Schon seit über 90 Jahren sind die roten Speisewagen ein Hingucker auf den Modellbahn-Anlagen. Bereits 1935 hatte Märklin in seinem Sortiment einen roten MITROPA-Speisewagen, damals wie üblich aus Blech in Spur H0 gefertigt. Auch nach dem Krieg gab es rote Speisewagen, die jedoch einem Vorbild nachempfunden wurden. 1952 brachte Märklin seine Schürzenwagen Serie heraus, dann mit einem roten DSG-Speisewagen und einem blauen ISG- Schlafwagen, neben grünen und blauen Sitzwagen, die alle mit der damaligen 2. Kl. beschriftet waren.
Nach 1963 folgten die N-Hersteller alle dieser alten Tradition: Den Anfang machte der Pionier der N-Bahn: Es gab grüne Sitzwagen und einen roten Speisewagen. Diese Modelle waren leider noch stark verkürzt (122 mm). Etwas längere Wagen (132 mm) brachte 1965 Minitrix heraus und der gleich lange Speisewagen war leider vorbildfrei.
Vorbild
Sehr lange hielt sich die DSG mit Neubau-Speisewagen zurück. Man griff lieber auf Speisewagen aus der MITROPA-Zeit zurück, die genügten ja für den Speisewagen Einsatz bis 1962. Da beschloss die DB, die Geschwindigkeit zunächst ausgewählter Züge auf 160 km/h zu erhöhen. Die alten Speisewagen durften jedoch nur 140 km/h schnell fahren. Für die neuen TEE-Züge, die mit einer Lok bespannt waren, baute man 1962 neue 1½-stöckige Speisewagen, die z.B. im Rheingold oder Rheinpfeil eingestellt waren. Da aber weitere Züge schneller fahren sollten, wurden ab 1964 weitere Neubauspeisewagen in Dienst gestellt. Es sollten 42 Sitzplätze angeboten werden. Die Lösung war eine neue Länge von 27,5 m, 1,1 m länger als der Vorgänger. Bis 1967 wurden 27 Speisewagen gebaut, die je nach Einsatzzweck verschiedenfarbig ausgeführt waren. Wagen für den TEE- Einsatz bekamen ein rote/ beige Seitenanstrich, die anderen erhielten den traditionellen purpurroten Anstrich für Speisewagen. Verbaut wurden Drehgestelle der Bauart Minden-Deutz 34 oder 36. Mit den 34er Drehgestellen konnte 160 km/h gefahren werden, mit den anderen Drehgestellen dagegen 200 km/h. 5 Wagen bekamen einen TEE-Anstrich und die restlichen 19 Wagen bekamen den normalen roten Speisewagen-Anstrich. 3 Wagen wurden anderweitig genutzt. Die ersten 9 Wagen wurden noch mit DSG-Nummern 11 106 bis 11 114 als WR4üm-64 ausgeliefert, ab nächsten Wagen dann als WR4ümh 132, nachdem die Computernummern in Kraft getreten waren. In den 1990er Jahren begann der Umbau der Speisewagen. Sie bekamen ein neues Farbkleid.
Zugleich verblasste der Stern der Wagen: Bis 2003 waren die Wagen ausgemustert oder verkauft worden.
Modell
Schon drei Firmen beschäftigten sich mit dem Speisewagen, der hervorragend für TEE- und Schnell-Züge geeignet war. In der Reihenfolge des Erscheinens waren es Minitrix, Arnold und Fleischmann. Hier Bilder der Vorgänger:
Man kann gut die Fortschritte bei der Beschriftung der Modelle erkennen: Der älteste Wagen von Arnold hat noch eine etwas verwaschene Beschriftung, während der der jüngste Wagen von Fleischmann, der gut 30 Jahre später erschien, eine deutlich bessere Beschriftung aufweist.
Kommen wir zur Neuheit (#18474), dem WRümh 132 von Minitrix. Hier Bilder von beiden Seiten:
Das Vorbild des Wagens wurde am 14.04.1966 als WRümh 132 mit der Wagen-Nummer 51 80 88 80 222-9. Ursprünglich sollte der Wagen die Nummer 11 122 bekommen. 1972 wurde der Wagen aus dem Bestand gestrichen und wahrscheinlich verkauft.
Es folgen Bilder mit der Erstausgabe von Minitrix und der Neuheit:
Man sieht, dass beim Unterboden wenig verändert wurde. Nur die Drehgestelle sind neu sowie die Kurzkupplungskulisse.
Die Neuheit hat neue Gummiwulst-Übergänge bekommen und die Puffer haben keinen Guss Grat mehr. Als letztes wird der Kuppelabstand betrachtet:
Man sieht die unterschiedliche Beschriftung und die auffälligen silbern eingefärbten Fensterrahmen, die bei der Neuheit unauffälliger gelöst sind. Auch die Zahl der Lüfterklappen im oberen Teil der Fernster wurde verringert. Deutlich ist der Höhenunterschied bei dem Übergang zu sehen.
Einsatz auf der Modellbahn
Der rote Speisewagen kann ab 1964 in allen möglichen D-, F- und IC-Zügen eingesetzt werden. Damit es glaubhafter wird, sollte der Zug drei oder mehr Wagen aufweisen. Als Zuglok kommen die Baureihen 220, 221 oder 216er Familie in Frage, Ellok-Fans können die Baureihen 110, 110.3, 111, 112 oder 118 einsetzen.
Fazit
Mit der Neuheit hat Minitrix eine sinnvolle Ergänzung zu seinen neueren D-Zug-Wagen herausgebracht. Es fehlt nur noch der passende Schlafwagen, den Minitrix auch schon mal herausgegeben hat. Wie bereits erwähnt, lässt sich der Wagen in vielen Varianten noch präsentieren: Als Pop-Wagen, in TEE-Farbgebung, in ozeanblau/ beiger Lackierung und vielen weiteren Lackierungen als Privatwagen. Da hat Minitrix noch eine Menge zu tun. Erfreulich ist, dass der Wagen eine Länge von 172 mm aufweist. Den Wagen hat der Verfasser für knapp 45 € bei DM-Toys erworben.
Klaus Kosack
Literatur:
Dt. Wagenarchiv (Loseblattsammlung), Blatt TEE- und D-Zug-Speiswagen einstöckig, WRmh 132, GeraMond Verlag, München