Im Sommer 2025 lieferte Minitrix ein Zugset mit vier Wagen, das einen „GmP“ darstellen soll. Dieser Zugset besteht aus 2 bayrischen Personenwagen und zwei gedeckten Güterwagen, davon ist einer ein Bierwagen.
Was ist denn ein GmP? Ganz einfach: ein Güterzug mit Personenbeförderung. So etwas gab es bis in die 1960er Jahre bei der Bundesbahn. Die wurden damals gerne in verkehrsschwächeren Zeiten eingesetzt, um zusätzliche Zugfahrten zu sparen, also z.B. am Vormittag nach der Frühspitze und vor dem Mittagsverkehr. Der GmP hatte die Aufgabe, z.B. vom Endbahnhof bis zum Anschlussbahnhof Güterwagen an unterwegs Stationen Güterwagen abzustellen und andere Güterwagen zu holen. Die Rangierarbeit machte man mit der Zuglok. Deswegen wurden die Güterwagen gerne am Zugschluss eingestellt. Wie viele Güterwagen am Anschlussbahnhof ankamen änderte sich von Tag zu Tag. Auch Anschliesser wurden bedient.
Konkret besteht der GmP aus zwei bayerischen leichten Hauptbahnwagen, einem ABie bay 10 und einem Bie bay 10, also Wagen, die beim Vorbild knapp 50 Jahre auf dem Buckel hatten. Die Güterwagen sind folgende: ein Gmhs 53 und ein Bierwagen der Nürnberger Brauerei Siechen. Damit kann der GmP auf bayerische Lokalbahnen im Großraum Nürnberg lokalisiert werden.
Lt. Prospekt soll Zuglok eine bayerische R 3/3 (BR 89.8) sein, die allerdings noch nicht lieferbar ist. Im Bw Nürnberg Rbf waren Loks der BR 89.8 stationiert, ebenso wie die größere Schwester, die R 4/4 (BR 92.20).
Modelle
Es folgen Bilder der vier Wagen des Sets.
Die beiden Personenwagen stammen noch aus der Länderbahnzeit. Die Vorbilder wurden 1912/1333 gebaut. Merkwürdig war für mich die Zusammensetzung. Es gab einen 1./2. Kl. Wagen und einen 2. Kl. Wagen. 2 Klassen auf einer Lokalbahn? Und das in einer verkehrsschwachen Zeit? In den Kursbüchern waren die GmP nicht besonders gekennzeichnet, aber die Zugnummern verrieten sie: Die Zugnummer lautete über 9000. So brauchte z.B. der GmP von Nürnberg (-Nordost) nach Gräfenberg (W 9751) fast 2 Stunden, während die normalen Personenzüge die gleiche Strecke in 1 Std 15 Min absolvierten. Lt. Kursbuch hatte keiner der Züge die 1. Kl.. Es gab selten Zugpaare des GmP. Aber hier kann man Nachsicht üben: Die 1. Kl. war für die Reisenden gesperrt und nur der Zugführer und ggfs. der Schaffner durften drinsitzen. Das war machbar, hatte doch die 1. Kl. einen Seitengang und die Reisenden konnten den ganzen Wagen mit der 2. Kl. vorne und hinten nutzen.
Das Vorbild wurde nach Zeichnung L127 gebaut und 1913 in Dienst gestellt. Er hatte je zwei Abteile der 1. und 2. Klasse. Die Toilette befand sich in der Wagenmitte. Gegenüber der Toilette befand sich ursprünglich ein Gefangenen-Abteil. Das wurde aber zu den DRG-Zeiten meistens abgebaut und zum 3. Kl. Abteil umgebaut. Insgesamt 60 Wagen wurden in Dienst gestellt. Nach dem 2. Weltkrieg waren nur noch 12 Wagen vorhanden. Der letzte Wagen wurde 1962 ausgemustert. Das Revisionsdatum lautet 1.6.57.
Das Vorbild wurde nach Zeichnung L164 gebaut und 1912 In Dienst gestellt. Hier war die Toilette am Wagenende. Insgesamt 240 Wagen wurden gebaut. Nach 1945 waren noch 113 Wagen übrig. Auch hier war 1963 mit den Wagen Schluss. Einige Wagen wurden noch für das x3yge-Umbau-Programm genutzt. Das Revisionsdatum lautet 30.10.57. Die „0“ in der Wagennummer bedeutete, dass die Wagen bald zur Ausmusterung anstanden.
Nicht so gut fand der Autor, das auf den Zugschildern nur „Nürnberg“ steht. Das hätte man besser durch Zusätze wie z.B. (Nürnberg-) Nordost oder Hbf ergänzen müssen.
Kommen wir zu den beiden Güterwagen. Der erste ist ein Gmhs 53, der ab 1954 bis 1957 in Dienst gestellt wurde. Insgesamt 2.833 Wagen wurden gebaut. Das Modell hat einen jüngeren Wagen zum Vorbild, wie aus der Wagennummer hervorgeht. Er ist außerdem ein EUROP-Wagen. Das Modell selbst ist schon sehr alt und gehört zu den Erstlingswerken von Minitrix. Er erschien bereits 1968. Gehäuse und Fahrgestell wurden auch für weitere sehr ähnliche Bauarten (z.B. Gmmhs 40) weiterverwendet. An der Form wurde wenig verändert.
Hier ein Bild des Wagens:
Wie bei allen Vorgängern ist die Beschriftung am Rahmen rudimentär. Es konnte jedoch das letzte Revisionsdatum entziffert werden: 8.3.60
Der vierte Wagen im Bunde ist ein Bierwagen der Nürnberger Brauerei „Siechen“, der als Privatwagen, eingestellt bei der DB, daherkommt. Eisenbahntechnisch ist er ein Wärmeschutzwagen. Als Kühlwagen ist er weiß gestrichen und die Türen lassen sich öffnen.
Wie kommt das Bier zu seinem Namen? In der Anfangszeit, so ab 1870, verkauften die Brauereien an Wirte. Hatte das Bier Erfolg, so nahm man gerne den Namen des Wirtes oder Verlegers für das Bier.
So auch hier: Die Brauerei Reif lieferte sein Bier an die Gaststätte Siechen in Berlin; der Wirt Franz Siechen betrieb ein Lokal mit dem Namen „Papa Siechen“. Das Bier war ein toller Erfolg, sodass die Brauerei bereits 1875 beschloss, dieses Bier auf den Namen „Siechen“ zu taufen. Es war ein klassisches Exportbier, das sehr gerne im preußischen „Ausland“ getrunken wurde. Übrigens, eine Statistik aus dem Jahre 1869 zeigt, dass in Bayern damals Nürnberger Bier am meisten exportiert (78.480 hl) exportiert wurde, vor Kulmbach, Erlangen, München und Kitzingen, wobei aus München nur ein Viertel des Nürnberger Exports stammte.
Unter dem Namen Siechen wird heute noch Bier verkauft.
Auf dem Wagen steht auch der eigentliche Besitzer, die Brauerei J.G. Reif aus Nürnberg. Beheimatet ist der Wagen in Nürnberg-Nord. Es ist der dritte Wärmeschutzwagen mit der Aufschrift „Siechen“ von Minitrix.
Auch der Wagen hat ein Revisionsdatum: 11.5.58.
Fazit
Damit steht fest, das jüngste Revisionsdatum aller Wagen ist der 8.3.60, also kann der Zug erst danach gefahren sein.
Ich habe den GmP etwas erweitert mit dem Set #11631, wo auch die Zuglok BR 92.20 dabei war. Wagen 1 bis 3 und Wagen 7 gehören zum aktuellen Set #15002. Mit dieser Kombination habe ich mir einen schönen GmP zusammengestellt, wie er Anfang der 1960er Jahre im Großraum Nürnberg unterwegs sein könnte. Ambitioniert ist der Preis des Sets #15002: Bei DM Toys ist er für gut 134 € zu haben.
Klaus Kosack
Literatur:
H. J. Obermeyer, Taschenbuch Dt. Güterwagen, Stuttgart 1980
St. Carstens, Güterwagen Bd 1.2, gedeckte Wagen DB + DR, Fürstennfeldbruck 2019
Alto Wagner, Bayrische Reisezugwagen, Mittelstätten 2015