06/2022 von Klaus Kosack

Arnolds neuer Doppelstock-Autoreisezugwagen der DR

Arnolds Set DDm 916 der DR

Als eine Neuheit des Jahres 2022 hat Arnold ein Set mit zwei Doppelstock-Autoreisezugwagen der Bauart DDm916 der DR herausgebracht. Dieser Wagen wurde von der Reichsbahn beschafft, damit auch Urlauber mit eigenem Pkw in das Urlaubsland fahren können. Seit Ende der 60er Jahre machte, das die DB vor und die DR wollte, auch auf die Geschäftsidee aufspringen und nicht abseitsstehen. Zumal sie ein Geschäft darin sah, auch aus West-Berlin solche Fahrten für Urlauber anzubieten. Hier konnte die ewig klamme DDR gut West-Devisen einnehmen. Verladestation war Berlin-Wannsee.

Vorbild

Im Jahre 1969 wurden bei der DB Wagen für den schnellen Transport von Pkw in Reisezügen in Dienst gestellt. Sie wurden als DDm915 in 165 Exemplaren in Dienst gestellt. Dies ließ ausländische Waggon-Fabriken nicht ruhen und stellten eigene Wagen, die den DB Wagen ähnlich aussahen, aber eigene konstruktive Elemente aufwiesen. Auch andere Güterwagen wurden von der DR in Frankreich gekauft. Der Kauf kam 1971 zustande. Insgesamt 38 Wagen orderte die DR bei der französischen Firma ANF Frangeon, die bis 1972 geliefert wurden.

Wagenskizze DDm916, Quelle: WAGEN- Archiv Dt. Reisezug- und Güterwagen, Blatt DDm916

Der Wagen ist ein klassischer Autotransporter mit zwei Stockwerken. Auf jedem Stockwerk konnten maximal 5 Mittelklasse-Pkw verladen werden. Damit es keine Probleme mit der Umgrenzung des beladenen Wagens gibt, wurden spezielle Drehgestelle der Bauart Y 30 verbaut. Deren Raddurchmesser beträgt nur 85 cm und so konnte die Umgrenzung eingehalten werden. Der Radstand beträgt 2,3 m und es wurden Scheibenbremsen verbaut. So ausgestattet konnten die Wagen 160 km/h laufen. Die Autos standen auf 6 cm starkem Stehblech, das mit einer Anti-Rutschfarbe angestrichen war. 14 Säulen trugen die zweite Ebene. Überdies war der Wagen in der Mitte leicht nach unten gebogen. Der Wagen wog leer 25 t und hat wie die Reiszugwagen eine Länge von 26,4 m.

Im Laufe der Zeit trugen die Wagenkästen verschiedene Farbkleider. Abgeliefert wurden sie im Grün der Reisezugwagen. Ab 1985 wurde die Farbe fernblau verwandt, die 1997 von verkehrsrot abgelöst wurde.

Eingesetzt wurden die DR-Wagen u.a. im Tourex-Express nach Varna (Bulgarien), aber auch von Berlin-Wannsee (West-Berlin) nach Niebüll/ Westerland über Hamburg. Bei Einführung des Autoreisezugs in die BRD wurde der Zug noch mit der BR 01.5 bis Hamburg bespannt; ab Hamburg dann mit einer BR 01.10. Später kamen Dieselloks (DR BR 132 „Ludmilla“ und bei der DB BR 220,221 oder 218) zum Zuge. Diese Züge fuhren meistens 1x pro Woche.

Das Modell

Der Wagen ist eine absolute Neukonstruktion, denn vergleichbare Wagen DDm916 gab es bisher in N noch nicht. Nur die DB- Variante DDm915 hatte Fleischmann ab 1971 im Programm. Seither sind 23 Varianten erschienen, mit und ohne Pkw beladen in den Farben grün, blau und verkehrsrot. Die letzte Version erschien 2020. Den Wagen gab es mit DB-Logo (DB und DB AG) und auch als ÖBB-Wagen, sowie einer als Privatwagen.

Fleischmanns DDm915

Kommen wir zurück zu der Arnold-Neuheit. Sicher war es ein geschickter Schachzug der Firma, den DR DDm auszuwählen. Denn er bietet eine Unzahl von Variationsmöglichkeiten. Gleich beim ersten Erscheinen des Wagens gab es sage und schreibe 31 Varianten, alle unbeladen. 10 Modelle zeigen die SNCF- Herkunft, 7 sind Spanier. 8 DB und DB AG und je 3 SNCB und DR. Die meisten Packungen sind Sets mit zwei Wagen, so auch der hier besprochene Doppelstock-Autotransporter der DR (#HN4353).

Hier ein Foto des neuen Wagens:

Arnolds DDm916

Der Wagen ist relativ gewichtig: Er wiegt 37 gr. und liegt satt auf den Schienen. Auf der Clubanlage kam es daher zu keinen ungewollten Entgleisungen, sofern die Schienen sauber verlegt sind.  Der Wagenkörper scheint aus Metall zu sein; bei den Geländern braucht man keine Angst haben, dass sie abbrechen.

Im nächsten Bild wird die Front des Wagens gezeigt.

Arnolds DDm von vorne

Das Foto zeigt einen Mangel: An der Vorderseite der Wagen sind die Übergangsbleche hochgeklappt. Das erschwert bzw. macht es fast unmöglich, die untere Ladefläche mit Pkw zu beladen. Die einzige Lösung wäre, man bricht an einer Seite das Übergangsblech ab, belädt den Wagen und klebt anschließend das Blech wieder an den Wagen. Dank der oberen Bleche können keine Modellautos über den Wagenrand verrutschen.

Arnolds DDm von oben

In der Mitte zeigt der Wagen im Oberdeck einen Mittelstreifen, um den Pkw-Fahrern die Mitte des Wagens anzuzeigen. Die 6 Steifen neben dem Wagenrand sind Vorrichtungen für Klemmschuhe, damit die Autos nicht während der Fahrt verrutschen.

Arnolds DDm von unten
Kuppelabstand ab Werk

Der Kuppelabstand ab Werk ist zufriedenstellend. Auch in Kombination mit anderen Wagen ist die Pufferhöhe nicht zu unterschiedlich. Wer es enger mag, nimmt z.B. die Fleischmann-Erbse oder noch besser die PEHO-Clips Kupplung, die das ungewollte Entkuppeln fast unmöglich machen.

Die letzte Aufmerksamkeit galt den Drehgestellen. Hier hat Arnold gleich zwei Bonbons mit verbaut:

Modell des Drehgestells Y 30

Der Achsstand ist stimmig. Die Sensation aber ist, dass hier Räder mit 5,6 mm Durchmesser verbaut sind und die zweite Sensation ist, dass die Spurkranzhöhe nur 0,5 mm beträgt. Es geht also doch: Wegen der niedrigen Spurkränze entgleisten die Wagen nicht öfter.  Damit ist Arnold der erste Anbieter mit Rädern und niedrigen Spurkränzen in Großserie.

Fazit

Hier hat Arnold mal einen Wagen produziert, der zwar bei Deutschen Bahnen eher selten vertreten war, aber dafür umso öfter im westlichen Ausland (Spanien, Frankreich und Belgien) zu sehen war. Wenn Arnold noch den Wagen Pkw beipackt, hat man die Chance wenigstens das Oberdeck zu beladen. Verwirklicht wurde ein neuer Wagentyp, den es in N bisher noch nicht gab. Da neuerdings die Wagen beim Vorbild in verschiedenen Farben laufen, hat hier Arnold noch einige Möglichkeiten. Wenn das Übergangsblech auf einer Seite nur geclipst wäre, könnte man auch das Unterdeck beladen. An dieser Stelle könnte sich Arnold noch etwas einfallen lassen.

Einsetzbar sind die Wagen in Autoreisezügen, z.B. mit neueren DR-Reisezugwagen von z.B. Brawa oder Arnold. Bei zwei Auto-Doppelstockwagen genügen 4 bis 5 Reisezugwagen für den ganzen Zug. Vorzugsweise sollte das Ganze von den 70er bis Anfang der 90er Jahre spielen, denn die ausgelieferten Wagen waren mit dem Grün und DR-Logo bis 1993 unterwegs.

 

Klaus Kosack

GeraMond Verlag, WAGEN, Das Archiv Dt. Reisezug- und Güterwagen, Blatt DDm 916 (6 S.)


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