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04/2022 von Klaus Kosack

Bemerkungen zum neuen Güterwagenset von Fleischmann

Güterwagenset #880906 Fleischmann

Mit der inzwischen branchenüblichen Verspätung wurde die im Frühjahr 2021 angekündigte Neuheit im März 2022 ausgeliefert. Unter der Bestellnummer 880906 wurden in einer Packung sechs Güterwagen zusammengestellt, die zur vor wenigen Monaten ausgelieferten Wehrmachts-Diesellok 288 passen sollen.

Das vorliegende Set umfasst insgesamt sechs Güterwagen, die allesamt als Grundmodell schon länger im Programm sind und hier ohne konstruktive Änderung als Beschriftungsvariante auf dem Markt gebracht worden sind. Sie sind allesamt in Epoche IV beschriftet. Folgende Güterwagen umfasst diese Sonderserie:

  • Kesselwagen „Röchling Heizöle“
  • Rungenwagen Kbs 442
  • Gedeckter Güterwagen Gs 204
  • Gedeckter Güterwagen Gbs 254
  • Schiebewandwagen Hbis 299
  • Offener Güterwagen E 040.

Bemerkenswert für mich ist die fehlerhafte Produktbeschreibung auf der Fleischmann Homepage, wo Bauartbezeichnungen fehlen bzw. die Vorgänger Gattungsbezeichnung der Epoche III erwähnt wird. Ist sicher wenig professionell, da die allermeisten Online-Händler den Text 1:1 übernommen haben und die Fehler nicht bemerkt haben. Nur DM Toys hat die richtige Beschreibung der Güterwagen auf ihrer Homepage.

Zunächst wird einmal der Frage nachgegangen, wie gut die Auswahl in Bezug auf den Güterwagenbestand der DB um das Jahr 1970 ist. 1970 hatte die Bundesbahn rund 279.000 bahneigene Güterwagen im Bestand. Gut 35 % waren offene, 32 % gedeckte Güterwagen. Etwa 11 % gehörten zur Rungenwagengruppe, dicht gefolgt von den Selbstentladern mit 10%.  Flachwagen machten 7 % aus und die anderen Bauarten zusammen 5 %. Einen Überblick zeigt nachstehende Grafik.

Fleischmann hat demnach seine Güterwagen aus der E-, G- und K- Gruppe gewählt, die zusammen 78 % des damaligen Güterwagen-Bestandes der DB ausmachten. Insofern kann man Fleischmann zu dieser Auswahl gratulieren. Exoten, die Fleischmann auch im Programm hat(te), blieben unberücksichtigt. Als erstes Fazit ist festzuhalten, dass es sich bei dieser Auswahl tatsächlich um „Feld-, Wald-, Wiesen“-Güterwagen, d.h. um Regelgüterwagen handelt, die überall durch deutsche Lande fuhren. Nur der Kesselwagen ist in gewisser weise ein Exot, der aber etwas Farbe mit ins Spiel bringt.

Zu dem Güterwagen-Sextett im Einzelnen

Betrachten wir zunächst den blauen Kesselwagen. Er ist ein Privat-Güterwagen der Firma Röchling Heizöle, stationiert in Ludwigshafen/ Rhein.  Der Wagen hat eine Bremserbühne und hat einen 20 m³ großen Kessel. Gebaut wurde dieser Typ von 1938 bis 1952 in ca.2.500 Exemplaren. Ihm gebührt die Ehre, vom Vorbild her der älteste Wagen des Sets zu sein. Der Wagen trägt die Nummer 001 5 763-4[P] und passt in die Nummerngruppe des Kesselwagens. Für einen Nahgüterzug wäre der Kesselwagen ok, aber in einem Dg der 70er Jahre wegen der geringen Höchstgeschwindigkeit des Wagens eher nicht. Wegen ihres kleineren Kessels verkaufte die VTG, die nach dem Krieg 1.500 Wagen ihr Eigen nannte, um 1960 etwa 1.300 Wagen an Privatfirmen. So könnte der Wagen zu Röchling gekommen sein. Inzwischen gab es 2-achsige Kesselwagen mit 30 und mehr m³ Ladevolumen, die für die Spediteure günstiger waren.  

Fleischmann 20m³ Kesselwagen Röchling

Der erste gedeckte Güterwagen ist der Gbs254. Hier handelt es sich um einen Umbauwagen ohne Bremserbühne, der aus altbrauchbaren Teilen gedeckter Güterwagen (z.B. G 10, Gl 11 u.a.m.) und Neubauteilen gebaut wurde und zwischen 1961 und 1966 in Dienst gestellt wurde. Das Modell weist einen einteiligen Obergurt auf und damit gehört er nicht zur ersten Bauserie. Fast 10.700 Wagen wurden gebaut. Charakteristisch ist das Sprengwerk. Vor 1962 hießen diese Wagen noch Glmmhs 61.

Fleischmann Gbs 254

Da das Güterwagen-Set wohl Anfang der 70er Jahre spielen soll, ist das Modell als frisch aus dem AW mit silberfarbenen Lüfterklappen und Dach dargestellt. Als einziger Wagen des Sets hat er einen DB-Keks. Der Wagen ist als 150 0 403-7 beschriftet. Auch hier gibt es nichts zu meckern.

Der zweite gedeckte Güterwagen kommt mit Bretterwänden daher und stellt einen Gs204 dar. Vorher firmierte der Wagen als Gmhs 53. Dieser Wagen war eine Neukonstruktion aus dem Jahr 1954 und hatte in der ersten Ausgabe noch Bretterwände aus Kiefern- und Fichtenholz erhalten. Spätere Lieferserien hatten Wände aus Kunstharzplatten. Waren die Bretterwände verrottet, wurden sie später mit Kunstharzplatten ersetzt, daher waren solche Wagen nach über 15 Jahren Einsatz schon seltener. Dadurch unterscheidet sich optisch der Wagen von dem oben beschriebenen Gbs254. Eine gute Wahl, wie ich meine.  Von diesem Wagen wurden 2.833 Exemplare in Dienst gestellt. Weitaus häufiger war sein Umbau-Bruder Gls205, von dem es ein hervorragendes Modell von Modellbahn Union gibt. Der Gs204 trägt die Nummer 120 1 503-0. Auch diese Nummer ist richtig. Im Unterschied zum eben erwähnten Gbs254 hat der Wagen braune Lüftungsklappen. Nur der zugehörige Schieber hätte schwarz sein müssen.

Fleischmann Gs204

Der offene Güterwagen E040 ist dagegen ein Umbauwagen, der zwischen 1955 und 1962 in einer Auflage von 15.500 Wagen gebaut wurde. Hier mussten als Spenderwagen die Gattungen Om 12, Om 21 und O 10 herhalten. Der Wagen hat die Nummer 508 0 688-4, diese Nummer gehört zur zweiten Bauserie von 1957.

Fleischmann E040

Der Wagen hat die Verstärkung der Türen, die er nach 1966 im AW bekam. Vor 1964 liefen die Wagen mit der Bezeichnung Omm 55.

Der fünfte Wagen im Bunde ist der Kbs442 mit 16 Seitenrungen aus Stahl. Er ist ein echter Neubauwagen der DB. Auch dieser Wagen hat keine Bremserbühne. Zwischen 1958 und 1967 ließ die DB über 14.200 Wagen des Typs bauen. Vor 1964 liefen die Wagen mit der Bauart-Nummer Rlmms 56.  

Fleischmann Kbs442

Die vier Stirnrungen weisen beim Modell richtigerweise ein anderes Profil als die Seitenrungen auf. Aber dem Rungenwagen sind die Bremsecken nur angedeutet, da scheint der Druck verrutscht zu sein. Beschriftet ist er mit der Nummer 334 7 798-7, auch diese Nummer ist korrekt.

Als sechster und letzter Güterwagen wird uns der Schiebewandwagen Hbis299 präsentiert. Dieser Wagen mit den großen verschiebbaren Seitenwänden eignete sich gut zum Be- und Entladen mit Gabelstaplern. Er konnte mit 26 t beladen werden und die DB beschaffte 8.438 Wagen dieser Bauart. Er hatte 8 m Achsstand und war für 100 km/h zugelassen.

Fleischmann Hbis299

Die Wagennummer lautet 201 5 545-1, auch diese Nummer passt zur zweiten Bauserie. Gebaut wurden die Wagen ab 1966. Was auffällt, ist das etwas grobe Sprengwerk.  Inzwischen ist der Wagen die 16. Variante von Fleischmann.

Als Fazit ist festzuhalten, dass Fleischmann hier ein Güterwagenset zusammengestellt hat, das eher zu einem Nahgüterzug um 1970 passt- durchaus mit einer guten Auswahl der Güterwagen. Blöd nur, dass die gedachte Zuglok, die Wehrmachtsdiesellok der Baureihe 288 eher bei Durchgangsgüterzügen auf Rampen eingesetzt wurde. Auf Fotos im Zugeinsatz der Diesellok sind Züge mit einer endlosen Schlange gedeckter Güterwagen bekannt. Wie dem auch sei, der Modellbahner kann ja die sechs Güterwagen des Sets als Grundstock nehmen und mit weiteren Güterwagen auch anderer Hersteller ergänzen und/oder den einen oder anderen Wagen des Sets aufs Ladegleis schieben. Ein Zug mit mindestens 15 bis 20 Güterwagen sieht hinter einer Baureihe 288 da m.E. schon glaubwürdiger aus. Auf jeden Fall sollte ein Güterzug-Begleitwagen, z.B. der Pwghs054 von Modellbahn Union mit von der Partie sein.

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass drei der Güterwagen in dem Güterwagen-Set „Lumpensammler“ von Roco 2005 aufgetaucht sind, nämlich der Gbs254, Kbs442 und E040, damals alle in Epoche III beschriftet.

Zum Abschluss eine Übersicht aller 6 Wagen als Tabelle:

Gattung

Herkunft

frühere Gattung

Einsatz bei DB

LüP Vorbild

1 zu 160

Modell

Achsstand Vorbild

1 zu 160

Modell

Z

VTG

----

1945-1990

8800

55

55

4500

28

29

Gbs254

U DB

Glmms 61

1961-1995

14020

88

88

8000

50

50

Gs204

Neubau DB

Gmhs 53

1954-1993

10580

66

67

5840

37

36

E040

U DB

Omm 55

1955-96

10000

63

61

5400

34

34

Kbs442

Neubau DB

Rlmms 56

1958- 2012

13860

87

84

8000

50

51

Hbis299

Neubau DB

---

1966- 2019

14020

88

88

8000

50

50

 

Klaus Kosack

 

Literatur:

St. Carstens, Güterwagen der DB AG- Stand 1998, Fürstenfeldbruck 1998

H. J. Obermayer, Taschenbuch Deutsche Güterwagen, Stuttgart 1980

St. Carstens /H. Westermann, Güterwagen Band 7, Kesselwagen für brennbare Flüssigkeiten, Fürstenfeldbruck 2014

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