03/2015 von Jürgen Plack

Der VT 135 von Kres in 1:160

VT 135 Kres in 1:160
Das Vorbild

Mitte der 1930er Jahre erstellte die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) Entwürfe zur Beschaffung von Einheits-Nebenbahntriebwagen. Diese sollten die zuvor beschafften Prototypen, mit denen verschiedene Antriebskonzepte erprobt worden waren, ablösen. Der diesel-mechanische Antrieb hatte am meisten überzeugt. Die zweiachsigen Triebwagen wurden als VT 135 eingereiht. Insgesamt wurden davon 64 Stück in den Jahren 1937 und 1938 von der MAN (federführend), den Waggonfabriken Bautzen und Rathgeber sowie von der Maschinenfabrik Esslingen an die Reichsbahn geliefert.

Ein MAN-Sechszylinder-Dieselmotor mit 150 PS trieb nur eine Achse an (Achsfolge A 1). Das Fahrzeug, dass über 46 Sitzplätze (davon acht Klappsitze) verfügte, erreichte damit eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h. Nach dem Krieg kamen etliche Triebwagen zur DB, die die letzten, jetzt als VT 70 bezeichneten, noch bis 1967 einsetzte. Bei der DR wurden die letzten Exemplare 1972 ausgemustert. 

Die Freude unter den N-Bahnern war groß, als Kres (Köstel & Rasch Elektronik + Service) ein DR-Epoche-III-Modell dieses Triebwagens ankündigte. Jetzt lag es uns zur eingehenden Begutachtung vor (Art.-Nr. N135).







Die Optik

Hier hat man sich in Fraureuth bei Zwickau unheimlich viel Mühe gegeben. Das Gesamterscheinungsbild ist hervorragend getroffen. Die sehr filigranen Vorbild-Kupplungshaken, die Bremsschläuche und die Signalhörner – alles ist bereits ab Werk montiert. Das Fahrwerk ist exzellent detailliert, die Radsatzlager mit ihrer Federung machen einen hervorragend gravierten Eindruck. Der Wagenkasten steht dem in nichts nach: Die Farbtrennlinien sind randscharf und „fransenfrei“ ausgeführt. Extrem fein ist auch die silberne Bedruckung der Haltegriffe an den Einstiegen und der Türklinken. Die Fenster sind sauber eingesetzt, die Beschriftung ist bis in die letzten Einzelheiten mit der Lupe lesbar ausgeführt. Weil man den zur Platine führenden Kabelstrang hinter dem weißen Toilettenfenster nach oben geführt hat, ist es gelungen, einen völlig freien Durchblick durch das Fahrzeug zu ermöglichen. Die Optik insgesamt: Besser geht es wohl kaum!









Die Technik

Können die Fahreigenschaften da mithalten? – Sie können! Im Einzelnen: Der kleine Triebwagen fährt bereits bei zwei Volt weich und sehr langsam an und ist sehr gut regelbar. Da eine der beiden angetrieben Achsen pendelnd ausgeführt ist, und sich dadurch eine Drei-Punkt-Lagerung ergibt, und durch den Verzicht auf einen Haftreifen, ist die Stromabnahme sehr sicher. So verlieren Doppelkreuzungsweichen und selbst Bogenweichen mit langen Kunststoff-Herzstücken ihren Schrecken und werden schon in Langsamfahrt sicher und ruckfrei überfahren. Bis hinauf zur moderaten Höchstgeschwindigkeit liegt das Modell absolut ruhig im Gleis. Das Fahrgeräusch bleibt dabei stets deutlich hörbar, ist aber gerade noch tolerierbar – es passt irgendwie zu einem Dieseltriebwagen. Da der VT 135 keine Schwungmasse besitzt, ist natürlich kein wirklicher Auslauf zu erwarten. Das mit der Fahrtrichtung wechselnde weiß/rote Zweilicht-Spitzensignal (LEDs) ist , ebenso wie die Innenbeleuchtung, schon bei sehr geringer Geschwindigkeit gut sichtbar. Leider ist die Beleuchtung nicht abschaltbar. Das wäre aber schön, wenn einmal ein Beiwagen (wir sind sicher, dass der kommen wird – auf der Verpackung ist er schon zu sehen...) oder ein Güterwagen angehängt werden soll. Das 45 Gramm schwere Modell entwickelt dafür eine ausreichende Zugkraft (siehe Tabelle).






Genial: Der Triebwagen kann vom N-Bahner mittels zweier beiliegender Kupplungsnormschächte mit einer N-Kupplung versehen werden. Dazu müssen auf einer Seite Luftkessel und Bremsschläuche, auf der anderen nur die Bremsschläuche nach unten aus der Kurzkupplungskinematik herausgezogen, und durch die Normschächte ersetzt werden. Das funktioniert problemlos. Die Kinematik arbeitet dann leichtgängig, die Kupplungen stehen schön waagrecht und kuppeln weich ein. Kleiner Kritikpunkt: Man hätte ab Werk noch zwei Normkupplungen beilegen können...





Wartung und Pflege

In der „Gebrauchsinformation“, die auch eine Explosionszeichnung mit Ersatzteilnummern beinhaltet, ist das Abnehmen des Gehäuses durch Herausziehen der Puffer beschrieben. Das funktioniert einwandfrei und ohne jegliches „Gezerre“. Beim Wiederzusammenbau daran denken: Der gewölbte Pufferteller soll in Fahrtrichtung immer rechts sein. Weiterhin wird der oben erwähnte Einbau einer Kupplung und der eines Digital-Decoders (sechspolig) erklärt. „Das Getriebe ... ist mit Dauerschmierung versehen, sodass daran keine Wartungsarbeiten erforderlich sind“. Über den Motor wird nichts ausgesagt, wir gehen also davon aus, dass er ebenfalls wartungsfrei ist. Interessant und vorbildlich: Laut Gebrauchsinformation wird das Modell werksseitig ca. 15 Minuten eingefahren.

Das Fazit

Die N-Bahner haben sich zu recht auf den VT 135 von Kres gefreut! Sie erhalten damit ein absolutes Spitzenmodell, sowohl was die Optik, als auch die Technik betrifft. Und damit ist auch die zunächst recht hoch erscheinende UVP von 169,90 Euro durchaus gerechtfertigt.

Jürgen Plack

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