohen Geschwindigkeiten übertönte das arbeitende Triebwerk die Gespräche der Anwesenden. Dafür hatte man aber die Heizung in unmittelbarer Nähe. Im Winter bestimmt angenehm, im Sommer vermutlich recht warm.

Der Motor zwischen Fahrer und Beifahrer (hier ohne eine dünne, schützende (?) Blechabdeckung.

Ursprünglich war der Citroen H nur mit einem 35 PS Benziner ausgerüstet, ab 1964 dann mit 42 PS und mit 58 PS wurde er ab 1968 bis zur Einstellung der Produktion ausgeliefert. Auch ein Dieselmotor wurde angeboten. Zuerst ein Perkins Dieselaggregat (42 PS) und ab ein Indenor Dieselaggregat mit 50 PS.

Ab Werk wurden die Fahrzeuge in 4 verschiedene Varianten angeboten:

  • Geschlossener Standardlieferwagen mit kurzem Radstand und niedrigem Dach
  • Als Pritschenwagen
  • Als Fahrzeug mit geschlossener Fahrerkabine und ohne hinterem Aufbau
  • Als Fahrzeug mit nach hinten offener Fahrerkabine und ohne hinterem Aufbau.

Spezialisierte Karosseriebauer lieferten auf Basis dieser Fahrzeuge diverse Sonderformen mit verlängertem Radstand, längeren Karosserieüberhängen am Ende sowie verschieden hohen Dächern. Die Umbauten bekamen Verkaufsklappen, Tresen, Fenster und vielerlei mehr. Die Vorbilder sind hier sehr vielfältig. So gab es Planenwagen, Autotransporter, Niederflurhubwagen, Verkaufswagen, Kleinbusse, Kühlwagen, Wohnmobile, Tiertransporter, Bestattungswagen, rollende Labore und noch viele weiter Varianten.  Beliebt war der Kleintransporter auch bei den öffentlichen Kommunen. Polizei, Feuerwehr, Post oder Krankenhäuser verwendeten diesen Typ, entsprechend umgebaut, für ihre Zwecke.

 


Hier ein paar Varianten des Kleintransporters: Als Verkaufsfahrzeug einer Metzgerei oder als Kleinbus sowie als Polizeiwagen (mit vergitterten Fenstern).

Änderungen gab es nur wenige. 1959 wurde die geteilte Windschutzscheibe zugunsten einer großen Scheibe geändert und der Doppelwinkel (das Citroen-Zeichen) im Kühlergrill wurde verkleinert.

MiNis hat sich diesem Vorbild angenommen und ins Modell umgesetzt. Auf der Spielwarenmesse 2014 gleich mit 10 Varianten angekündigt, sind die Modelle seit Anfang/Mitte dieses Jahres lieferbar. Die Modelle geben sehr schön den kantigen Charakter des Fahrzeugs wieder und zeigen deutlich auch die gesickten Seitenwände. Das kann sehr schön bei dem Silberfarbenen Bus oder Kleintransporter gesehen werden. Ob die Sicken jetzt tatsächlich maßstäblich sind, sei dahin gestellt. Es zählt der Eindruck. Sehr schön ist auch das Modell mit Verkaufstheke. Das kann man, entsprechend bestückt, sehr wirklichkeitsnah auf einen Wochenmarkt platzieren. Doch dazu muss man das Fahrzeug in seine Teile auseinander nehmen – was meiner Erfahrung nicht so einfach zu sein scheint. Ich habe es jedenfalls ohne weiteres nicht hinbekommen. Es geht leider nicht so intuitiv wie beim Opel Blitz oder dem VW Bus T2.

 

Hier kann man die 5 Varianten des Citroen HY sehen. Kleinbus, Pritsche/Plane, die Version mit Blaulicht (hier Gendarmerie), Kastenwagen und Kastenwagen mit Verkaufstheke.

Bis dato gibt es vom Citroen HY Lieferwagen 18 Versionen in 5 unterschiedlichsten Aufbauten. Bei den Aufbauten sind die Versionen Kleintransporter, Kleintransporter mit Verkaufstheke, Kleinbus, Feuerwehr/Polizei/Krankenwagen und mit Pritsche Plane. In 2014 wurden 11 Modelle angekündigt und im Jahr 2015 wurden 5 weitere Varianten angekündigt.

Bei Lemke ist es üblich, ein aktuelles Modell aus dem Sortiment der miNis als „Danke schön“ für einen Besuch auf dem Stand während der Spielwarenmesse in Nürnberg zu verwenden – das Messemodell. So geschehen 2015. Bemerkenswert in diesem Jahr war, dass auch Faller den Citroen HY als Messemodell hatte.

Ein weiteres Modell, allerdings ohne Artikelnummer wurde während der N-Convention 2014 verkauft. Es ist ein in weiß gespritztes Modell, dem auf der einen Seite des Kastens das Lemke-Logo aufgedruckt wurde und auf der anderen Seite das Logo der Modell Süd 2014.

 

Die beiden Messemodelle von Faller und Lemke (im Hintergrund), sowie das Modell, das während der Messe verkauft wurde.

Insgesamt ist das Modell sehr schön umgesetzt, es kann sofort als der HY erkannt werden. Wie die Recherche gezeigt hat, sind noch viele andere Aufbauten möglich. Auch Versionen mit größerem Radstand wären denkbar – aber das bedeutet auch wieder eine neue Form.

Die bei DM-Toys lieferbaren Modelle finden Sie hier.

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